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Influenza-Impfung in SH : Flüchtlinge haben hohes Grippe-Risiko

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Überbelegte Notunterkünfte erhöhen die Ansteckungsgefahr. Für das Gesundheitssystem in SH ist dies eine große Herausforderung.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2015 | 19:19 Uhr

Der ungebrochene Zuzug von Flüchtlingen ist auch für das Gesundheitssystem eine Herausforderung – zumal die diesjährige saisonale Grippe in den Startlöchern steht. „Besonders gefährdet, sich mit dem Influenza-Virus zu infizieren, sind Menschen in Notunterkünften, die auf engem Raum zusammen leben“, warnt die Gesellschaft für Virologie (GfV).

Möglichst viele Flüchtlinge sollten daher im Oktober eine Influenza-Impfung erhalten. Gleichzeitig solle medizinisches Personal konsequenter auf den eigenen Impfschutz achten.

„Die Hälfte des georderten Grippeimpfstoffs ist bereits in Schleswig-Holstein eingetroffen“, erklärt Jens Kuschel, Sprecher der AOK, die im Norden federführend für alle gesetzlichen Kassen mit den Impfstoff-Herstellern verhandelt. Aus Kassen-Beständen könnten jedoch keine Impfdosen für Flüchtlinge bereitgestellt werden, solange die Abkommen über die Einführung einer Gesundheitskarte für Flüchtlinge noch nicht unter Dach und Fach sind.

„Solange müssen sich Bund und Länder selbst um die nötigen Impfdosen kümmern und diese bei den Herstellen selbst bestellen“, sagt Kuschel. Grundsätzlich würden die von den Kassen georderten Kontingente zwar auch für die Flüchtlinge reichen , „doch ohne Karte darf sich der Staat daran nicht bedienen“.

Die Haltung der Kassen steht zudem im Widerspruch mit Bestrebungen der Bundesregierung, die auf dem Flüchtlingsgipfel am Donnerstag beschließen will, Schutzimpfungen aktiv anzubieten. Zwar können sich Flüchtlinge schon heute impfen lassen. Dies wird ihnen aber nicht offensiv nahe gelegt.

Entscheidend für einen guten Schutz ist der Zeitpunkt der Impfung. Denn nach einer Influenza-Immunisierung nimmt die Zahl der gebildeten Antikörper rasch ab. Deshalb sollte die Grippeimpfung nicht zu früh erfolgen. „Am besten zwischen Ende Oktober und Anfang November“, empfiehlt die Ständige Impfkommission Stiko. Das Ziel, möglichst alle 20.000 Flüchtlinge im Norden binnen 14 Tagen zu immunisieren, gilt unter Fachleuten als „sehr ambitioniert“.

Doch das Kieler Gesundheitsministerium wiegelt ab: „Aktuell zirkulieren Influenzaviren noch nicht und Hinweise auf Engpässe beim Impfstoff gibt es nicht“, sagte ein Sprecher. Impfstoff werde auch für Flüchtlinge zur Verfügung stehen.

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