Netzausbau in SH : Dialogverfahren endet - Fragen und Antworten zur Ostküstenleitung

„Netzausbau ist der Schlüssel für die Energiewende. Ohne ihn geht es nicht. Er bedeutet aber auch immer einen Eingriff in die Lebensumwelt, in die Natur und in die Kulturlandschaft“, sagt Energiewendeminister Robert Habeck.
„Netzausbau ist der Schlüssel für die Energiewende. Ohne ihn geht es nicht. Er bedeutet aber auch immer einen Eingriff in die Lebensumwelt, in die Natur und in die Kulturlandschaft“, sagt Energiewendeminister Robert Habeck.

Wo verläuft die Trasse der Ostküstenleitung genau? Und was ist ein Vorzugskorridor? Was Sie jetzt wissen müssen.

shz.de von
12. Juli 2015, 18:52 Uhr

Bad Oldesloe | Damit Windstrom aus dem Norden in den Süden Deutschlands fließen kann, hat die Bundesregierung einen Netzausbau beschlossen. Ein Teil davon ist die geplante Ostküstenleitung von Göhl in Ostholstein bis in den Kreis Segeberg.

Im November 2014 startete in Bad Oldesloe das sogenannnte Dialogverfahren, bei dem vom Netzausbau betroffene Bürger informiert und angehört wurden. Am Montag stellen das Umweltministerium Schleswig-Holstein und der Netzbetreiber Tennet in Eutin die Ergebnisse vor. Was wir schon jetzt über die Ostküstenleitung wissen:

Warum ist die Ostküstenleitung überhaupt notwendig?

Das Netz reicht derzeit schon für die bereits angeschlossenen 500 Megawatt nicht aus, nach dem Konzept der Landesregierung sollen weitere 1000 Megawatt vor allem aus Windenergie hinzukommen. Dafür braucht es eine Strom-Autobahn, eine 380 Kilovolt-(kV)-Leitung auf mindestens 60 Meter hohen Masten, für die 100 Meter breite Trassen gerodet werden müssen.

Wo soll die Ostküstenleitung verlaufen?

Die Gesamtstrecke der Ostküstenleitung gliedert sich in drei Abschnitte:
Abschnitt 1: Kreis Segeberg/Kreis Stormarn – Raum Lübeck (Netzverstärkung der bestehenden 220 Kilovolt-Leitung)
Abschnitt 2: Raum Lübeck – Siems (Netzverstärkung der bestehenden 220 kV-Leitung)
Abschnitt 3: Raum Lübeck – Raum Göhl (Neubau einer 380 kV-Leitung)

Die genaue Trassenführung sollte im Dialogverfahren festgelegt werden. Für den Abschnitt 1 gibt es ein Ergebnis: Die 380 KV-Ostküstenleitung soll entlang der derzeitigen 220 KV Leitung von Stockelsdorf über Nordstormarn und Tralau nach Norderstedt geplant werden. Die Ergebnisse für die übrigen Abschnitte werden am Montag bekannt gegeben.

Die Standorte der Umspannwerke (Netzverknüpfungspunkte) stehen noch nicht fest.

Wie lief das Dialogverfahren ab?

Auf ein Raumordnungsverfahren hat die Landesplanung verzichtet. Im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens sollte informiert und mit den Regionen und den Bürgern der „konfliktärmste“ Korridor gesucht werden. Hierfür luden Ministerium, Tennet und Schleswig-Holstein Netz AG gemeinsam betroffene Bürger zu Veranstaltungen vor Ort ein. Die Bürger durften sich mit Vorschlägen einbringen.

Im Januar 2015 gab es neun Kommunalveranstaltungen über den ersten Abschnitt der Ostküstenleitung – und eine Ergebniskonferenz am 22. April in Bad Oldesloe. Dabei wurde der Vorzugskorridor veröffentlicht, der maßgeblich entlang der alten Leitung führt.

Mehr als 1000 Bürger, Verbände und Kommunen hatten sich im Dialogverfahren beteiligt. „Besonders beeindruckend ist, dass durch die Ideen weitere Korridoralternativen für den Leitungsverlauf geprüft werden, etwa zum besseren Schutz des Wohnumfelds oder von Schutzgebieten“, sagte Robert Habeck.

„Die Gespräche und Diskussionen waren ausgesprochen sachlich“ sagte Moderator, Peter Ahmels von der Deutschen Umwelthilfe. Die Feinplanung für diesen Teil läuft.

Im März 2015 begann das Dialogverfahren für die Abschnitte 2 und 3. Die Ergebniskonferenz für diese Abschnitte findet am Montag, dem 13. Juni, statt. Direkt danach beginnt die Feinplanung für die Abschnitte.

Was sind die Ergebnisse des ersten Teils des Dialogverfahrens?

Das wichtigste Ergebnis ist der sogenannte Vorzugskorridor, also die Trassenführung. Im Vergleich aller 15 Alternativen habe sich diese Variante als die insgesamt konfliktärmste herausgestellt, sagte Lex Hartman aus der Tennet-Geschäftsführung während der ersten Ergebniskonferenz.

Im Abschnitt Kreis Segeberg - Raum Lübeck handelt es sich um eine sogenannte Netzverstärkung. Die neuen Mast- und Umspannwerksstandorte sollen laut Tennet in den kommenden Monaten festgelegt werden - unter Rücksprache mit den betroffenen Ämtern und Gemeinden sowie Grundstückseigentümern.
 

Wie geht es weiter?

Tennet will die Planfeststellungsunterlagen für den ersten Abschnitt zwischen Bad Segeberg und Lübeck im zweiten Quartal 2016 einreichen. Dieser Teil der Ostküstenleitung soll laut Netzentwicklungsplan 2018 in Betrieb genommen werden, die beiden anderen Teilabschnitte 2021.

Was ist mit dem Erdkabel?

Vorgesehen ist es bisher noch nicht – denn es fehlt eine gesetzliche Grundlage. Das Bundeskabinett und der Bundesrat haben bereits ein Gesetz beschlossen, das die Verlegung der in Ostholstein geplanten 380-kV-Trasse teilweise als Erdkabel ermöglichen kann. Der Bundestag muss noch über das Gesetz zum Energieleitungsbau abstimmen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn zeigte sich dem sh:z gegenüber hoffnungsvoll: „Wir sind dem Ziel einer verträglichen Trasse in Ostholstein, die zum Teil als Erdkabel verlegt werden kann, nahe. Ich gehe davon aus, dass die Große Koalition im Bundestag dem Bundesrat folgt und das Gesetz zum Energieleitungsbau mehrheitlich beschlossen wird.“

 
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