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Ferienstreit : "Die Unterrichtsqualität ist wichtiger"

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Schüler und Eltern sind mit der Arbeitsmoral der Lehrkräfte zufrieden. Schüler- und Elternvertreter erzählen, was sie sich statt Lehrerarbeit in den Ferien wünschen.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 05:47 Uhr

Kiel | "Es gibt wie überall welche, die sich im System ausruhen und theoretisch weniger Geld bekommen müssten - aber die anderen stellen mit Abstand die Mehrheit." So reagiert der stellvertretende Landesschülersprecher der Gymnasien, Florian Lienau, auf die Debatte über die Arbeitsmoral von Lehrern insbesondere in den Ferien. Er kenne zahlreiche Beispiele für Lehrer, die sich "weit über ihre Regelarbeitszeit hinaus engagieren" - nicht immer nach außen sichtbar, aber dennoch elementar, etwa um IT-Systeme an Schulen am Laufen zu erhalten.
Dass immer wieder über die Leistungsbereitschaft von Pädagogen diskutiert wird, erklärt sich der Schülersprecher zum Teil mit Neid auf den Beamtenstatus vieler Lehrer und mit der Machtstellung, die sie in Bezug auf den Werdegang der Jugendlichen haben.

Lehrer sollten nicht auf Fahrtkosten sitzen bleiben


"Wichtiger als die Diskussion über Lehrerarbeit während der Ferien wäre der Landesschülervertretung, dass sich die Qualität des Unterrichts verbessert", sagt Lienau. Dafür wünscht sich der 16-Jährige aus Barmstedt (Kreis Pinneberg) bessere Rahmenbedingungen, etwa, dass Lehrer nicht - wie er es teilweise hört - noch auf Fahrtkosten sitzen bleiben. Da die Buchungsfrequenz der Fortbildungen sehr unterschiedlich sei, wünscht er sich dabei mehr Steuerung. Einen Zwang zur Fortbildung hingegen lehnt der Schülervertreter ab: "Wenn jemand partout keine Lust darauf hat, versackt es. Bevor die Uninteressierten den Interessierten die Plätze wegnehmen, nur weil alle mal an die Reihe kommen, müssen wir die jetzige Praxis in Kauf nehmen."
Für eine stärkere Präsenz der Lehrer in der Schule am Nachmittag sieht Lienau keine Notwendigkeit. Die Erfahrung zeige, dass die meisten auf Wunsch außerhalb des Unterrichts zur Verfügung stünden. Nachdem die Ministerin nunmehr klargestellt hat, dass die Lehrer ihrer Ansicht nach genug leisten und auch die Oppositionsparteien den Lehrern beigesprungen sind, sieht der Elftklässler die Pädagogen unterm Strich sogar gestärkt: "Es wird interessant zu sehen, wie man bei der nächsten Erhöhung der Pflichtstundenzahl diesen Schritt begründen will."

"Der Schulalltag ist nicht leichter geworden"


Astrid Schulz-Evers vom Schleswig-Holsteinischen Elternverein sieht keinen Bedarf, dass Pädagogen pauschal mehr arbeiten. "Unser Eindruck ist, dass sich Lehrer durchaus fortbilden und gegen Ende der Ferien auch in der Schule Dinge vorbereiten", sagt die Plönerin, die seit mehr als zehn Jahren in Elternbeiräten aktiv ist. Sie findet sogar: "Auch wenn die Zahl der Ferienwochen im Vergleich zum normalen Arbeitgeber erstmal viel klingt - die Lehrer brauchen das auch. Der Schulalltag ist nicht leichter geworden, die Erziehungsarbeit größer als früher, unter anderem, weil es viele Alleinerziehende gibt." Auf den Einwand, dass andere Berufe ebenfalls eine Arbeitsverdichtung ohne so lange Ferien erfahren haben, meint Schulz-Evers: "Lehrer müssen sich mit viel mehr Bedürfnissen anderer auseinandersetzen als andere - nicht nur mit ihrem Chef, sondern auch Schülern, Eltern und anderen am System Schule Beteiligten."
Dass immer wieder Ärger über die langen Ferienzeiten der Lehrer artikuliert wird, hängt nach Einschätzung Schulz-Evers nicht allein mit Misstrauen oder Neid zusammen, sondern indirekt auch damit, dass immer mehr Eltern Probleme hätten, ihre Kinder während der langen Ferien außerhalb des eigenen, viel kürzeren Urlaubsanspruchs betreuen zu lassen. Weil zunehmend allein erzogen wird oder in einer Partnerschaft zunehmend beide Elternteile arbeiten, nähmen derartige Schwierigkeiten zu.
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