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Drehkreuz in der Lüneburger Heide : Deutschland plant Zeltstädte für 40.000 Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An mehreren Standorten sind neue „Drehkreuze“ im Gespräch. Unter anderem in der Lüneburger Heide, Berlin und Leipzig sollen Verteilzentren entstehen.

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erstellt am 15.Sep.2015 | 06:44 Uhr

Kiel/Berlin | Um den Ansturm von Flüchtlingen künftig besser bewältigen zu können, will der Bund mehrere große Zeltstädte für insgesamt 40.000 Menschen einrichten – darunter eine in der Lüneburger Heide. Wie SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi gestern sagte, sei dort „ein neues Drehkreuz“ für die Verteilung von Flüchtlingen vorgesehen. „Damit rücken auf einmal auf beängstigende Art und Weise Bilder von Flüchtlingslagern mitten in unser Land, die wir so nicht kennen“, sagte Fahimi. Sie präzisierte mit ihren Äußerungen Angaben ihres Parteichefs und Vizekanzlers Sigmar Gabriel, der am Wochenende in einem Mitgliederbrief an die Genossen geschrieben hatte, dass „bereits jetzt Zelte für 40.000 Menschen an einem oder mehreren Orten vorbereitet werden“. Neben der Lüneburger Heide sind Berlin-Schönefeld und Leipzig-Halle als weitere Standorte von Verteilzentren im Gespräch. München übt diese Funktion wegen des großen Flüchtlingsandrangs via Österreich faktisch schon jetzt aus.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigte die Pläne für die Lüneburger Heide gestern zwar nicht, ließ sie aber auch nicht dementieren. „Bitte wenden Sie sich ans niedersächsische Innenministerium“, sagte ein Sprecher des CDU-Politikers. Niedersachsens SPD-Innenminister Boris Pistorius ließ erklären, dass Bund und Land sich „darauf verständigt“ hätten, nahe der Kaserne Camp Oerbke bei Bad Fallingbostel in der Lüneburger Heide ein Verteilzentrum für Flüchtlinge einzurichten. „Sie sollen dort direkt per Bahn aus Österreich ankommen, in Busse umsteigen und dann auf die anderen norddeutschen Bundesländer verteilt werden“, sagte ein Sprecher. Das Land Niedersachsen werde die Einrichtung leiten, für den Betrieb stelle der Bund Kräfte des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr bereit. Wie groß die Zeltstadt werden soll, die dort geplant ist, ließ der Sprecher offen: „Das ist spekulativ, weil wir gerade mit dem Bund verhandeln und noch nicht feststeht, wie sich der Bund das vorstellt.“

Wegen der Flüchtlingskrise treffen sich heute Abend in Berlin auch die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel. Schleswig-Holsteins Regierungschef Torsten Albig sagte gestern im Vorfeld, dass die Länder „eine Atempause“ bei der Aufnahme von Flüchtlingen benötigten. „Wir brauchen wieder Momente der Organisation, um die nötigen Strukturen zu schaffen“, sagte Albig. „Nur dann können wir den zu uns kommenden Menschen angemessen helfen.“ Er begrüßte daher die Wiedereinführung von Grenzkontrollen. Gleichzeitig erhöhte der SPD-Politiker nochmals die Prognose für die Zahl der Flüchtlinge, die Schleswig-Holstein dieses Jahr erwartet: Er rechne jetzt mit „24  000 bis 30  000“, sagte Albig.

Studt fordert zusätzliche Aufnahmelager

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt hat den Bund dazu aufgerufen, zusätzlich zu den Ländern Erstaufnahmen zur Unterbringung von Flüchtlingen zu schaffen. „Der Bund muss auf diesem Gebiet auch ein Stück weit Verantwortung übernehmen, um uns  zu entlasten“, sagte Studt bei einem Besuch in der mit 3500 Menschen völlig überfüllten Landeserstaufnahme in Neumünster. Der SPD-Politiker verwies auf Kasernen oder Liegenschaften der Bundespolizei, in denen der Bund, etwa mit Hilfe des Technischen Hilfswerks, Unterbringungsmöglichkeiten für die ersten Wochen nach einer Ankunft in Deutschland einrichten könne. Zudem forderte Studt von der Bundesebene gebündelt „verlässliche Lageberichte, damit sich die Länder das nicht wie bisher selbst zusammenstummeln müssen“

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