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Dänemark sagt Ja : Endgültiges Fehmarnbelt-Votum: Warum jetzt alle das Kriegsbeil begraben sollten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aufatmen bei den Befürwortern des Fehmarnbelt-Tunnels: Die deutsch-dänische Verbindung ist wieder wahrscheinlicher geworden.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2016 | 19:16 Uhr

Fehmarn/Kopenhagen | Trotz höherer Kosten und vieler Verzögerungen steht Dänemark weiter hinter dem Milliardenprojekt Fehmarnbelt-Tunnel. Reporter Frank Jung schlägt vor, nun muss visionär weiter gedacht werden:

Ja, das erwartete Verkehrsaufkommen ist weit geringer als auf jeder Autobahn, die irgendwo sonst gebaut wird. Ja, selbst bei den bescheidenen Prognosen kann man noch hinterfragen, ob sie zu optimistisch sind. Trotzdem sollten alle Kritiker zur Kenntnis nehmen: Seit Freitag sind Debatten darüber in den luftleeren Raum verbannt worden. Die dänische Politik hat sich mit der breitest denkbaren Mehrheit endgültig für einen Fehmarnbelttunnel entschieden.

Höchste Zeit, diese Weichenstellung nun ebenso endgültig auch in Deutschland zu verinnerlichen. Der Beschluss ist nördlich der Grenze in einem demokratischen Prozess zustande gekommen. Erst im letzten Wahlkampf im Frühsommer wäre Gelegenheit zur Umkehr gewesen, hätten Bürger größere Zweifel. Das Thema Fehmarn hat da aber gar keine Rolle gespielt. Punkt. Zumal der dänische, nicht der deutsche Steuerzahler blechen muss, sollte die Maut den Bau doch nicht refinanzieren.

Richtig war und ist, dass Bürgerinitiativen auf eine Planung achten, die Lärm entlang der Bahntrasse durch Ostholstein aufs denkbar kleinste Minimum reduziert. Die Zeit hinweggegangen ist indes über Fundamental-Opposition. Sie wird das Projekt ohnehin nicht mehr verhindern, sondern nur verzögern. Wenn es kommen soll, dann bitte möglichst schnell. Umso schmerzhafter, dass eine Aufbruchstimmung durch Naturschutzklagen weiter verzögert werden soll. Zumal man von den Querungen am Öresund und Großen Belt – trotz mangelnder Vergleichbarkeit in manch anderem Punkt – eines lernen kann: Der Umwelt haben sie nicht geschadet.

Konstruktiver wäre es, auf beiden Seiten nun alle Kräfte auf die Chancen zu konzentrieren: Skandinavien landfest mit Europa verbinden! Und erst durch Schleswig-Holsteins Lage wird dies möglich! Ungeachtet konkreter Verkehrsmengen wird dies ein epochaler Schritt für den Ostseeraum. Das nördlichste Bundesland muss die Aussicht darauf viel visionärer nutzen, um seine Drehscheibenfunktion zu stärken. Nicht nur wirtschaftlich. Der Bau des Rekordtunnels schafft internationale Aufmerksamkeit. Auch von Dänemark ist mehr gefragt als eine reine Bauentscheidung: Für eine vitale Nachbarschaft muss die Politik dort ihre auf allen möglichen Feldern wachsende Wagenburgmentalität aufgeben.

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