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Kommentar zum blendenden Cockpit : Die Bundeswehr - eine Schrottarmee

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Irgendwas läuft schief in der Rüstungsindustrie, kommentiert sh:z-Redakteur Frank Albrecht.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 11:52 Uhr

Und zack! Schon wieder hat es unsere Bundeswehr erwischt. Da bringen die Soldaten tatsächlich einige Tornados zum Fliegen und ziehen in den Krieg. Aber nur tagsüber! Nachts ist halt ein bisschen schlecht. Da können sie zwar fliegen, aber die Piloten nicht gucken.

Geht’s noch? Die Jungs riskieren da unten über Syrien ihr Leben. Für uns alle.

Und das ist der Punkt: Hohn und Spott haben die Soldaten nicht verdient. Sie können nichts dafür, wenn ihr Arbeitgeber als Pannen-Armee und Schrotthaufen abgekanzelt wird. Denn bei der inzwischen ellenlangen Liste an Pleiten, Pech und Pannen wird – bei aller berechtigter Kritik an der jeweiligen Leitung des Verteidigungsministeriums – in der öffentlichen Wahrnehmung ein Faktor oft ein wenig zu knapp beleuchtet. Handelt es sich bei den ganzen peinlich schief gelaufenen Rüstungsprojekten der letzten Jahre und Jahrzehnte tatsächlich allein um Bundeswehr-Skandale? Oder anders gefragt: Was ist da eigentlich bei den Herstellern los?

Für viel Geld werden die Tornados auf Hightech getrimmt. Und niemandem fällt auf, dass das Update leider nicht mit den Nachtsichtbrillen der Piloten kompatibel ist? Peinlich – für den Lieferanten, nicht für den Kunden.

Wenn Gewehre nicht geradeaus schießen, wenn auf nagelneuen Fregatten schon auf der Bauwerft die Brandschutzfarbe abblättert, wenn ein weltweit hochgelobter Konzern wie Airbus fast vier Jahre braucht, um ein Triebwerk für den Transporter A400M zu entwickeln, wenn Marinehubschrauber plötzlich 20 Zentimeter lange Risse im Blech haben, wenn eine neu entwickelte Aufklärungsdrohne dummerweise keine Zulassung von der Flugsicherheitsbehörde der EU erhält – dann, ja dann fragt man sich doch, wie es um die Qualität der Entwickler der Waffensysteme steht. Ist das der Fachkräftemangel, der allüberall beklagt wird?

Im Oktober hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein externes Gutachten zu 15 Rüstungsprojekten der Bundeswehr vorgestellt. Die Prüfer fanden 140 „Probleme und Risiken“ am Gerät der Bundeswehr. Klingt nicht so, als hätten die Hersteller die Sache im Griff.

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