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Überfüllte Hochschulen in SH : Doppelter Abijahrgang: Aufnahmeprüfungen gegen Uni-Chaos?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Uni-Rektoren schlagen angesichts fehlender Millionen Alarm. Die Opposition nutzt ihren Brandbrief an die Ministerin zu heftiger Kritik an der Küstenkoalition.

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2015 | 19:57 Uhr

Kiel | Die Grünen im Landtag redeten erst gar nicht um den heißen Brei herum. „Niemand bezweifelt die Unterfinanzierung der Hochschulen“, erklärte der Hochschulpolitiker Rasmus Andresen. Mit dem Haushalt für 2016 „müssen Lösungen stehen“. Mehr Geld für die Grundfinanzierung habe für die Grünen „hohe Priorität“.

Allein: In den Präsidien der Hochschulen fehlt offenbar der Glaube, dass die Probleme vom Tisch kommen. Zwar sollen die Hochschulen bis 2020 zusätzlich 450 Millionen Euro von Bund und Land erhalten, um so den Druck zusätzlicher Studienanfänger abzufangen. Ob der Nachschlag reicht, ist strittig. Der Landesrektorenkonferenz fordert in einem Brief an Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD) zusätzliche Mittel; die Ministerin mauert bisher. Im Januar erst hatte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) Forderungen von Kiels Uni-Präsident Lutz Kipp nach mindestens 200 zusätzlichen Stellen mit dem Hinweis quittiert: „Das werden wir sehen.“

Wohl auch deshalb gingen die Präsidien der Hochschulen am Montag in die Offensive. In der Regierung und bei den Koalitionsfraktionen sei die Brisanz der akuten Probleme aller staatlich finanzierten Hochschulen im Lande noch nicht hinreichend zu Kenntnis genommen worden, schrieben die Präsidenten an Alheit.

Fakt ist: Schon heute sind die Hochschulen überfüllt. Im Herbst 2016 ist der doppelte Abiturjahrgang da. Nach Prognosen der Kultusministerkonferenz bedeutet dies mindestens 2000 zusätzliche Studierende. Seit sieben Jahren ist die Entwicklung absehbar. Passiert sei wenig, um die Hochschulen für den Ansturm zu rüsten, kritisiert die Opposition.

Alheit und die Koalitionsfraktionen konterten. Man habe die Probleme der Hochschulen „frühzeitig erkannt“, nehme deren Sorgen ernst und arbeite gemeinsam an Lösungen, erklärte die Wissenschaftsministerin. Die Grundfinanzierung lag 2014 bei 284 Millionen Euro und damit um 22 Millionen Euro höher als 2011. Mehr Geld gebe es für Infrastrukturverbesserungen und Baumaßnahmen. Nach Auslaufen des Hochschulpaktes III im Jahr 2020 sollten dauerhaft 30 Millionen Euro bei den Hochschulen verbleiben, erklärte Alheit.

Den Präsidien reicht das nicht: Werde die Grundfinanzierung nicht jetzt aufgestockt, dann werde „jedenfalls eine vierstellige Zahl von Abiturientinnen und Abiturienten im Herbst 2016 für ihre Hochschulausbildung unser Bundesland verlassen müssen“, heißt es in dem Schreiben an Alheit. Schleswig-Holstein, assistierte der Pirat Uli König, sei so „auf dem besten Weg, unsere besten Köpfe zu vergrämen“.

Nicht nur an Räumlichkeiten für Lehrveranstaltungen fehlt es, auch personell sehen sich die Hochschulen schlecht aufgestellt. Zahlreiche Hochschullehrer haben nur befristete Verträge und auch mit den Extra-Millionen aus dem Hochschulpakt III nur eine Perspektive bis 2020. Dann läuft das Programm aus.

Unmissverständlich stellt die Rektorenkonferenz deshalb klar: „Wir sind nicht bereit, drastische Einbußen hinsichtlich der Studienqualität und Betreuungsrelationen hinzunehmen und diese gegenüber unseren Mitarbeitern ... und gegenüber den studierwilligen jungen Menschen zu vertreten.“ Um ein Chaos abzuwenden, wird längst offen über Zulassungsbeschränkungen und Aufnahmeprüfungen geredet.

Die Opposition nutzte den „Brandbrief“ an Alheit als Steilvorlage. Die Regierung versuche bis heute, „die selbst verursachte Not der Hochschulen auszusitzen“, kritisierte CDU-Fraktionschef Daniel Günther. Ins selbe Horn stieß FDP-Fraktionsvize Christopher Vogt: Weil die Koalition die Prioritäten falsch gesetzt habe, brenne es an den Hochschulen „an allen Ecken und Enden. Es fehlt an Personal, Ausstattung, Hörsälen, Seminarräumen, Mensen und Wohnraum.“ Von den Rekordsteuereinnahmen der vergangenen Jahre hätten die Hochschulen „nichts gesehen“, klagte Vogt.

Wie der Pirat Uli König forderte Vogt zusätzliche Mittel bereits mit dem für Sommer angekündigten Nachtragsetat 2015. König erinnerte zugleich an Forderungen seiner Fraktion, mit der Millionen-Entlastung des Landes bei der Bafög-Finanzierung die Hochschulen besser auszustatten. Die Koalition habe dies „Löschwasser für ein bereits brennendes Haus“ jedoch genutzt, „um den Schwelbrand in den Schulen zu löschen. Jetzt brennt es an den Hochschulen, und Frau Alheit sitzt auf dem Trockenen,“ meinte König.

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