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Parteivorsitz : Die CDU in SH sucht einen Nachfolger für Reimer Böge

vom
Aus der Onlineredaktion

CDU-Chef Böge tritt wegen Herzproblemen ab. Für die Nachfolge gibt es wenige Favoriten. Ein Parteitag entscheidet im November.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 16:18 Uhr

Kiel | Die CDU in Schleswig-Holstein braucht völlig überraschend schon wieder einen neuen Vorsitzenden: Amtsinhaber Reimer Böge tritt aus gesundheitlichen Gründen nicht im November zur Wiederwahl an. Dies teilte der 62 Jahre alte EU-Abgeordnete am Donnerstag mit. Er sei wegen massiver Herzbeschwerden und Atemnot Anfang September im Krankenhaus behandelt worden. Nach Gesprächen mit seiner Frau und seinen Kindern sei er zu dem Schluss gekommen, dass er seine Gesundheit nicht weiter herausfordern dürfe. Deshalb kandidiere er auf dem Landesparteitag am 15. November in Neumünster nicht wieder.

Böge, der seit 1989 im EU-Parlament sitzt, wurde nach dem Rücktritt von Ex-Wirtschaftsminister Jost de Jager im März 2013 CDU-Landeschef.

Als Nachfolger kommen in erster Linie Abgeordnete aus Bundes- und Landtag infrage. Der Landesvorstand könnte schon in Kürze eine Vorentscheidung treffen. Der neue Vorsitzende wird automatisch in den engsten Kandidatenkreis für die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2017 rücken. Ein Übergangsvorsitzender würde der CDU kaum helfen.

Da sind die Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing (51), der CDU-Landesvize ist, und Johann Wadephul (51), der zwischen 2000 und 2002 die Nord-CDU führte. Von 2005 bis 2009 war er Fraktionschef in Kiel. „Das ist für uns ein Schock und politisch ein Schlag ins Kontor“, sagte der Rendsburger Bundestagsabgeordnete und CDU-Bundesvorständler Johann Wadephul über den Ausstieg Böges. Böge habe es nach dem überraschenden Rücktritt Jost de Jagers vor knapp zwei Jahren geschafft, die Partei zusammenzuführen und verstärkt zu inhaltlicher Arbeit anzuregen. „Wir haben Reimer Böge viel zu verdanken“, sagte Wadephul. Über einen Nachfolger wollte er sich nicht äußern: „Das ist zu früh. Wir sollten das jetzt erst mal sacken lassen und dann in Ruhe schauen, wer der Richtige ist.“ Allerdings müsse man bei der Suche „mehr noch als vor zwei Jahren die nächste Landtagswahl im Visier haben“, erklärte Wadephul: „Die Spitzenkandidatur könnte dann auf den Neuen zukommen.“ Er selbst wolle nicht Landesvorsitzender werden: „Nein, ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, dass ich mich in der Bundespolitik und nicht in der Landespolitik sehe – daran hat sich nichts geändert.“

Qua Amt käme der jetzige Fraktionsvorsitzende Johannes Callsen (48) infrage, doch das gilt angesichts von Kritik an ihm als unwahrscheinlich. Liebing sagte, Böges Nachricht sei am Morgen wie eine Bombe eingeschlagen. Da verbiete sich eine Nachfolgedebatte schon jetzt. Auch seien bis zum Parteitag sechs Wochen Zeit. Böges Rückzug treffe die CDU schwer.

Auch Landtagspräsident Klaus Schlie (60) wollte sich zu möglichen Ambitionen seinerseits nicht äußern. Er werde sich aktiv an der Lösung des Personalproblems beteiligen, sagte Schlie. „Ich gehe davon aus, dass wir noch in dieser Woche eine in sich geschlossene Personallösung vortragen werden.“ Schlies jetziger Posten wäre mit dem eines CDU-Landeschefs unvereinbar. Parteivizes sind außer Liebing die Landtagsabgeordneten Heike Franzen (50) und Katja Rathje-Hoffmann (51) sowie der scheidende Vorsitzende der Jungen Union, Frederik Heinz (28).

Vertreter der Parteien wünschten Böge alles Gute. „Die Gesundheit muss an erster Stelle stehen“, sagte CDU-Fraktionschef Callsen. Er habe immer gern mit dem „besonnenen Kollegen Reimer Böge“ zusammengearbeitet, twitterte SPD-Landeschef Ralf Stegner. „Vor dem Hintergrund der großen Belastungen, die der alltägliche politische Betrieb mit sich bringt, ist der persönliche Schritt Reimer Böges vollkommen nachvollziehbar“, sagte FDP-Landeschef Heiner Garg. „Der CDU wünschen wir eine glückliche Hand bei der Auswahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolger“, äußerte die Grüne Landesvorsitzende Ruth Kastner. SSW-Fraktionschef Lars Harms zollte Böge Respekt dafür, dass er minderheitenpolitische Fehler seiner Vorgänger korrigiert habe.

Böge war nach dem Amtsverzicht von Peter Harry Carstensen im Jahr 2010 nach Christian von Boetticher und de Jager der dritte Landesvorsitzende in kurzer Zeit geworden. Seine Rückzugsankündigung überraschte auch enge Parteifreunde und die knapp 22.000 Mitglieder ohnehin. Sein Ausstieg trifft die seit Frühjahr 2012 wieder oppositionelle Nord-CDU in schwerer Zeit. Als ernsthafte Alternative zur Koalition aus SPD, Grünen und SSW wird die Opposition im Landtag von vielen nicht wahrgenommen. Die Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl wäre voraussichtlich auf Böge hinausgelaufen. Die Nachfolge-Favoriten sitzen in den Parlamenten in Kiel und Berlin.

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