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Mehr Unterbringung in Dörfern : Flüchtlinge in SH: Leere Wohnungen statt Zelt und Container

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Verband der norddeutschen Wohnungsunternehmen kritisiert die Verteilung nach Einwohnerzahlen. Auf dem Land sei viel mehr Platz.

Kiel | Rund 1,7 Millionen Wohnungen stehen in Deutschland leer. Anstatt Flüchtlinge auf Schiffen, in Turnhallen, Containern und Zelten unterzubringen, sollten diese freien Kapazitäten besser genutzt werden, forderte am Donnerstag der Verband der norddeutschen Wohnungsunternehmen (VNW).

„Warum ausgerechnet die Städte, in denen Wohnungen eher knapp sind, überproportional viele Flüchtlinge unterbringen müssen, anstatt aufs flache Land auszuweichen, ist unverständlich“, erklärte VNW-Verbandsdirektor Joachim Wege in Kiel. Allein in Schleswig-Holstein seien derzeit 38.000 Wohneinheiten nicht belegt. Das entspricht 3,2 Prozent der Wohnungen, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 6,7, in Hamburg dagegen nur 0,8 Prozent. Vor diesem Hintergrund müsse in Bund und Land über eine Verteilung der Flüchtlinge nicht nur stur nach Bevölkerungszahlen, sondern auch nach Leerstand diskutiert werden. Bei richtiger Verteilung müsse kein Flüchtling, der in den Norden kommt, im Container leben, so Wege weiter.

„Wir brauchen im Norden nicht nur eine Willkommenskultur, wir brauchen auch eine Willkommensstruktur“, sagte der Verbandschef. Dafür müssten Politik, Verwaltung, Wohlfahrtsverbände und Wohnungswirtschaft endlich an einen Tisch kommen und einen Pakt fürs Wohnen schließen. Die Landesregierung reagiere hier viel zu spät. Das Innenministerium betonte, der Verband der Wohnungsunternehmen werde „selbstverständlich“ zum Flüchtlingsgipfel, der am 6. Mai stattfinden soll, eingeladen.

Wege wies zudem auf das Problem hin, dass Asylbewerber, Studenten, Alleinerziehende und ältere Singles um den gleichen preiswerten Wohnraum in Konkurrenz treten. Angesichts von 20.000 neuen Flüchtlingen, die die Landesregierung in diesem Jahr erwartet, müsse die Politik sich stärker ressortübergreifend um das Thema Wohnen kümmern.

Die Wohnungsunternehmen sehen sich derweil mit ganz praktischen Fragen konfrontiert. Wie etwa soll ein Mietvertrag aussehen für Menschen, die womöglich in zwei Monaten das Land wieder verlassen müssen? „Mit der üblichen dreimonatigen Kündigungsfrist gibt es da ein Problem“, sagte der VNW-Landesvorsitzende Raimund Dankowski. Den Bau neuer Wohnungen hält er zwar für sinnvoll, aktuelle Notlagen lassen sich damit jedoch nicht beheben. Nachdenken müsse man auch über die Standards. „Warum müssen alle Leitungen unter Putz liegen und warum dürfen in Schlichtbauten bei Trittschall oder Innenwanddicke keine Konzessionen gemacht werden?“

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erstellt am 26.Feb.2015 | 20:34 Uhr

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