Problemwölfe vor Abschuss? : FDP-Politiker Kumbartzky: „Wölfe sollen in SH nicht heimisch werden“

Bei dem Wolf, der am 26. September Schafe in Westerhorn und Osterhorn gerissen hatte, handle es sich um GW 924 m, einen jungen Wolf aus einem Rudel bei Ulfborg in Midtjylland.

Wolf auf der Flucht.

Der Wolf steht auf der Tagesordnung der Umweltministerkonferenz. Politiker und Verbände mühen sich um Einflussnahme.

shz.de von
08. November 2018, 11:43 Uhr

Kiel/Bremen | „Ich teile die Einstellung, dass der Wolf nicht in Schleswig-Holstein heimisch werden sollte“: Mit diesen Worten hat der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Oliver Kumbartzky, auf die vom Bauernverband losgetretene Grundsatzfrage über die Übernahme des Wolfes ins Jagdrecht reagiert. Auch Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sehe schließlich die steigenden Zahlen der Wolfsrisse und habe viele Gespräche mit Schäfern geführt, erklärte Kumbartzky in den „Kieler Nachrichten“.

<p>Oliver Kumbartzky.</p>
dpa

Oliver Kumbartzky.

Abseits dieser Forderung verdichten sich die Anzeichen, dass es beim Umgang mit „verhaltensauffälligen“ Wölfen zu einem bundesweiten Konsens kommt. Umweltminister Albrecht betonte zwar, dass der Wolf schon alleine durch das EU-Artenschutzrecht geschützt und generell nicht ins Jagdrecht übertragbar sei. Für Einzelfälle schließt Albrecht den Abschuss aber nicht mehr grundsätzlich aus, sofern dafür die rechtliche Basis geschaffen wird.

Eben dies ist ein Kernthema bei der Umweltministerkonferenz, die am Freitag in Bremen tagt. Dort wird über Wolfs-Konzepte und ein bundeseinheitliches Vorgehen beraten. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Michael Stübgen, hatte schon im Oktober darauf gedrängt „besonders gefährliche Tiere der geschützten Art zu erlegen“. Wie man diese einordnet und wie „Verhaltensauffälligkeit“ von Wölfen definiert wird, dürfte einer der Streitpunkte in Bremen sein.

Weiterlesen: Werden Wölfe bald erschossen?

Es gehe primär darum, die Rahmenbedingungen für den Artenschutz des Wolfs einerseits und den Schutz von Nutztieren vor seinen Übergriffen unter einen Hut zu bringen, erklärte Albrecht am Mittwoch. Neben Investitionen in Herdenschutz seien Leitlinien für den Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen erarbeitet worden, erklärte Albrecht.

Der Bauernverband hatte zuvor gefordert, die generelle Bejagung des Wolfes in Betracht zu ziehen. Es müsse jetzt eine Grundsatzdiskussion geben, ob es in Schleswig-Holstein zwischen den Interessen von Landwirtschaft, Tourismus und Küstenschutz überhaupt einen geeigneten Lebensraum für Wölfe geben könne, erklärte Verbandspräsident Werner Schwarz.  Am Nachmittag demonstriert der Bundesschäferverband in Bremen. Die in Berlin ansässige Organisation der Schafhalter will ein Forderungspapier vorlegen.

Grund für die aufflammende Debatte ist die jüngste Vermehrung von Schafsrissen in Schleswig-Holstein, die mutmaßlich auf Wölfe zurückzuführen ist.

Seit 2007 gibt es wieder Wölfe in SH. Wo es Nachweise gibt und gab, können Sie in farblicher Sortierung nach Jahren dieser Karte entnehmen. Das mittlere Grün gepräsentiert Wolfsnachweise aus 2018. Verdachtsfälle sind nicht auf der Karte enthalten.

 
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen