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Nach Brandanschlag : Einwohnerversammlung: Vorbehalte und Verständnis für Flüchtlinge in Escheburg

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Das Gemeindehaus am Montagabend ist überfüllt: Die Escheburger Bürger wollen wissen, wie der Umgang mit Flüchtlingen in ihrem Ort weitergeht.

Escheburg | Unter dem Motto „Auch in Escheburg sind Flüchtlinge willkommen" haben am Montagabend mehr als 200 Menschen aus Escheburg und Umgebung (Kreis Herzogtum Lauenburg) ein deutliches Zeichen der Offenheit gesetzt. Auf Einladung aller Fraktionen hatte Bürgermeister Rainer Bork die Informationsveranstaltung zum Thema Asylbewerber organisiert, nachdem es vor genau zwei Wochen zu einem fremdenfeindlichen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in dem 3400-Einwohner-Ort gekommen war.

„Flüchtlinge sind uns willkommen", machte Bork deutlich. Karsten Fries von der Kreisverwaltung, die sich um die Verteilung der Flüchtlinge kümmert, berichtete, dass man beinahe kapitulieren müsse, so groß sei der Ansturm der Flüchtlinge. „Das Land ist dem Ansturm nicht gewachsen."

Folge: Statt der eigentlich erwarteten zehn Asylbewerber pro Woche kommen aktuell 25 ins Kreisgebiet. Die zu verteilen, stelle die Verwaltungen vor große Probleme. Das berichtete auch Brigitte Mirow, die Leitende Verwaltungsbeamte des für Escheburg zuständigen Amtes Hohe Elbgeest. „Wir haben keine freien Betten mehr", sagte sie. „Wir haben immer nur wenige Tage Vorlauf, um Unterkünfte für die Menschen zu finden, die oft viele Monate oder sogar Jahre unterwegs waren. Die brauchen einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen können. Da können wir nicht einfach sagen, im Moment passt es nicht“, sagte Mierow.

Deshalb, und dafür baten die Verantwortlichen um Verständnis, habe man auch auf das Holzhaus, auf das der Brandanschlag verübt wurde, kurzfristig ohne eine weitreichende Information vorab zurückgreifen müssen. Darüber hatten sich Nachbarn massiv beschwert, schließlich flog der Brandsatz.  Diese Tat hat ein Nachbar (38) mittlerweile gestanden.

Brigitte Mirow sagte zu der Kritik von Nachbarn der Unterkunft aber auch: „Werden Sie über alle Hausverkäufe in Ihrer Nachbarschaft informiert?“

In der lebhaften Diskussion äußerten viele Einwohner Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. Sie erinnere sich noch an die unmittelbare Nachkriegszeit, als Flüchtlinge und durch Bombenangriffe obdachlos Gewordene zwangsweise in Wohnungen einquartiert wurden, sagte eine ältere Frau. Eine junge Frau sagte: „Ich bin gekommen um zu fragen, wie ich helfen kann.“ Einige Anwohner kritisierten erneut die mangelnde Information durch die Gemeinde. Auch Ängste und Vorbehalte wurden laut. Sie fürchteten sich vor der geplanten Unterbringung von sechs aus dem Irak geflüchteten Männern. Einige hatten den Mut, daran auch während der Informationsveranstaltung festzuhalten. So brachte ein direkter Nachbar seine Angst um Frau und Kinder auf den Punkt. Er fürchtete sexuelle Übergriffe durch die „allein gelassenen“ Männer.

Doch dieser Nachbar bekam von der großen Mehrheit der Bürger im Gemeindezentrum ebenso Gegenwind zu spüren wie die anderen, die sich während der Versammlung gegen das Projekt wandten. Denn Amt und Gemeinde halten an ihrem Vorhaben fest: Sobald das Holzhaus nach dem Brandanschlag saniert ist, sollen dort Kriegsflüchtlinge einziehen. Zusätzlich sollen im Ort Wohncontainer aufgestellt werden.

„Wir müssen den ersten Schritt machen, die können das nicht", warb Olof Masch aus der Nachbargemeinde Dassendorf für eine Unterstützung der neuen Nachbarn. Masch engagiert sich im örtlichen Helferkreis. So ein Gremium, dass den Asylbewerbern helfen möchte, hat sich auch in Escheburg schon gegründet.

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erstellt am 24.Feb.2015 | 07:10 Uhr

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