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Innenminister Stefan Studt : Flüchtlinge in SH: Mehr Kinder, mehr Frauen

vom

Innenminister Stefan Studt will 25.000 Erstaufnahme-Plätze für Flüchtlinge in SH schaffen - und damit die Zahl verdoppeln.

shz.de von
erstellt am 25.Nov.2015 | 17:45 Uhr

Boostedt | Unter den nach Schleswig-Holstein kommenden Flüchtlingen sind immer mehr Familien. Während der Anteil der Minderjährigen bis Ende September noch bei unter einem Viertel lag, war im November bereits mehr als ein Drittel der Neuankömmlinge unter 18 Jahren, wie der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring, am Mittwoch in Boostedt sagte. Zudem sind unter den Flüchtlingen zunehmend mehr Frauen. Waren bis Ende September nur 24 Prozent der Flüchtlinge weiblich, galt dies im November für fast ein Drittel der Flüchtlinge.

Bisher waren es vor allem Männer, die die gefährliche Flucht, oft über das Mittelmeer, wagten und in Schleswig-Holstein ankamen. Ein Teil der Flüchtlinge versucht nach wie vor, über SH weiter nach Skandinavien zu kommen.

Weiter rückläufig entwickeln sich auch die Zahlen der Flüchtlinge aus Ländern wie Albanien oder Serbien. „Man sieht, dass vom Balkan nicht mehr so viele kommen“, sagte Döhring. Betrug ihr Anteil bis Ende des dritten Quartals noch 33,4 Prozent, sank er im November auf 1,6 Prozent.

Innenminister Stefan Studt (SPD) hält an seinem Ziel fest, landesweit 25.000 Plätze in Erstaufnahmen zu schaffen. „Ich kann allerdings keine Garantie geben, dass wir dies bis Mitte Dezember schaffen“, sagte er bei einem Besuch in der Erstaufnahme in Boostedt (Kreis Segeberg). Möglicherweise werde diese Marke erst Anfang 2016 erreicht.

Stefan Studt und Ulf Döhring werden am Donnerstag ab 10.30 Uhr im Livechat auf shz.de zum Thema Flüchtlinge Rede und Antwort stehen. Sie können hier schon jetzt Ihre Frage an den Minister stellen.

Eine weitere Erstaufnahme des Landes für Flüchtlinge wird am Donnerstag in Glückstadt (Kreis Steinburg) eröffnet. Dort stehen in einer ehemaligen Kaserne zunächst 200, langfristig 2000 Plätze bereit. Am Donnerstag soll zudem die Kapazität der Unterkunft in Putlos von 900 auf 1500 Flüchtlinge erhöht werden. Damit steigt die Zahl der Plätze landesweit auf 13.400. Mit Stand Mittwoch hielten sich 12.867 Flüchtlinge in Landes-Einrichtungen auf.

Bislang haben in diesem Jahr nach Angaben von Döhring 50.000 Flüchtlinge das nördlichste Bundesland erreicht. Ein Teil von ihnen zog allerdings weiter, vor allem nach Schweden und Dänemark. Bis Mittwoch hat das Land knapp 43.300 Menschen aufgenommen. Die Landesregierung rechnet insgesamt mit als 50.000 Hilfesuchenden in diesem Jahr.

Mit Blick auf den nahenden Winter sieht Innenminister Studt keine Anzeichen für eine Entspannung der Flüchtlingslage. „Wir gehen für die kommenden Monate davon aus, dass die Zahlen stabil bleiben.“ Eine Prognose für 2016 sei derzeit aber schlicht nicht möglich, weil niemand die Entwicklung einschätzen könne.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt.

Foto: dpa
 

Pläne für weitere Erstaufnahmen des Landes existieren deshalb bereits. „Natürlich haben wir mit allen in Frage kommenden Kommunen darüber bereits gesprochen“, sagte Studt. Die Erstaufnahme in Boostedt sieht er als Vorbild für derartige Einrichtungen. In dem Ort gebe es viel ehrenamtliches Engagement. „Mir ist bewusst, dass 2000 Flüchtlinge in einer Gemeinde mit 5000 Menschen eine große Herausforderung für die Gemeinschaft sind.“

„Die Bundeswehr hat sich zurückgezogen, wir haben diese Kaserne mittlerweile vollständig übernommen“, sagte Studt. Dort gibt es neben Kinderbetreuung und Sprachkursen mittlerweile auch eine Schule für die Flüchtlingskinder. „So stelle ich mir das Spektrum in allen Erstaufnahmen vor“, sagte der SPD-Politiker.

Die Schüler werden dort in mehr oder weniger täglich wechselnden Gruppen von acht Lehrern unterrichtet. Auch wenn die Kinder nur kurze Zeit in der Einrichtung bleiben, erhalten sie regulären Schulunterricht, allerdings ohne Tests oder Klausuren.

Unterdessen startete das Land am Mittwoch eine landesweite Hilfsplattform im Internet zum Thema Flüchtlinge. Unter www.ich-helfe.sh können sich Initiativen, Vereine und Organisationen der Flüchtlingshilfe darstellen oder um Hilfe bitten.

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