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Einrichtung in Neumünster : Flüchtlinge in SH: Plätze werden verdoppelt

vom

Die Zahl der Asylsuchenden steigt. Bisher gibt es 400 Plätze in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster. Das soll sich schon bald ändern.

Neumünster | Mit zweistelligem Millionaufwand baut Schleswig-Holstein seine Kapazitäten für Flüchtlinge und Asylbewerber zügig und massiv aus. Statt 400 Plätze werden 2015 als Zielgröße 1200 Plätze in der bisherigen zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Neumünster und dann zusätzlich in einer ehemaligen Kaserne im nahen Boostedt zur Verfügung stehen.

„Wir wollen Asylsuchenden weiterhin einen ordentlichen Start in Schleswig-Holstein bieten“, sagte Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler am Mittwoch in Neumünster. Dort stellte sie die Ausbaupläne vor.

Die Zahl der Asylsuchenden in Schleswig-Holstein steigt in diesem Jahr um mehr als 70 Prozent im Vergleich zu 2013 - auf 6700 Erstantragsteller und 900 Folgeantragsteller. Für 2015 sei mit den gleichen Zahlen zu rechnen, so das Ministerium. Die seit Monaten überfüllte zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster soll bereits bis Ende November zusätzlich Interims-Container mit 200 Plätzen erhalten sowie Isoliercontainer für 24 Menschen mit ansteckenden Krankheiten. Bis Sommer 2015 werden in Neumünster feste Containerhäuser mit weiteren 400 Plätzen errichtet.

Ab Anfang 2015 wird außerdem die bis dahin umgebaute ehemalige Kaserne in Boostedt zur Erstaufnahme genutzt mit maximal 500 Plätzen - aber nur befristet, wobei die Belegung schrittweise erfolgen soll und die Nutzungsdauer offen ist. In Boostedt solle die ehemalige Kaserne nach bisherigen Planungen fünf Jahre für die Erstaufnahme genutzt werden - „aber das ist praktisch so wie ein Blick in die Glaskugel“, sagte Söller-Winkler. „Entscheidend ist, wie viele Flüchtlinge kommen, und das kann niemand vorhersagen.“ Die Zahl der Interims-Containerplätze solle reduziert werden, sobald neue feste Unterkünfte errichtet sind. Es gebe aber keinen Zeitplan, Flexibilität sei notwendig.

Bisher hat die Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster 400 Plätze, untergebracht waren dort zuletzt mehr als 500 Menschen. Bis zum Jahr 2022 sollen die vorhandenen Gebäude aufwendig saniert werden. Die Zahl der Plätze in diesen fünf Gebäuden steigt von 400 auf 450. Mit den 400 Plätzen in den vier neuen Containerhäusern stehen dann auf Dauer etwa doppelt so viele Plätze in Neumünster zur Verfügung wie bisher. Während der Sanierung stehen in den alten Gebäuden nur 300 bis 400 Betten zur Verfügung.

Allein für 2015 rechnet das Innenministerium mit Kosten von 11,25 Millionen Euro für die Containerhäuser und die Bewirtschaftung der Liegenschaft in Neumünster. Für Boostedt muss das Land 2015 voraussichtlich 1,6 Millionen Euro aufbringen. Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen in Neumünster bis 2022 stehen noch nicht fest.

Um die Flüchtlinge besser aufzunehmen, sollen in der Erstaufnahme sogenannte Willkommenskurse mit Deutschunterricht helfen, sich in der neuen Umgebung zu orientieren. Gemeinsam mit anderen Ländern werde man Standards für die Ausschreibung von Wachdiensten erarbeiten, obwohl „wir bisher keinen Anlass zu Beanstandungen hatten“, sagte Söller-Winkler. „Neumünster ist eine gute erste Adresse für Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind.“ Das Land wolle daher den Ausbau der Erstaufnahmeeinrichtung weiterhin zusammen mit der Stadt und gestalten.

Oberbürgermeister Olaf Tauras (parteilos) teilte mit, dass er ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück angrenzend an die Erstaufnahmeeinrichtung ans Land verkauft hat, damit diese wie geplant erweitert werden könne. „Wir haben es mit Menschen in Not zu tun - da ist schnelles Handeln geboten“, begründete er seine Entscheidung. Als Oberbürgermeister kann er Grundstücke bis zu einem Preis von 375.000 Euro ohne Ratsbeschluss selber verkaufen. Über den Verkaufspreis machte er keine Angaben. Die Belastung der Kommunen könnte jetzt etwas nachlassen, meinte Söller-Winkler. Sie hofft, dass künftig wieder die Flüchtlinge und Asylbewerber sechs Wochen lang in Neumünster bleiben können und dort auch die Anhörung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge möglichst erfolgen solle. So würden die Kreise zumindest davon wieder entlastet.

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erstellt am 22.Okt.2014 | 16:54 Uhr

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