Wiedereinführung von Noten an Grundschulen : FDP kündigt Volksinitiative „Pro Noten“ an

In den Grundschulen soll es nach Forderung einer Initiative künftig keine Zensuren mehr geben.
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In den Grundschulen soll es nach Forderung einer Initiative künftig keine Zensuren mehr geben.

Für ihren Vorstoß erhält die FDP Unterstützung von der Union – Kritik kommt vom Landeselternbeirat und der Koalition.

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29. Januar 2015, 00:00 Uhr

Kiel | Die Nord-FDP will die Wiedereinführung von Ziffernnoten in den Zeugnissen an Grundschulen erzwingen und hat mit der Ankündigung einer Volksinitiative „Pro Noten“ die Debatte um die Leistungsbewertung von Grundschülern neu entbrannt. Die Initiative werde am Sonnabend beginnen, kündigte Parteichef Heiner Garg gestern in Kiel an. Notfalls werde seine Partei den Weg bis zu einem Volksentscheid gehen, sagte Garg.

CDU-Landesvize Heike Franzen sagte den Freien Demokraten Unterstützung zu. Ziel sei es, dass eine transparente Bewertung schulischer Leistungen erhalten bleibe, sagte die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn und fügte hinzu: „Noten alleine sind nicht immer gerecht, aber Berichtszeugnisse alleine sind es auch nicht.“

Vom Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen erhielt die Initiative „eine 6“ dafür, allen Schulen „von oben herab“ eine Marschrichtung bei der Leistungsbewertung aufzwingen zu wollen.

Garg warf der Koalition vor, mit ihrer Politik den Elternwillen komplett zu ignorieren. Erst in der vergangenen Woche war im Landtag ein Antrag der Unionsfraktion gescheitert, ab Klasse drei wieder verbindlich Ziffernnoten einzuführen. Tatsächlich stößt der zu Beginn dieses Schuljahres eingeschlagene Kurs der Koalition auf breite Kritik. Nach einer Umfrage des Bildungsministeriums wollen bisher lediglich 65 der landesweit 482 Grundschulen Berichtszeugnisse schreiben. 417 Grundschulen haben beschlossen, in der Klasse vier, teilweise auch bereits in der Klasse drei weiter Noten zu geben.

Eine Reihe von Schulen kombinierten nach Darstellung des Bildungsministeriums Noten- und Berichtszeugnisse. Bei diesen Berichten handelt es sich zum Teil um ausformulierte Erläuterungen zu der Note. Nach der derzeitigen Vorgabe stellen solche Berichtszeugnisse den Regelfall dar. Schulkonferenzen können zwar anders entscheiden. Eine Sperrminorität der Lehrkräfte in der Schulkonferenz könne jedoch die Einführung von Ziffernnoten verhindern, sagte Klahn. Damit sei eine Volksinitiative „unausweichlich“.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) schloss Korrekturen an der seit Sommer laufenden Grundschulverordnung nicht aus. Der aktuelle Entwicklungsbericht werde wissenschaftlich daraufhin evaluiert, „ob die Kriterien klar genug definiert“ seien, sagte Ernst gestern in Kiel. Die Ergebnisse würden ausgewertet, um danach eine standardisierte Leistungsbewertung für die Jahrgänge eins bis vier zu entwickeln. „Stellt sich heraus, dass wir nachbessern müssen, werden wir nachbessern“, betonte Ernst.

CDU-Vize Heike Franzen kündigte an, auch in der Union aktiv für das Ziel der Volksinitiative zu werben. Der Notenerlass sei eine Fehlentscheidung gewesen. Für einen Erfolg braucht die FDP binnen Jahresfrist 20.000 gültige Unterschriften. Lehnt der Landtag die Initiative danach ab, wäre der Weg frei zu einem Volksbegehren und einem Volksentscheid.

Bei den Koalitionsfraktionen SPD und Grünen stieß die Initiative der FDP auf Kritik. Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat warf der FDP vor, die Praxis der Leistungsbewertung an den Schulen reglementieren zu wollen. Fakt ist: Grundschulen können dazu an der Stelle von Ziffernzeugnissen auch Berichtszeugnisse oder Kompetenzraster nutzen, sie müssen es aber nicht, wenn die Schulkonferenz anders entscheidet. Dies sei eine „Umsetzung der pädagogischen Handlungsspielräume, die diese Koalition den Schulen einräumt.“ 

Ähnlich äußerte sich die Grünen-Abgeordnete Anke Erdmann. „Was an der Einschränkung der Wahlfreiheit liberal sein soll, muss die FDP noch erklären“, sagte Erdmann. Schulen könnten selbst entscheiden, welchen Weg der Leistungsbewertung sie gehen wollten.

Der Pirat Uli König unterstützte zwar die Volksinitiative als Instrument der politischen Meinungsbildung. Inhaltlich lehnte König den Vorstoß jedoch ab. „Noten mit einem permanenten Vergleich zu anderen sind zu kurz gesprungen“. Nötig sei jedoch eine landesweit einheitliche Vorgabe, damit kein Flickenteppich im Beurteilungswesen entstehe.

Zur morgigen Zeugnisvergabe bietet der Deutsche Kinderschutzbund wieder die „Nummer gegen Kummer“ an. Kinder und Jugendliche werden unter der Nummer 0800-1110333 beraten (Mo. bis Fr. 14 bis 20 Uhr, Sa. von 14 bis 20 mit jugendlichen Beratern). Für Eltern gilt die Nummer 0800-1110550  (Mo. bis Fr. 9 bis 11 Uhr, Di. und Do. auch 17 bis 19 Uhr).
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