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Schädlich laut Schwesig : E-Zigaretten: Die Argumente der Gegner

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ärger auch unter Jugendlichen in SH: Warum sollen E-Zigaretten verboten werden? Fragen und Antworten.

Das war keine gute Nachricht für trendige Jugendliche: Die Bundesregierung will ihnen die E-Zigaretten und die beliebten E-Shishas verbieten. Daniel aus Kiel lässt seinem Unmut freien Lauf: „Die Politiker sollen sich nicht in Sachen einmischen, von denen sie keine Ahnung haben – die E-Shishas sind doch komplett harmlos“, schimpft der Gymnasiast, der gerne mit seinen Freunden schon am Nachmittag eine dampft. Die Zigarette von heute ist bunt und schmeckt doch nur nach Obst oder Schokolade – das kann doch nicht schädlich sein! Doch, sagen Fachleute.

E-Zigaretten und E-Shishas – was ist das?

Elektrische Zigaretten enthalten keinen Tabak, meistens aber Nikotin. Sie bestehen aus Mundstück, Akku, einem elektrischen Vernebler und einer Wechsel-Kartusche mit einer Flüssigkeit („Liquid“). Beim Ziehen am Mundstück wird das Liquid vernebelt und inhaliert – deshalb spricht man auch nicht von rauchen, sondern von „dampfen“. E-Shishas, eine Variante der E-Zigarette, sind erst seit etwa eineinhalb Jahren auf dem deutschen Markt. Sie heißen so, weil das Mundstück dem einer Wasserpfeife ähnelt. Oft sehen E-Shishas aus wie Buntstifte, die Liquids schmecken nach Mango oder Zuckerwatte. Mit Himbeere-, Apfel-, Minze-, Schokogeschmack und anderen Aromen locken derzeit „Shishas to go“ besonders die junge Kundschaft an.

Wie wird das Verbot begründet?

„Verdampfer sind keine harmlosen Naschereien“, meinte Jugendministerin Manuela Schwesig (SPD). Ob mit oder ohne Nikotin, oft würden die Verdampfer als gesunde Alternative zur Zigarette gepriesen. „Sie sind aber nicht gesund.“ Inzwischen gebe es mehrere Studien , die belegten, dass auch die Inhaltsstoffe von nikotinfreien Verdampfern schädlich sein können. „Deswegen gehören sie nicht in die Hände von Kindern“, so Schwesig.

Was ist in den Liquids drin?

Auch wenn die Liquids kein Nikotin enthalten, sind die Inhaltsstoffe nicht ohne. In den meisten steckt Propylenglykol – ein Erdölprodukt, das unter anderem als Frostschutz für Autos eingesetzt wird und die Atemwege reizt. Erste Studien haben im Dampf der meisten Produkte krebserzeugende Stoffe nachgewiesen. Das in den Liquids enthaltene Vernebelungsmittel Propylenglykol kann zu Reizungen der oberen Atemwege führen und die Lungenfunktion beeinträchtigen. Die Verbraucherzentrale in Kiel bemängelt, dass Informationen über die Inhaltsstoffe in den Produkten, die meist aus China stammen, fehlen.

Wie beliebt sind die Verdampfer?

Geschätzt gibt es zwei Millionen Konsumenten. 14 Prozent der 12- bis 17-Jährigen gaben kürzlich bei einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an, im vergangenen Monat „gedampft“ zu haben. Der Umsatz hat sich in kürzester Zeit mehr als verzwanzigfacht. Zugleich wächst nach Angaben des Gaststättenverbandes Dehoga die Zahl von Shisha-Bars.

Wieso muss die Jugend geschützt werden?

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, sieht in den E-Shishas „ein geschicktes Marketing-Produkt der Tabakindustrie“, die Minderjährige „an das Rauchen heranführen will“. Geworben werde mit gesundem Obst auf der Tabakpackung und lecker klingenden Namen wie Fruchtmix oder Honigmelone. Zudem verführe der Reiz des Fremden Jugendliche, E-Shishas auszuprobieren.

Der tolle Erfolg, dass heute nur noch zwölf Prozent der Jugendlichen gegenüber 28 Prozent vor elf Jahren rauchen, werde durch E-Zigaretten und nikotinfreie extrasüße E-Shishas gefährdet, meint der Kieler Suchtforscher Reiner Hanewinkel. Weil zudem das Inhalieren leichter als bei Zigaretten sei, sinke die Hemmschwelle für Kinder und Jugendliche.

Laut Schwesig zeigt eine neue Studie, dass bundesweit etwa 534.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 noch nie eine „normale“, dafür aber schon einmal eine E-Zigarette geraucht haben. Möglicherweise sind deshalb die erfreulichen „Nichtraucher“-Zahlen nur bedingt richtig, da Jugendliche bei Befragungen fälschlicherweise „Nichtraucher“ ankreuzen.

Was plant die Bundesregierung?

Weil E-Zigaretten und E-Shishas keinen Tabak enthalten, fallen sie bisher nicht unter das Jugendschutzgesetz. Kinder und Jugendliche erhalten die elektronischen Glimmstängel problemlos für vier bis zwölf Euro am Kiosk. Ebensowenig gibt es gesetzliche Vorschriften zur Zusammensetzung, zur Reinheit und Dosierung, zur Kennzeichnung und Bewerbung sowie zur elektrischen Sicherheit – „ein Eldorado für Hersteller“, klagt die Verbraucherzentrale. Praktisch jeder könne in der Garage Liquids panschen und verkaufen.

Diese Lücke will Schwesig noch in diesem Jahr schließen und den Verkauf an Kinder und Jugendliche verbieten. Nikotinfreie E-Zigaretten sollen den nikotinhaltigen gleichgestellt werden. Damit wäre eine Hinweispflicht verbunden.

Hilft das „Dampfen“ bei der Raucherentwöhnung?

E-Zigaretten bzw. E-Shishas können zwar das Verlangen nach Rauchen reduzieren, aber ob sie zu einem dauerhaften Rauchstopp beitragen können, ist bisher noch nicht erwiesen, meint Reiner Hanewinkel vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT Nord) in Kiel. Zudem zeigten Studienergebnisse, dass Shishas quer durch alle Bildungsschichten beliebt sind, während Zigaretten heute vor allem in bildungsfernen und ärmeren Schichten geraucht werden.

Eltern sollten mit ihren Kindern über die Gefahren des Shisha-Rauchens sprechen. Wenn ein Sprössling mit gesundheitlichen Beschwerden nach dem Rauchen einer E-Shisha zu kämpfen hat, ist es ratsam, dass Eltern ärztlichen Rat einholen und ihre Bedenken und Erfahrungen der örtlichen Lebensmittelüberwachung mitteilen.


Hilfreiche (und gesunde) Methoden zum Rauchstopp unter www.ift-nord.de/nrtd/ichbrauchdasnicht/downloads-links/

 


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erstellt am 27.Apr.2015 | 11:31 Uhr

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