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Marode Fehmarnsundbrücke : Fehmarn wünscht sich einen Tunnel

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Zwei neue Brücken sollen über den Fehmarnsund führen, um den „Kleiderbügel“ zu entlasten. Naturschützer und Denkmalpfleger haben etwas dagegen.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 16:30 Uhr

Fehmarn | Nach der ersten Freude über die Ankündigung des Bundesverkehrsministeriums, zwei neue Brücken über den Fehmarnsund zu bauen, werden Forderungen nach einem Tunnel laut. Eine solche Lösung wäre aus Sicht von Naturschützern, Denkmalpflegern und Anliegern auf Fehmarn und dem Festland sinnvoller. Denen geht es vor allem um wetterbedingte Sperrungen der Brücken. Bei Sturm, Schnee und Glatteis sei Fehmarn dann von der Außenwelt abgeschnitten, sagte Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt am Freitag. Im 21. Jahrhundert sei das ein Unding.

Die neue Verbindung zwischen Fehmarn und dem Festland in Ostholstein soll nach Fertigstellung des deutsch-dänischen Fehmarnbelt-Tunnels den erwarteten Verkehr aufnehmen. Der könnte nach der für 2022 geplanten Eröffnung des fast 18 Kilometer langen Tunnels stark anwachsen. Die mehr als 50 Jahre alte kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke mit nur zwei Fahrspuren für Autos und einem Eisenbahngleis würde dann zum Nadelöhr. „Es ist natürlich toll, dass sich jetzt überhaupt was bewegt in der Sache. Aber man sollte ernsthaft über eine Tunnellösung nachdenken“, sagte Schmiedt. Der Bund hat eine Tunnellösung allerdings wegen der höheren Kosten ausgeschlossen, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen.

Auch der Landrat des Kreises Ostholstein, Reinhard Sager (CDU), empfahl, noch einmal gründlich nachzurechnen und auch die Expertise Dänemarks zu berücksichtigen. „Die haben vermutlich in Europa die meiste Erfahrung im Tunnelbau.“ Wichtig ist ihm vor allem, dass die Planungen schnell beginnen. Die Lücke zwischen der geplanten Eröffnung des Fehmarnbelttunnels zwischen Deutschland und Dänemark im Jahr 2022 und der für 2025 geplanten Fertigstellung der Verbindung über den Fehmarnsund müsse möglichst schnell geschlossen werden, forderte Sager. „Sonst droht Fehmarn ein Verkehrsinfarkt.“ 

Nach Berechnungen der dänischen Planer würden nach der Eröffnung des Tunnels zwischen Dänemark und Deutschland zunächst 8000 Lastwagen, Busse und Pkw pro Tag zusätzlich über die Insel Fehmarn rollen. Fünf Jahre später sollen es etwa 10.800 Fahrzeuge sein.

Unklar ist, was mit der alten Brücke geschehen soll. Sager und Schmiedt können sich vorstellen, sie für Radfahrer, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Fußgänger zu öffnen. Aber auch ein Abriss sei trotz ihres Denkmalstatus unter bestimmten Bedingungen möglich, sagte Schleswig-Holsteins Landeskonservator Michael Paarmann. Aus Sicht der Denkmalpflege wäre es allerdings besser, die alte Brücke auszubauen, so dass sie mehr Verkehr aufnehmen kann, und eine zweite Brücke daneben zu bauen. „Die müsste aber so zurückhaltend gestaltet werden, dass sie nicht in Konkurrenz zur alten Brücke tritt“, sagte Paarmann.

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