Auszeichnung in Kiel : Ehrenbürgerin Simonis: SH ist meine Heimat

„Du warst immer eine Ministerpräsidentin zum Anfassen“, sagte Ministerpräsident Albig zu Simonis.
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„Du warst immer eine Ministerpräsidentin zum Anfassen“, sagte Ministerpräsident Albig zu Simonis.

Für Heide Simonis ist die Auszeichnung ein Sahnehäubchen. Einer Liebeserklärung der Ex-Ministerpräsidentin an Schleswig-Holstein folgte bei der Verleihung in Kiel Gesang.

shz.de von
30. Juni 2014, 18:48 Uhr

Kiel | Große Ehre für Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis: Die 70-Jährige ist neue Ehrenbürgerin des Landes Schleswig-Holstein. Regierungschef Torsten Albig (beide SPD) verlieh ihr die Auszeichnung in Würdigung ihrer Verdienste für das Land am Montag in Kiel vor 300 stehend applaudierenden Gästen, darunter viele Weggefährten aus den letzten Jahrzehnten.

Simonis wurde 1993 Deutschlands erste Ministerpräsidentin und führte die Regierung bis 2005, als sie in einer denkwürdigen Landtagssitzung wegen eines Abweichlers nicht wiedergewählt wurde. „Man muss auch solche Sachen überleben“, sagte Simonis am Montag in ihrer Dankesrede. Sie ist die sechste Persönlichkeit, die das Land mit der Ehrenbürgerwürde ehrte - und die erste Frau.

Simonis dankte gerührt für die Auszeichnung und „die vielen schönen Worte“. Eine Ehrenbürgerschaft wiege besonders schwer. Simonis sprach von einem Sahnehäubchen. Und sie formulierte eine Liebeserklärung an ihre Wahlheimat Schleswig-Holstein. Dann sang sie gemeinsam mit den Gästen „Die Gedanken sind frei“.

In ihrer Amtszeit habe Simonis das Erscheinungsbild des Landes entscheidend geprägt, sagte Albig. Schleswig-Holstein habe mit ihr einen großen Sprung in die Moderne gemacht. Albig würdigte Simonis als herausragende Persönlichkeit und Vorreiterin für andere Frauen, die später Spitzenpositionen erlangten. „Du musstest immer ganz besonders kompetent sein, ganz besonders klug, besonders überzeugend, besonders durchsetzungsstark“, sagte Albig. „Heute haben wir neben einer Bundeskanzlerin und einer Verteidigungsministerin auch vier Ministerpräsidentinnen.“ Simonis habe immer einen scharfen Blick für Zukunftsthemen gehabt und stets Politik für den Alltag der Menschen gemacht, sagte Albig. Sie habe die Sorgen, Nöte, Träume und Hoffnungen der Schleswig-Holsteiner gesehen. „Du warst immer eine Ministerpräsidentin zum Anfassen.“ Trotz des harten Politikgeschäfts sei Simonis stets authentisch geblieben. Am stärksten sei sie bei Kampfreden gewesen. Sie habe keinen Konflikt gescheut, wenn es um eine wichtige Sache ging und Politik wieder näher an die Menschen gerückt. Falsche Versprechungen oder populistische Parolen habe es bei ihr nie gegeben.

Amtsnachfolger Peter Harry Carstensen (CDU) sagte der dpa, Simonis habe Schleswig-Holstein geprägt, viel für das Land getan und mit ihm gelitten. „Ich habe sie persönlich immer sehr geschätzt und freue mich für sie.“ Auch die Landtagsfraktionen gratulierten. Erster Ehrenbürger war 1998 Altkanzler Helmut Schmidt geworden. Ihm folgten der Ehrenvorsitzende der Nord-FDP, Uwe Ronneburger, Ex-Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg (CDU), der Dichter Siegfried Lenz und der Künstler Armin Mueller-Stahl.

Von allen Ehrenbürgern waren nur Stoltenberg und Ronneburger gebürtige Schleswig-Holsteiner. Simonis kam in Bonn zur Welt, aber ihre politische Karriere machte sie in Schleswig-Holstein. Bevor sie von Björn Engholm nach dessen Rücktritt 1993 den Ministerpräsidenten-Posten übernahm, war sie Finanzministerin Kiel und Abgeordnete im Bundestag. Dort zog sie 1976 als damals jüngste Abgeordnete ein. „Schleswig-Holsten ist meine Heimat“, sagte Simonis am Montag. Nach dem Ausscheiden aus der Politik war Simonis bis 2008 Vorsitzende des Kinderhilfswerks Unicef in Deutschland. Auch heute noch engagiert sie sich ehrenamtlich, zum Beispiel für Patienten.

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