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Zu wenig Lehrer : Flüchtlinge in SH: Wer bringt den Kindern Deutsch bei?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge sorgt bereits für Zündstoff. Doch es gibt noch größere Probleme.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 13:22 Uhr

Kiel | Ist schon die Suche nach Unterkünften für die steigende Zahl von Flüchtlingen schwierig, erwartet Schleswig-Holstein jetzt ein noch größeres Problem: Die Flüchtlingskinder sind schulpflichtig, unabhängig davon, ob der Asylantrag ihrer Eltern bereits genehmigt worden ist oder nicht.

„Es fehlen jedoch die Lehrer, die ihnen Deutsch beibringen könnten“, sagt Johanna Boettcher (35) vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Ihre Zahl sei auf dem Stand von vor fünf Jahren eingefroren.

Derzeit gibt es 212 Planstellen für Experten, die an den Schulen im Land Deutsch als Zweitsprache (DaZ) unterrichten. „Das ist eine tragfähige Struktur“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst am Donnerstag. Doch auf der Flucht vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat es allein in diesem Jahr bislang 1900 Menschen aus Syrien und dem Irak  nach Schleswig-Holstein verschlagen, hinzu kommen rund 500 Syrer, denen Bund und Land die Zusammenführung mit ihren Familien erlauben, die bereits hier leben. „Ein Drittel der Flüchtlinge sind Kinder“, so Boettcher. Damit sitzen nun 800 Schüler im Unterricht, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen.

Wie schnell die Zahl der DaZ-Lehrer aufgestockt werden kann, ist unklar. Sie benötigen eine spezielle Ausbildung, damit sie den Kindern Deutsch vermitteln können, auch wenn sie deren Sprache selbst nicht verstehen.

„Angesichts der Flüchtlingszahlen beraten wir derzeit mit dem Innen- und Finanzministerium, wie die vorhandenen Kapazitäten erweitert werden können“, erklärte Ernst. Gleichzeitig plane man Fortbildungen für den Umgang mit traumatisierten Schülern.

Noch nicht auf dem Schirm hat das Ministerium dieses Problem: Sind Flüchtlinge über 16 Jahre alt, müssen Schulen sie nicht mehr aufnehmen, es besteht nur noch eine Berufsschulpflicht – aber dort gibt es momentan gerade einmal 13 DaZ-Stellen. Ein 18 Jahre alter Flüchtling ist gar nicht mehr schulpflichtig, selbst wenn er noch keinen Abschluss hat. „Er lernt die Sprache nicht, hat kein Zeugnis in der Tasche. Auf welchem Weg soll er sich integrieren?“, fragt Boettcher. „Wir sehen da viele durchs Raster fallen.“ Der Flüchtlingsrat plädiert für eine Erweiterung der Schulpflicht bei Flüchtlingen auf 21 Jahre so wie in Bayern. „Solche Planungen gibt es derzeit nicht“, heißt es aus dem Ministerium.

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