zur Navigation springen

Interview nach der Wahl : FDP-Vize Kubicki: „Meine Frau wird leiden“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wolfgang Kubicki ist neuer stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und erreichte mit fast 90 Prozent ein Traum-Wahlergebnis. Warum sich nicht alle über seinen Einstieg in die Bundesspitze freuen, verrät er im Interview mit shz.de

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 19:27 Uhr

Herr Kubicki, zehn Prozent mehr Zustimmung als für  den neuen Parteichef. Wie werten Sie das Ergebnis?
Nun, der neue Parteichef hatte zwei Gegenkandidaten, deshalb ist es für beide ein gutes Ergebnis. Für ihn mit fast 80 und für mich mit fast 90 Prozent. Es ist eine Bestätigung dessen, was Christian Lindner und ich seit der Bundestagswahl öffentlich verkündet haben. Die FDP muss sich anders aufstellen, ein anderes Gesicht bekommen.

Sie haben sich und  Christian Lindner  im Vorfeld als die „Trümmerfrauen“ der FDP bezeichnet. Welche Trümmer müssen als erste weggeklopft werden?
Wir müssen dokumentieren, dass die FDP keine Ein-Themen-Partei ist, reduziert auf Steuer- und Wirtschaftsfragen. Und das ist auf dem Parteitag auch gelungen. Wir haben eine Kommunalpolitikerin aus Düsseldorf, die seit Jahren erfolgreich eine Kommune führt. Wir haben mich als Juristen und Strafverteidiger, der deutlich gemacht hat, wie wichtig es ist, in einer Zeit, in der immer mehr Daten gesammelt werden, die Bürgerrechte zu verteidigen.    Und Christian Lindner hat deutlich gemacht, dass der Mittelstand, die Leute, die bei Banken das Konto haben, nicht dafür büßen dürfen, dass Manager in Großbanken  zocken. Ich fand einen Satz von ihm sehr gut: Wir wissen, dass der Markt die Pfosten einschlägt, an denen das soziale Netz aufgespannt wird.

Und welche Trümmer hat der Parteitag unangefasst liegen lassen? 
Gar keine. Ich war sehr überrascht, wie konzentriert der Parteitag das Wahlergebnis von 22. September aufgearbeitet hat und wie hier Mehrheiten zustande gekommen sind, so dass ein wirkliches Aufbruchsignal von hier ausgeht. Wir haben nächstes Jahr zehn Kommunalwahlen, drei Landtagswahlen und die Europawahl und Sie werden erleben, wie viel Kraft in dieser FDP noch steckt. Die Erbschleicher von den Grünen und aus der SPD werden feststellen, wir sind noch nicht tot.  

Die Abgabenlast der Bürger wird in den nächsten vier Jahren um einen zweistelligen Milliardenbetrag steigen. Für Sie eine Steilvorlage? 
Natürlich, weil Angela Merkel mit einem Wahlversprechen bricht und sich ungehörig verhält. Es ist ja nicht nur Kalte Progression, deren Abbau ja auch von der SPD versprochen worden war, es ist vor allem die Nicht-Senkung des Rentenbeitrages, obwohl die Kassen voll sind. Das ist eine Ungeheuerlichkeit und straft die CDU Lügen, die erklärt hat, es soll keine weitere Belastung der Bürger geben. 

In vier Jahren müssen Sie und Christian Lindner liefern. Was wird bis dahin am meisten leiden – Ihre Lebensfreude, die Familie oder Ihr Golf-Handicap?
Mein Golf-Handicap auf jeden Fall, weil ich schon dieses Jahr nicht dazu gekommen bin, so viel zu spielen. Meine Lebensfreude mit Sicherheit nicht, weil es mir Spaß macht mit Menschen zu reden, zu diskutieren, zuzuhören und zu überzeugen. Es wird meine Familie, mein Privatleben leiden. Aber ich habe meiner Frau versprochen, dass wir alles, was sie sich vorgestellt hat, nachholen werden, wenn die FDP wieder aufgerichtet ist. Und ich glaube, das wird keine vier Jahre dauern. 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen