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Nordmarksportfeld : Flüchtlinge beziehen Containerdorf in Kiel zwei Tage früher

vom

500 Flüchtlinge sollen in den Containern am Nordmarksportfeld unterkommen - am ersten Tag werden 350 erwartet.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2015 | 17:10 Uhr

Wegen der vielen Flüchtlinge wird das neue provisorische Kieler Containerdorf am Nordmarksportfeld mit bis zu 500 Menschen vorzeitig bereits am Mittwochnachmittag belegt. Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) bezeichnete die um zwei Tage vorgezogene Inbetriebnahme als dringend notwendig. Angesichts der aktuellen Lage mit tausenden Flüchtlingen, die aus Ungarn über Österreich nach Bayern strömten, müssten alle Bundesländer solidarisch helfen, sagte Studt am Mittwoch bei der Besichtigung des neuen Containerdorfs am Nordmarksportfeld.

Derzeit treffen im Norden täglich zwischen 300 und 400 neue Flüchtlinge ein. Rund 5600 Menschen suchten allein im August Zuflucht in Schleswig-Holstein. Seit Jahresbeginn kamen bisher mehr als 15.000 Asylsuchende neu ins Land. Für das ganze Jahr rechnet das Land mit 27.000. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 7600.

Mit der Stadt Kiel ist vereinbart, dass dort 500 Menschen unterkommen. Am Mittwoch sollten nach Angaben von Studt rund 350 Flüchtlinge aus der zentralen Erstaufnahme in Neumünster nach Kiel kommen. Ob in den nächsten Tagen die vereinbarte Höchstzahl von 500 Flüchtlingen erreicht werde oder demnächst sogar mehr untergebracht werden müssten, könne er nicht sagen. Das hänge von der Entwicklung ab. Der Radiosender NDR1 Welle Nord nannte unter Berufung auf das Deutsche Rote Kreuz 750 Flüchtlinge.

Minister Stefan Studt im Containerdorf.
Innenminister Stefan Studt im Containerdorf. Foto: Udo Carstens

„Wir sind gut vorbereitet“, sagte die stellvertretende DRK-Leiterin des Containerdorfs, Solveigh Deutschmann der Deutschen Presse-Agentur. 21 hauptamtliche Mitarbeiter seien seit dem 1. September für das Containerdorf im Einsatz. Dazu kämen rund 50 ehrenamtliche DRK-Helfer. Das provisorische Containerdorf soll nach den bisherigen Planungen bis zur Fertigstellung der dauerhaften Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Kiel am Bremerskamp betrieben werden. Laut Studt soll die Dauereinrichtung für 600 Flüchtlinge bis Winter 2016/2017 fertig sein.

Bis zuletzt wurde noch gearbeitet: Handwerker, Putzfrauen und Bauarbeiter waren noch kurz vor dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge in dem Containerdorf im Einsatz. Draußen lag Verpackungsmaterial von Möbeln, die große Lastwagen brachten. Die nur zum Teil bereits befestigten Sandwege wurden noch gewalzt. „Hier ist ein Wohncontainerdorf, das alle Möglichkeiten bietet“, sagte Studt. Er verwies auf Sanitäreinrichtungen, Gemeinschaftsräume oder Spielmöglichkeiten für Kinder.

Schleswig-Holstein wolle auch in Zukunft jedem Flüchtling einen festen Platz anbieten, sagte Studt. Zelte im Winter sollte es nicht geben. Und auch Situationen wie in Berlin, wo Menschen erst ein oder zwei Tage vor Erstaufnahmeeinrichtungen ausharren müssten,solle es im Norden nicht geben.

Studt appellierte an die Kommunen, geeignete Flächen für weitere Erstaufnahmeeinrichtungen zu nennen. Mit Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) führe er Gespräche über eine temporäre und eine Dauereinrichtung. Außer Neumünster gibt es Erstaufnahmen in Boostedt (Kreis Segeberg), Seeth (Kreis Nordfriesland), Albersdorf (Kreis Dithmarschen) und Rendsburg.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) hatte am Dienstagnachmittag auf seiner Mailbox einen Anruf Studts erhalten. Am Abend sei in einem Gespräch innerhalb von einer Stunde die vorgezogene Eröffnung geklärt gewesen, sagte Kämpfer nicht ohne Stolz. Wenn es darauf ankomme, könnten sich Stadt und Land schnell einigen.

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