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Kriminalität : Dunkelfeldstudie: Polizei in SH kennt nur ein Viertel der Fälle

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Wohnungseinbrüche werden besonders oft angezeigt - Sexualdelikte selten. Innenminister Stefan Studt macht sich Sorgen.

Kiel | Die Furcht, Opfer von Straftaten zu werden, ist in Schleswig-Holstein nur relativ gering ausgeprägt. Nur ein Zehntel der Befragten wies 2014 ein eher hohes Unsicherheitsgefühl auf, wie aus der ersten „Befragung zu Sicherheit und Kriminalität“ hervorgeht. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Bürger in Schleswig-Holstein grundsätzlich sicher fühlen“, sagte Innenminister Stefan Studt (SPD) am Dienstag. Frauen fürchten demnach eher als Männer, Opfer einer Straftat zu werden. Ein Drittel der Befragten meidet bestimmte Wege, Plätze oder Parks. Jeder Vierte fährt in den Abendstunden nicht mehr mit Bus oder Bahn.

Die Schleswig-Holsteiner wollten es wissen: Wie groß ist Kluft zwischen Kriminalstatistik und Wirklichkeit? Mit der Befragung von 25.000 Menschen im Alter ab 16 Jahren will sich das Landeskriminalamt ein umfassenderes Bild von der inneren Sicherheit und Kriminalität im Land verschaffen. 13.070 schickten ausgefüllte Fragebögen zurück.

Tatsächlich Opfer von Straftaten ist 2014 knapp ein Drittel der Befragten geworden. Überwiegend handelte es sich dabei laut der sogenannten Dunkelfeldstudie um computerbezogene Kriminalität (16,7 Prozent), Diebstähle (15,5) oder Sachbeschädigung (8,3). Doch viele Opfer bringen dies gar nicht erst zur Anzeige. „Das Anzeigeverhalten bereitet mit besonders Sorge“, sagte Studt. Nur von gut einem Viertel aller Straftaten erhielt die Polizei 2014 überhaupt Kenntnis.

Opfer vollendeter Wohnungseinbrüche (83,8 Prozent) gehen besonders häufig zur Polizei. Dies dürfte auch an den Schadensersatzleistungen der Versicherungen liegen. Bei Diebstählen oder Sachbeschädigungen, die eher selten einem Versicherungsschutz unterliegen, fallen die Anzeigenquoten demnach deutlich geringer aus.

Noch seltener wurden der Polizei Gewalt- und Sexualdelikte gemeldet. Am niedrigsten ist die Anzeigequote mit 7,9 Prozent bei Sexualdelikten. Nur bei der Computerkriminalität (10,6 Prozent) werden ähnlich wenig Verbrechen zur Anzeige gebracht. Dieses Anzeigeverhalten und das große Dunkelfeld bei den Sexualstraftaten bereite ihm Sorge, sagte Studt. Als Grund für die Nichtanzeige gaben 46 Prozent der Betroffenen an, die Angelegenheit selbst geregelt zu haben. Weitere 35 Prozent hätten die Tat als nicht so schwerwiegend empfunden. „Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt“, sagte Studt jedoch. Er riet betroffenen Frauen, Anzeige zu erstatten.

Insgesamt ist die Bevölkerung mit der Arbeit der Polizei zufrieden. Doch es gibt in Teilbereichen auch deutliche Kritik: So sind 12,5 Prozent der Ansicht, die Polizei behandele die Menschen ungerecht. 28,3 Prozent sind demnach der Meinung, die Polizei habe eher zu wenig getan. „Das größte Problem ist, dass sich die Menschen nicht über den Fortgang ihrer Anliegen informiert fühlen“, sagte der stellvertretende Direktor des Landeskriminalamtes, Stephan Nietz. Das traf auf 55,5 Prozent zu. Und 26,6 Prozent gaben an, man könne sich auf den Rechtsstaat nicht verlassen.

Die Ergebnisse sind laut Innenministerium repräsentativ für das Land sowie die Kreise und kreisfreien Städte. Befragt wurde im März und April 2015 zu Taten, die sich im Jahr 2014 abspielten.

 

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erstellt am 16.Feb.2016 | 16:52 Uhr

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