A20 : Der weite Weg zur Küstenautobahn

Von Weede bis nach Westerstede: Wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg die A20 und A26 Planen. Grafik: shz
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Von Weede bis nach Westerstede: Wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg die A20 und A26 Planen. Grafik: shz

Kiel nennt erstmals neue Termine für den Bau der A20 zur Elbe, Niedersachsen treibt die Planung voran - trotzdem wird das Projekt sich hinziehen. Besonders der geplante Elbtunnel hat viele Zweifler.

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30. Oktober 2012, 11:07 Uhr

Kiel | Voller Zuversicht verkündete Schleswig-Holsteins Verkehrsminister den neuen Zeitplan für den Bau der A 20: Bis 2015 sollten "die wesentlichen Abschnitte" der Autobahn im Land fertig sein, bis 2017 das gesamte Stück bis Niedersachsen inklusive Elbtunnel. "Die A20", freute sich der Minister, "schafft die dringend benötigte Ost-West-Verbindung, die zu besserer Erreichbarkeit im norddeutschen Raum beiträgt."
Das ist erst drei Jahre her; Verkehrsminister war der CDU-Mann Jörn Biel. Inzwischen ist der SPD-Politiker Reinhard Meyer im Amt - und Biels optimistische Prognose längst von der Wirklichkeit widerlegt. Seit drei Jahren endet die A 20 kurz vor Bad Segeberg, ihr Weiterbau hängt vorm Bundesverwaltungsgericht fest, und die Grünen in der Landesregierung wollen sie nur bis zur A7 fortführen. Zudem hat der Bund weder Geld für neue Autobahnen noch ein überzeugendes Finanzkonzept für den 1,3 Milliarden Euro teuren Elbtunnel - ob sich das geplante Mautmodell mit einer Pkw-Gebühr von 4,75 Euro und einer Lkw-Gebühr von 27 Euro rechnet, ist unklar. Minister Meyer hat jedenfalls noch Zweifel.
Vorsichtiger Zeitplan
Wegen all der Probleme stellt er nun einen vorsichtigeren Zeitplan für die fehlenden 75 Kilometer der A20 in Schleswig-Holstein auf. So geht Meyer davon aus, dass auch der schon durchgeplante kurze Abschnitt zwischen Weede und Wittenborn erst 2017 fertig wird. Sollte das Bundesverwaltungsgericht Fehler bei der Planung feststellen, dürfte es noch länger dauern. Außerdem nennt der Minister erstmals Termine für den von den Grünen bekämpften Weiterbau der A 20 bis zur Elbe. Anders als die Grünen will er diese Strecke bauen und dem Landtag zur Anmeldung für den Bundesverkehrswegeplan empfehlen. Doch eröffnet wird der letzte Abschnitt des Teilstücks nach Meyers bisher unveröffentlichter Prognose nicht vor 2023, der sechs Kilometer lange Elbtunnel laut Plänen des Bundes sogar frühestens 2025.
Meyers niedersächsischer Kollege Jörg Bode will sich davon nicht entmutigen lassen. Vergangenen Monat hat er angefangen, seinen Teil der A 20 baureif zu machen. Von der 120 Kilometer langen und 1,27 Milliarden Euro teuren Strecke erhofft er sich "neuen Schub für die niedersächsische Küste" - daher heißt das Projekt bei ihm bevorzugt "Küstenautobahn". Weniger gut ist der FDP-Mann auf die rot-grün-blaue "Küstenampel" in Kiel und deren Streiterei über die A 20 zu sprechen: "Dass die Landesregierung in Schleswig-Holstein sich schrittweise aus diesem wichtigen Projekt zu verabschieden scheint, ist nicht hilfreich."
Niedersachsen zu optimistisch?
Bode muss bei der A-20-Planung gegenüber dem Nachbarland kräftig aufholen, weil die jetzige Trasse in Niedersachsen erst 2003 beschlossen wurde - elf Jahre später als die in Schleswig-Holstein. Nur der Wesertunnel ist schon fertig. Für das erste Stück von Bremervörde bis Elm hat Bode nun das Planfeststellungsverfahren eingeleitet; Ende nächsten Jahres will er mit dem Bau beginnen. Bode startet dort, weil schon Pläne für eine Ortsumgehung bei Bremervörde vorliegen, die nun für die A20 genutzt werden können. In acht Jahren soll der Abschnitt vollendet sein, zwei Jahre später die Zubringerautobahn A26. Die gesamte Küstenroute wird nach Bodes Plänen 2025 fertig. Dann könnte man auf der A20 fast von Holland bis Polen fahren.
Experten im Kieler Verkehrsressort geben allerdings hinter vorgehaltener Hand zu bedenken, dass Niedersachsens Zeitplan angesichts der Geldnot des Bundes und des fast still stehenden Autobahn-Neubaus in Deutschland zu optimistisch sei. Tatsächlich sind dieses Jahr in der ganzen Republik bisher nur fünf Kilometer neue Strecke eröffnet worden. Dagegen will allein Niedersachsen zwischen 2023 und 2025 jährlich neue Abschnitte von durchschnittlich 36 Kilometer Länge fertigstellen. Das scheint kaum realistisch - vom Bau des milliardenteuren Elbtunnels ganz zu schweigen.
Zudem könnten die Autobahnpläne in Niedersachsen bald wieder grundsätzlich in Frage stehen: Falls die schwarz-gelbe Regierung bei der Landtagswahl im Januar von Rot-Grün abgelöst wird, entbrennt auch in Hannover ein Streit über die A20. Zwar bekennt sich die SPD im Wahlprogramm zu der Autobahn. Doch die Grünen kündigen Widerstand an. "Wir halten den Bau der A20 für falsch", sagt ihr Verkehrsexperte Enno Hagenah. Die Küstenautobahn hole Güter auf die Straße, die besser per Schiff transportiert würden. Zudem glaubt er, dass der Elbtunnel "drei- oder viermal so viel kostet wie geplant" und damit viel zu teuer wird: "Diese Milliarden wird es niemals geben." Hagenah plädiert daher für eine andere Lösung: Wie seine Parteifreunde in Schleswig-Holstein will er die Fähre zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel wiederbeleben.

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