Schuldenatlas : „Die Größeren müssen kämpfen“

Vor allem die Position zu Tagesmüttern trennt sie: Günter Ernst-Basten (links), Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände, und Jörg Bülow, Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Gemeindetags. Foto: Staudt
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Vor allem die Position zu Tagesmüttern trennt sie: Günter Ernst-Basten (links), Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände, und Jörg Bülow, Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Gemeindetags. Foto: Staudt

Schleswig-Holsteins Gemeinden sind endlich einmal Sieger. Sie haben die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung bundesweit. Die Ursachen erklärt Jörg Bülow, der Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages.

Margret Kiosz von
02. August 2014, 09:02 Uhr

Schleswig-Holsteins Gemeinden sind endlich einmal Sieger. Sie haben die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung bundesweit. Die Ursachen erklärt Jörg Bülow, der Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages.

Herr Bülow, sind die Nordlichter besonders reich?
Das hat überhaupt nichts mit Reichtum zu tun, sondern mehr mit solider Haushaltspolitik. Außerdem haben wir auch im Norden große Unterschiede, was die Gemeindehaushalte angeht.

Inwiefern?
Vor allem die vielen kleinen Gemeinden, in denen etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt, wirtschafteten sehr sparsam. Diese Kommunen leisten sich nur das, was sie auch bezahlen können.

Was läuft in den kleinen Gemeinden anders?
Da spielt das Ehrenamt noch eine große Rolle, weil sich die Bewohner mit ihrer Gemeinde stark identifizieren. Sie packen sehr viele Aufgaben selbst an, ohne nach dem Staat zu rufen. Häufig wird dort das Feuerwehrhaus oder das neue Sportzentrum zum größten Teil in Eigenleistung erstellt.

342 der 1116 Gemeinden Schleswig-Holsteins sind schuldenfrei. Ist das nicht prima?
Nein, nur elf Kommunen ohne Schulden hatten mehr als 2000 Einwohner. Die Größeren haben zu kämpfen. Mit Sorge beobachten wir, dass immer mehr Kommunen Kassenkredite aufnehmen müssen. Das hat deutlich zugenommen. Selbst die schuldenfreien Gemeinden sorgen sich um die Zukunft. Wenn Schulden – etwa durch Erhöhung der Kreisumlage – einfach eine Etage tiefer geschoben werden, können die Rücklagen schnell schmelzen.

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