Robert Habeck : "Eher Klassensprecher als großer Zampano"

Robert Habeck (l.) mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Foto: dpa
Robert Habeck (l.) mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Foto: dpa

Die Grünen wollen mit Fraktionschef Robert Habeck als Spitzenkandidat in die Landtagswahl gehen. Eine Einschätzung von sh:z-Politikkorrespondent Peter Höver.

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01. September 2011, 07:29 Uhr

Kiel | Typisch Robert Habeck. Spitzenkandidat der Grünen zur Landtagswahl soll er werden. Parteivorstand und Parteirat wollen es so. Einstimmig haben sie es beschlossen. Und Habeck? "Der Vorschlag ehrt mich und wäre eine große Herausforderung und Verantwortung", sagt er bescheiden. Und: "Ich sehe mich nicht als großer Zampano, sondern verstehe mich eher als Klassensprecher". Wer Habeck kennt, weiß: gespielt oder aufgesetzt ist das nicht.
Laute Töne vermeidet der grüne Philosoph. Lieber sind ihm das politische Moderato und das Gespräch über Inhalte. Als "großer Zampano", als der so mancher Polit-Profi daherkommt, ist der 41-Jährige bisher nicht in Erscheinung getreten. Im Landtag ist er bei Freund wie Feind ein respektierter Kollege, für Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) ein gesuchter Gesprächspartner. Als das Mega-Millionen-Vorhaben "Port Olpenitz" in Kappeln im Konflikt zwischen Investoren und Naturschützern abzusaufen droht, machten Carstensen und der Grüne Fraktionschef das Projekt wieder flott.
Schriftsteller und Vater vierer Söhne
Habeck war noch Teilzeit-Politiker, als er schon für den Bundesvorsitz der Grünen gehandelt wurde. Nachfolger von Reinhard Bütikofer wurde der Schriftsteller von der dänischen Grenze dann aber doch nicht, und so konnte sich der gebürtige Lübecker weiterhin intensiv ums Bücherschreiben und mit Partnerin Andrea Paluch um seine vier Söhne kümmern. Mit der Wahl in den Schleswig-Holsteinischen Landtag 2005 ist der Landesvorsitzende seiner Partei nun doch Vollzeitpolitiker geworden und startete gleich durch an die Fraktionsspitze.
Habeck steht in der Partei für eine neue Generation, die ganz betont auf Eigenständigkeit der Grünen setzt. Rot-Grün ist keine Selbstverständlichkeit mehr, Schwarz-Grün denkbar, Jamaika mit CDU und der FDP hatten die Grünen im Land vor der Wahl 2009 schon ziemlich konkret vorbereitet. Nach jüngsten Umfragen könnten die Grünen sowohl mit der SPD regieren - wie von 1996 bis 2005 - als auch erstmals mit der CDU. Gewählt wird in neun Monaten - am 6. Mai 2012.
Seine Partei sieht Habeck, die er von 2004 bis 2009 fünf Jahre lang als Vorsitzender führte, nicht in der Rolle des Mehrheitsbeschaffers. Sie müsse vielmehr zur Bewältigung der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts selber Mehrheiten organisieren. Als Ziel nennt er eine faire Gesellschaftsform, deren Gerechtigkeit über materielle Verteilung hinausgeht.

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