Albig-Besuch in China : „Die besten Jahre kommen erst noch“

Torsten Albig in Shanghai: Die East China University of Science and Technologie hat ein Partnerschaftsabkommen mit der FH in Lübeck um fünf Jahre verlängert.
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Torsten Albig in Shanghai: Die East China University of Science and Technologie hat ein Partnerschaftsabkommen mit der FH in Lübeck um fünf Jahre verlängert.

Schleswig-Holstein und Zhejiang arbeiten schon seit mehr als 25 Jahren zusammen. Beim Treffen von Ministerpräsident Albig und dem Parteisekretär der Provinz wurden bewusst Höflichkeiten ausgetauscht – und ein spezielles Thema nicht angesprochen.

shz.de von
19. November 2013, 19:48 Uhr

Kiel/Hangzhou | Es sollte ein erstes Kennenlernen sein: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wurde am Dienstag von Xia Baolong, dem Parteisekretär der chinesischen Provinz Zhejiang, empfangen. Sowohl der Ministerpräsident als auch der Parteisekretär lobten bei Gesprächen im Gästehaus der Regierung in Hangzhou die bisherige Zusammenarbeit von Schleswig-Holstein und Zhejiang und brachten die Hoffnung zum Ausdruck, ihre Kooperation künftig noch vertiefen zu können. Bereits heute ist die Zusammenarbeit beider Regionen vielfältig und reicht von der Ansiedlung von Unternehmen über Forschungskooperationen bis hin zum Austausch von Studenten und gemeinsamen Studienangeboten.

Erst am Morgen noch war ein Projekt zwischen der Fachhochschule Lübeck und der East China University of Sciene and Technology (ECUST) in Shanghai um weitere fünf Jahre verlängert worden, im Rahmen dessen chinesische Studenten einen Teil ihres Studiums in Lübeck und deutsche Studenten ihrerseits einen Teil in Shanghai absolvieren.

Ginge es nach Albig, wäre dies für die Zukunft noch längst nicht alles: „Unsere Freundschaft ist eigentlich noch ein ganz junges Ding“, sagte Albig am Abend im Gespräch mit Parteisekretär Xia Baolong über die seit 1985 andauernde Partnerschaft der beiden Regionen. Die besten Jahre kämen erst noch, fügte der Ministerpräsident hinzu. Xia seinerseits hob die starke Rolle hervor, die Deutschland in Europa spiele. Das gute Verhältnis seiner Provinz zu dem nördlichsten Bundesland wertete er als Abbild der Beziehungen von Deutschland zu China insgesamt. „Es war ein sehr freundschaftliches Gespräch, das von großem Respekt geprägt war“, sagte Albig nach dem Treffen.

Forderungen, wie sie immer wieder in Deutschland geäußert werden, dass sich ein Ministerpräsident in so einem Gespräch auch zu kritischen Themen wie den Menschenrechten äußern müsste, wies Albig jedoch zurück. „Das war ein Höflichkeitstreffen“, sagte er. Solche Gespräche dienten dem Kennenlernen. Albig und Xia Baolong waren sich bislang noch nie persönlich begegnet. Ursprünglich war ein Treffen von Albig mit dem Provinz-Gouverneur Li Qiang geplant gewesen. Unmittelbar vor Reisebeginn hatte die chinesische Seite jedoch umdisponiert. Eine offizielle Begründung ist nicht bekannt.

In der Nomenklatura der Volksrepublik steht der Parteisekretär über dem Gouverneur. Xia Baolong gehört als Mitglied des Zentralkomitees der kommunistischen Partei zudem formal zu den rund 200 wichtigesten Politikern des 1,3 Milliarden zählenden Reiches und hat in der vergangenen Woche noch gemeinsam mit Staatspräsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang in Peking die Weichenstellung für Chinas künftige wirtschaftliche Entwicklung beschlossen.

Zuletzt war Albigs Vorgänger Peter Harry Carstensen (CDU) 2010 nach China gereist und hatte damals gegenüber dem damaligen Gouverneur der Provinz unter anderem die Situation der Frau des zu jener Zeit gerade erst inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo zur Sprache gebracht. Anders als im Fall von Albig und Xia kannten sich beide Politiker zu dem Zeitpunkt jedoch schon seit längerem.

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