Fluggeräte in SH : Drohnen-Fotos im Internet sorgen für Ärger

Eine Foto-Drohne hebt ab: Immer häufiger finden sich Bilder von ungefragt fotografierten Menschen im Internet.
Eine Foto-Drohne hebt ab: Immer häufiger finden sich Bilder von ungefragt fotografierten Menschen im Internet.

Immer wieder werden Menschen von Kameradrohnen aufgenommen – ungefragt. Wenn die Bilder im Internet auftauchen, ist die Empörung groß. Die Zahl der Beschwerden wächst.

shz.de von
28. Juni 2014, 09:25 Uhr

Flensburg/Kiel | Fotos vom Sonnenbaden auf der eigenen Terrasse, von Kindern auf dem Spielplatz oder von der Spazierfahrt im Cabrio – mit dem zunehmenden Einsatz von Kameradrohnen wächst auch die Zahl der Beschwerden aus der Bevölkerung. „Bei uns melden sich immer wieder Menschen, die ungefragt aus der Luft aufgenommen wurden und sich anschließend auf Bildern im Internet wiederfanden“, berichtet Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Und: Weichert geht davon aus, dass die Zahl der Beschwerden in Zukunft noch deutlich ansteigen wird. „Das ist ein großes Thema, das auf uns zukommt. Das Problem ist, dass man Drohnen in der Luft oft weder sieht noch hört“, so der Datenschützer.

Die Zahl der vergebenen Aufstiegserlaubnisse für die ferngesteuerten Fluggeräte hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Nach Angaben des zuständigen Wirtschaftsministeriums wurden im vergangenen Jahr 79 Aufstiegserlaubnisse durch die Landesluftfahrtbehörde erteilt. Ein Jahr zuvor waren es nur 38 Genehmigungen.

Eine solche Erlaubnis benötigen zum Beispiel Drohnenpiloten, die mit dem Einsatz gewerbliche Zwecke wie den Verkauf von Fotomaterial verfolgen. Film- und Fotoaufnahmen sind dabei die häufigsten Einsatzzwecke für kommerzielle Drohnenbetreiber. Dies können Luftaufnahmen von Firmenstandorten sein, aber auch Umweltämter würden laut Ministerium Drohnenflüge beauftragen.

Zugleich entdecken aber auch immer mehr Privatmenschen die Technik aufgrund günstiger Anschaffungspreise für sich – und veröffentlichen ihre Luftbilder im Internet. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) kann bei Verstößen gegen das Datenschutzrecht Bilder aus dem Internet entfernen lassen oder Bußgelder bis zu 300.000 Euro verhängen. Das größte Problem dabei ist jedoch der Vollzug. „Nur selten ist zu erkennen, wer die Drohne steuert“, so Weichert. Bei bereits im Internet veröffentlichten Fotos müssen Betroffene sich an den Seitenbetreiber wenden.

In Schleswig-Holstein haben sich bereits einige wenige Anbieter auf diesem Markt etabliert. Sie produzieren Imagefilme oder machen Fotos für Gutachter und Architekten. Einer von ihnen ist Carsten Bernot. Der Rendsburger machte sich 2011 als Drohnenpilot selbstständig. Mittlerweile besitzt er vier Drohnen für Video- und Fotoaufnahmen. „Das ist der klassische Einsatzbereich. Ich sehe aber auch ein großes Feld bei Behörden, der Polizei und der Feuerwehr“, sagt Bernot. So könnten Drohnen beispielsweise zur Schadstoffmessung bei Bränden oder Rekonstruktion von Unfällen eingesetzt werden.

Während Profis mit Multicoptern, die zwischen zehn- und zwanzigtausend Euro kosten, arbeiten, ist das Hobby Drohne erschwinglich geworden. Schon ab 60 Euro gibt es kleine Varianten mit integrierter Kamera.

Anders als bei kommerziellen Dienstleistern müssen im Freizeitbereich Flüge nicht immer angemeldet werden. Die wirkliche Zahl der Drohnenflüge lässt sich deshalb nur schwer abschätzen.

Eine Nutzung durch die Polizei ist umstritten. Trotzdem werden die Kleinfluggeräte bereits in einigen Bundesländern eingesetzt.  In Berlin stellte die Polizei eine Drohne zur Klärung von Kapitalverbrechen, Unfällen und Umweltdelikten vor. Niedersachsen betreibt eine 47000 Euro teure Drohne für Aufklärungs- und Dokumentationsflüge. Schleswig-Holsteins Polizei verzichtet laut Innenministerium auf den Einsatz.

Die Nutzung einer Drohne ist nicht unkompliziert. Für jeden Einsatz wird eine Aufstiegserlaubnis von der Landesluftfahrtbehörde gefordert. Hinzu kommt der technische Aufwand: „Die Fluggeräte sind komplex und müssen ständig gewartet werden, damit die Flugsicherheit gewährleistet ist“, erklärt Carsten Bernot. Datenschutzrechtlich reiche Drohnenpiloten das Einverständnis des Eigentümers. „Wir versuchen dabei immer den Bildausschnitt so zu wählen, dass keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden“, so Bernot.

Das rät auch Thilo Weichert privat oder kommerziell fliegenden Drohnenpiloten: „Wenn Personen zu erkennen sind, sind Luftbildaufnahmen unzulässig. Aufnahmen vom freien Feld sind aber kein Thema.“ Wer glaubt, von einer Kameradrohne erfasst worden zu sein, sollte sich an den Betreiber wenden und ihn darauf hinweisen, dass die Aufnahme unerwünscht ist. Hat das kein Erfolg, können sich Betroffene an das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) wenden. Die Dienststelle könne auf Grundlage des Bundesdatenschutzgesetzes auch gegen bereits im Internet veröffentlichte Fotos vorgehen. Mit Luftaufnahmen eines solchen Kleinfluggerätes verhält es sich ähnlich wie bei der Videoüberwachung. „Wir prüfen den Einzelfall und fordern die Betroffenen zur Stellungnahme auf. So kommen wir regelmäßig zu einem Ergebnis“, sagt Weichert.

Auch große Unternehmen experimentieren mit der Technik. So hat der Versandhändler Amazon und auch die Deutsche Post sogenannte Paket-Drohnen getestet. Für den massenhaften Einsatz in der zivilen Luftfahrt sind jedoch nicht nur technische Entwicklungen Voraussetzung. Eine generelle Zulassung für die zivile Nutzung von Drohnen im Luftraum gibt es nicht. Bei derzeitiger Rechtslage müsste für jede Drohne, die mit Paket schwerer als fünf Kilogramm ist, eine Einzelgenehmigung beantragt werden.

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