zur Navigation springen

Bürgerwehr : Einbrecher in SH haben es leicht – zu wenig Polizei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stellenstreichungen bei der Polizei sind heute Thema im Landtag. Bürger gehen jetzt selbst auf Streife.

Kiel | Die Einbruchserie im Süden Schleswig-Holsteins beschäftigt jetzt auch die Politik. Angesichts von Aufklärungsquoten weit unter dem Bundesschnitt fordert die FDP-Landtagsfraktion von der Regierung, auf den ab 2018 geplanten Abbau von 122 Stellen bei der Landespolizei zu verzichten. Darüber wird am Mittwoch der Landtag in Kiel debattieren.

Bis September letzten Jahres gab es im Norden 5900 Einbrüche – 400 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Aufklärungsquote ist von 2004 bis 2013 von 15 auf 10,2 Prozent gesunken (Bundesschnitt 2013: 15,5). Schlusslicht ist der Kreis Stormarn: 4,3 Prozent der Einbrüche wurden hier 2013 aufgeklärt.

Dort und im Nachbarkreis Herzogtum Lauenburg wächst angesichts einer Einbruchsserie die Unruhe in der Bevölkerung. In mehreren Dörfern an der A1, A21 und A24 wächst die Angst: „Die Täter leben häufig in Hamburg und sind nach einem Einbruch schnell verschwunden“, sagt Jürgen Börner vom Landespolizeiamt.

Bei einer großen Kontrolle auf Autobahn-Parkplätzen suchte die Polizei vergangene Woche gezielt nach Einbrechern – erfolglos. Börner verweist jedoch auf mehrere Festnahmen in den vergangenen Wochen. Diese sprächen für das 2012 ins Leben gerufene Konzept gegen organisierten Diebstahl.

 

In einigen Orten patroullieren jetzt Bewohner, um verdächtige Beobachtungen der Polizei zu melden. „Man fängt langsam an, Gespenster zu sehen“, sagt Kurt Böttger, Bürgermeister des 440-Einwohner-Dorfes Wakendorf nahe der A21 (Kreis Stormarn). „Jeden unbekannten Spaziergänger, jedes Auto, das langsam durchs Dorf fährt, sieht man mit anderen Augen.“ Drei Einbrüche hat es hier seit Ende Dezember gegeben. Eine Gruppe Bürger gehe abends Streife, sagt Böttger – er selbst kenne sie aber nicht.

Gute Erfahrungen mit einer aufmerksamen Nachbarschaft haben die Einwohner von Jagel bei Schleswig gemacht. Der Ort an der A7 und der B77 wird wegen der guten Fluchtmöglichkeit immer wieder von Einbrechern heimgesucht. „Seit wir im Sommer zur Aufmerksamkeit aufgerufen haben, ist es gefühlt ruhiger geworden“, sagt Bürgermeister Jörg Meier. Im Herbst habe es nur einen Einbruch gegeben, sonst seien es um die acht gewesen.

Die Gewerkschaft der Polizei beklagt, dass Bürger ihre Sicherheit in die eigene Hand nehmen müssen: „Der Staat hat diese zu garantieren. Es darf nicht passieren, dass durch Stellenabbau die Zahl der Streifen zurückgeht“, sagt Landesgeschäftsführer Karl-Hermann Rehr. Ins selbe Horn stieß FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki: Wenn Bürgerwehren entstünden, „beginnt der Rechtsstaat sich aufzulösen.“

zur Startseite

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen