Trauer : Ex-SPD-Vorsitzender Willi Piecyk gestorben

Willi Piecyk. Foto: dpa
Willi Piecyk. Foto: dpa

Der frühere Landesvorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Willi Piecyk, ist tot. Der Europaabgeordnete starb Donnerstagabend - wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag.

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04. August 2008, 11:07 Uhr

"Er hat den fast überstanden geglaubten Kampf gegen eine Krebskrankheit nicht überlebt", erklärte der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner am Freitag.

Piecyk war von 1991 bis 1999 Chef der Nord-SPD. Er führte die Landespartei damit auch durch die schweren Jahre der sogenannten Schubladenaffäre, in deren Verlauf Björn Engholm 1993 als Ministerpräsident zurücktreten musste und von Heide Simonis abgelöst wurde. Die Nord-SPD steckte damals in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise, nachdem Engholm und der einstige Landesvorsitzende Günther Jansen frühes Wissen über die Hintergründe der Barschel/Pfeiffer-Affäre von 1987 eingestehen mussten.

Der freundliche Schnurrbart-Träger Piecyk, seit 1992 Abgeordneter des Europäischen Parlaments, sorgte nach Kräften und letztlich erfolgreich für den Zusammenhalt der damals zerrissenen Landespartei. "Seine Amtsführung war geprägt von Dialog und Konsens, seine Loyalität zu den Ministerpräsidenten Björn Engholm und Heide Simonis unübertroffen", sagte der heutige Landesvorsitzende Stegner.
"Wir sind sehr traurig, denn mit Willi Piecyk verlieren wir nicht nur einen Politiker, der die SPD Schleswig-Holstein mit großem Geschick und viel Menschlichkeit durch die für die Partei schwierigen Jahre 1993-1996 geführt hat, sondern auch einen sehr sympathischen Repräsentanten unserer Partei", erklärte Stegner. "Viele von uns verlieren mit Willi Piecyk auch einen guten persönlichen Freund."
Die Nord-SPD wollte ihn wieder als Spitzenkandidaten
Der gebürtige Münchner, der am 11. August 60 Jahre alt geworden wäre, hinterlässt zwei erwachsene Kinder. Die Nord-SPD wollte ihn auf dem bevorstehenden Landesparteitag im September wieder auf Platz 1 der Landesliste zur Europawahl wählen. Im Europaparlament kümmerte sich Piecyk vor allem um die Verkehrspolitik und um die Schiffssicherheit auf der Ostsee.

Nach der Realschule war Piecyk zunächst bis 1968 Polizeibeamter. 1972 trat er in die SPD ein. Dem Abitur am Abendgymnasium folgte das Studium der Erziehungswissenschaften und der Politik in Hamburg. Von 1979 bis 1992 wirkte Piecyk als Studienleiter für Erwachsenenbildung an der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente.

"Willi Piecyk hatte etwas für Spitzenpolitiker ganz Seltenes. Ihn mochten wirklich alle in unserer SPD und auch darüber hinaus", erklärte Stegner. Piecyk habe die die Politik und den Stil der Nord- SPD mehr geprägt, als den meisten bewusst sei. Große Gesten und große Worte seien nicht seine Sache gewesen, vielmehr Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen. "Willi ging es immer zuerst um die Menschen, und das hat man auch gemerkt. Wir trauern mit seiner Familie, und wir werden ihn nicht vergessen."

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