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Vom Wachdienst bis zum Caterer : Die Flüchtlinge als Wirtschaftsfaktor in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Gemeindetag rechnet in Schleswig-Holstein mit Investitionen von 70 bis 100 Millionen Euro.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2015 | 19:18 Uhr

Die Flüchtlinge stellen den Norden vor große Herausforderungen – und sind gleichzeitig ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Mit rund sechs Milliarden Euro zusätzlich will der Bund dieses und kommendes Jahr Länder und Kommunen bei der Flüchtlingshilfe unterstützen. „Allein 2015 kommen Investitionen mit einem Volumen von 70 bis 100 Millionen Euro auf Schleswig-Holstein zu“, schätzt Jörg Bülow vom Gemeindetag. Alle Kommunen müssten dabei viel leisten. „Wohnraum mieten oder kaufen, renovieren und einrichten vom Bett bis zum Kühlschrank, der Unterhalt – dahinter stecken Aufträge für die verschiedensten Wirtschaftsbereiche.“

In der Datenbank des Online-Portals TED der Europäischen Union sind öffentliche Ausschreibungen und Aufträge aufgelistet. Hier wird die Nachfrage der Kommunen und das Auftragsvolumen für die Unternehmen deutlich sichtbar. Unter dem Titel „Deutschland-Kiel: Mobile, modulare Containergebäude“ hat etwa das Finanzministerium einen Auftrag für 100 Flexotel-Container an die Firma Sani in Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) vergeben.

Sie werden für die Einrichtung auf dem Lübecker Festplatz angemietet. „Die derzeitige Marktlage auf dem Containermarkt ist ernüchternd. Es sind kaum noch Container zu bekommen“, heißt es in der Beschreibung des Auftrags. Die Stadt Flensburg musste sich im Ausland behelfen. „Wir haben in Dänemark acht bis zehn Modulbauten geordert, hier ist es nicht mehr möglich“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf.

Das Hamburger Catering-Unternehmen Alsterfood ist dort an sieben Standorten und an einem in Schleswig-Holstein mit insgesamt 250 Mitarbeitern aktiv, sagt Arndt Streckwall, Sprecher der übergeordneten Evangelischen Stiftung Alsterdorf. „Alsterfood liefert täglich rund 8000 Essen im Rahmen der Vollverpflegung.“ Auch andere Leistungen sind gefragt – ob Wachdienst oder Reinigung.

Und nicht nur Investitionen sind gefordert, es entstehen Arbeitsplätze durch die Flüchtlinge. Für Erstuntersuchung und hausärztliche Betreuung an mehreren Standorten ist die Notarzt-Börse in Pogeez (Kreis Herzogtum Lauenburg) zuständig. „Wir stellen Ärzte, Arzthelfer, Krankenschwestern, Rettungsassistenten und Bürokaufleute“, zählt Inhaber André Kröhnke auf. Seit Juli seien rund 30 Voll- und Teilzeitstellen entstanden. „In Boostedt werden die Kapazitäten von 700 auf 2000 Flüchtlinge erweitert. Dann müssen auch wir unsere Kapazitäten erhöhen.“

Das DRK hat sein Personal für Betreuung, ärztlichen Dienst und Küchenbetrieb ebenfalls aufgestockt. Sven Lorenz, Chef des DRK-Kreisverbands Neumünster: „Aufgrund der ansteigenden Flüchtlingszahlen in der Erstaufnahmeeinrichtung Neumünster haben wir statt 20 heute über 50 Angestellte in Voll- oder Teilzeit, und es werden weitere Ärzte und Pädagogen eingestellt.“ Ähnliches Bild bei den Kreisverbänden Nordfriesland und Kiel, wo 24 beziehungsweise 23 Kräfte eingestellt wurden – Tendenz ansteigend.

 

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