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Roaming-Verordnung : EU macht SMS im Ausland günstiger als im Inland

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13 Cent kosten SMS aus dem EU-Ausland. 19 Cent sind es meist in deutschen Netz. Die Anbieter sehen keinen Grund zum Handeln und verweisen auf ihre Sondertarife.

Brüssel/Bonn | Mitte Juli bekommt ein Kunde des Mobilfunkanbieters O2 in Flensburg eine SMS. Darin wird er über die neuen Preise für die Handybenutzung im EU-Ausland informiert, die seit Anfang des Monats gelten. Beim SMS-Preis stutzt er: "13 Cent pro SMS, Empfang kostenlos." - "Das ist ja günstiger als wenn ich Nachrichten innerhalb Deutschlands verschicke", denkt sich der Handy nutzer. Denn in seinem Vertrag kostet jede Kurznachricht 19 Cent, wenn sein Telefon ins deutsche Netz eingebucht ist.
"Das wirkt paradox", sagt Dr. Boris Wita von der Verbraucherzentrale in Kiel. "Wer aber viele SMS schreibt, hat meistens eine Flatrate oder ein entsprechendes Paket, das die Nachrichten günstiger macht."
Anbieter werben für Flatrates und Pakete
Auf diese Optionen berufen sich auch die Mobilfunkanbieter: zum Beispiel Vodafone. Sprecher Thorsten Hoepken: "Wir bieten drei verschiedene Pakete an - von kostenfreien SMS am Wochenende ins Vodafone-Netz bis zur Flatrate rund um die Uhr in alle Netze." Auch die Telekom, früher T-Mobile, bietet unterschiedliche SMS-Pakete und Flatrates an - auch für Prepaid-Kunden. "Wir haben für verschiedene Zielgruppen spezielle Angebotspakete geschnürt", teilt Sprecher Niels Hafenrichter mit. Am Standardpreis für Kurznachrichten wollen beide Unternehmen aber nicht rütteln. Bei E-Plus stellt Klaus Schulze-Löwenberg die Discount-Produkte des Unternehmens in den Vordergrund, betont: "SMS-Preise im Inland von 19 Cent sind aus meiner Sicht eher die Ausnahme" und nennt Preise zwischen 9 und 11 Cent. Ähnlich bei O2: Sprecher Albert Fetsch wirbt für einen aktuellen Tarif, in dem jede SMS im deutschen Netz nur 15 Cent kostet.
Dennoch: Der Preis pro Kurznachricht liegt meistens - ohne Packs oder Flatrates - über den von der EU für das Roaming festgesetzten 13 Cent. Wie kommt es also, dass eine SMS aus dem Roaming-Netz günstiger ist als die aus dem eigenen Netz? "Die EU-Kommission hat über eine Verordnung geregelt, dass die Roamingkosten sinken und Preisobergrenzen festgelegt", sagt Cord Lüdemann von der Bundesnetzagentur. "Auf nationaler Ebene gibt es keine Preisobergrenzen", erklärt Lüdemann. Und: "Der Verbraucher hat die Möglichkeit, im freien Wettbewerb seinen Anbieter auszuwählen. Neben den normalen Tarifen gibt es Flatrate- und Paketangebote sowie Billiganbieter, so dass der Verbraucher auch hier günstige Tarife für SMS bekommen kann."
Warnung vor reinem "SMS-Roaming"
Der Flensburger O2-Kunde hatte nun eine Idee: Da er in unmittelbarer Nähe zu Dänemark wohnt, meldet er sein Handy vor jedem Versand einer SMS im dänischen Mobilfunknetz an. So spart er pro Nachricht 6 Cent. Diese Taktik kann aber schnell nach hinten losgehen, warnt Verbraucherschützer Dr. Wita: "Sie müssen bedenken, dass dann auch die Telefongespräche und Datenverbindungen über das Roamingnetz geführt werden, wenn Sie das Handy nicht rechtzeitig wieder umstellen." Sollte also gerade in dem Moment, in dem der Kunde das dänische Netz nutzt, ein Anruf kommen, zahlt er drauf: pro Minute 17 Cent. Ruft er selbst jemanden an, kostet das 46 Cent pro Minute, Sonderrufnummern sind noch teurer.
Dass die Handynutzung im Ausland von Bewohnern in Grenzgebieten zunimmt, haben die vier Netzanbieter bislang nicht feststellen können. "Natürlich registrieren wir Auslandsnutzungen. Ihre Zahl ist aber nicht gestiegen seit die EU die Preise vorgegeben hat", sagt Vodafone-Sprecher Hoepken. Darüber hinaus lasse es sich technisch nicht ohne weiteres feststellen, ob ein Handy im Auslandsnetz zum Telefonieren oder für den Versand von SMS eingesetzt werde.

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erstellt am 30.Jul.2010 | 07:17 Uhr

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