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Waltraud Wende : "Die Mehrheit unserer Lehrkräfte arbeitet toll"

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Mehr Arbeit für Lehrer in den Ferien. Bildungsministerin Waltraud Wende habe es nicht so gemeint - im Gegenteil: Im Interview spricht sie den meisten Lehrern großes Lob aus.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 05:47 Uhr

Frau Professor Wende, hat Sie die Heftigkeit der Debatte überrascht, die Ihre Äußerungen ausgelöst haben?
Ich habe bei der Veranstaltung in der Berliner Landesvertretung nicht die Forderung aufgestellt, dass Lehrkräfte in den Ferien mehr arbeiten sollen. Im Gegenteil: Ich habe auf eine Frage aus dem Publikum geantwortet, die darauf abzielte, die Ferienzeit für Lehrer zu reduzieren. Denn das ist genau nicht meine Position: Ich weiß, was Lehrerinnen und Lehrer leisten. Die Debatte hat mich daher insofern überrascht, als meine Äußerungen nicht im eigentlichen Kontext wiedergegeben wurden.
Wie erklären Sie sich denn, dass immer wieder Zweifel aufkommen, dass Lehrer einen nennenswerten Teil der Ferien für ihren Beruf verwenden? Nicht zuletzt die Frage aus dem Publikum in der Landesvertretung hat diese Skepsis ja wieder gezeigt.
Genau das hat mich ja aufgeregt. Und es liegt einfach an den flexiblen Arbeitszeiten der Lehrerschaft. Niemand sieht, wenn Lehrerinnen und Lehrer abends mehrere Stunden an den Schreibtischen sitzen und Korrekturen machen und sich auf den Unterricht vorbereiten.
Ziehen Sie Konsequenzen aus der aktuellen Debatte?
Wir sollten mehr Toleranz und eine Sensibilität dafür entwickeln, dass Berufsbilder in Wirklichkeit anders aussehen als auf der Oberfläche.
Diese Forderung wird sich nur gesamtgesellschaftlich umsetzen lassen. Welche Konsequenz aber ziehen Sie persönlich aus der Debatte?
Dass ich noch genauer formuliere, wenn ich öffentlich etwas sage. Fakt ist: Die absolute Mehrheit unserer Lehrkräfte arbeitet toll und engagiert sich überdurchschnittlich.
Zeigt dieser Fall, dass eine Expertin aus der Wissenschaft in die Schlangengrube der Politik gestolpert ist?
Ich bin dafür, im Team Lösungen zu finden. So möchte ich auch in der Politik arbeiten. Wenn ich sage, ich möchte einmal ergebnisoffen über eine Thematik nachdenken, wird das in meiner Rolle als Ministerin oft gleich so verstanden, dass ich nur scheinbar eine Frage stelle und in Wirklichkeit die Antwort längst wüsste. Das finde ich bedauerlich.
Also keine Pläne, Fortbildungen, möglicherweise auch innerhalb der Ferien, zu intensivieren?
Das ist längst Realität. Es gibt zahlreiche Beispiele für Fortbildungen. Ganz besonders bei der Inklusion sind unsere Fortbildungsangebote oft so überbucht, dass gar nicht jeder Interessierte einen Platz bekommt.
Sie haben in Berlin auch Sympathie dafür bekundet, dass Lehrer Klassenzimmer streichen - so wie Sie in Ihrem früheren Dienstraum an der Uni Siegen zu Pinsel und Farbe gegriffen haben. Wo Lehrer dies im Land tatsächlich machen wollten, ist ihnen dies von den Städten als Schulträger aus angeblich rechtlichen Gründen untersagt worden.
Lehrer sind hochbezahlte Experten für Bildung - die sollen natürlich nicht renovieren. Ich wollte mit einem Beispiel schlichtweg für Schule als gemeinsame Aufgabe vieler Beteiligter werben.

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