Blinklichter an Windanlagen : Der Kampf gegen die Rotlicht-Rotoren

Quelle: Deutsche Flugsicherung
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Quelle: Deutsche Flugsicherung

Viele Menschen stört das nächtliche Blinken an hohen Windanlagen. Es gibt auch bessere Systeme - aber Verkehrsminister Ramsauer blockiert deren Einführung.

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06. März 2011, 04:02 Uhr

Bordelum/Berlin | Norbert Röttgens Erfolg entscheidet sich gerade in Bordelum. Jedenfalls auch. In dem nordfriesischen Dorf wollen die Bürger einen Windpark bauen. Die Frage ist jetzt: Wie hoch sollen die Rotoren in den Himmel ragen? Lukrativ wären sehr hohe Anlagen, weil der Wind oben kräftiger weht und mehr Strom produziert - was auch den Umweltminister freuen würde, da er die erneuerbaren Energien ausbauen will. Doch gibt es einen Nachteil: Ab 100 Meter Höhe brauchen die Bauwerke eine Warnbeleuchtung für den Flugverkehr - und die lehnen viele Einwohner ab. Wie sehr die roten Blinklichter stören, könne man im nahe gelegenen Herrenkoog bereits "bewundern", spottet etwa Carmen Stollberg und fordert: "Wir wünschen keine Windriesen." Ansonsten könne sich das Dorf vor lauter Rotlicht ja künftig gleich mit zwei "l" schreiben: "Bordellum."
Wie in Nordfriesland stoßen die Großanlagen auch in anderen Regionen Deutschlands auf Ablehnung. Waren es bisher vor allem Schattenwurf und Zischgeräusche, die viele Bürger an der Windkraft nervten, kommt bei den Riesenrotoren ein neues Ärgernis hinzu. Jeder sechste Anwohner mit Sicht auf eine solche Anlage fühlt sich durch das weiße Blitzlicht am Tag und das rote Dauerblinken bei Nacht "stark belästigt", hat eine bundesweite Studie der Universität Halle ermittelt. Und: "Insgesamt wünschen sich die befragten Anwohner eine geringere Helligkeit der Hinderniskennzeichnung."
Jeder Meter mehr in die Höhe bringt ein Prozent mehr Energie
Für Röttgens Pläne zum Ausbau der Windenergie sind die Vorbehalte der Bürger gegen die Großanlagen schlecht. Denn die Bundesregierung setzt in ihrem Energiekonzept auf die produktiveren, hohen Anlagen. Dabei denkt der CDU-Minister nicht nur an neue Parks: "Ein Schwerpunkt sollte die Leistungsausweitung an bestehenden Standorten sein, also der Ersatz alter durch effizientere neue Anlagen." Als Faustregel gilt: Jeder Meter mehr in die Höhe bringt ein Prozent mehr Energie. Auch die schleswig-holsteinische Landesregierung will die Ökostromproduktion steigern - dadurch, dass sie künftig bis zu 1,5 Prozent der Landesfläche für Windkraft freigibt. Noch ist erst halb so viel mit Rotoren bebaut, darunter schon etliche blinkende Riesen (siehe Karte).
Um die Bedenken gegen die Großanlagen und ihre Lichter auszuräumen, will Röttgen nun rasch neue Technik einführen. "Wir werden kurzfristig für eine deutliche Reduzierung der Lichtemissionen von Windenergie-Anlagen sorgen und die rechtlichen Voraussetzungen im Bereich des Luftverkehrsrechts schaffen", heißt es schon im Energiekonzept vom Herbst letzten Jahres. Geeignet wären zwei Methoden. Bei beiden schaltet sich die Beleuchtung nur dann ein, wenn ein Flugzeug in der Nähe ist. Sonst - also fast immer - bleiben die Lichter dunkel. Dazu müssten die Anlagen entweder mit Radar ausgestattet werden, das Flugzeuge erkennt. Das wäre teuer. Oder sie müssten Detektoren für die Transponder erhalten, die Linienmaschinen zur Vermeidung von Kollisionen an Bord haben. Das wäre billiger. Allerdings müssten viele Sportflieger die Transponder nachrüsten oder könnten nachts nicht mehr fliegen.
In Schweden und Kanada ist die Technik schon im Einsatz
Einer lehnt die neue Technik aber noch ab: Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). "Bisher wurden dem Ministerium keine Nachweise durch die Hersteller bedarforientierter Befeuerungssysteme vorgelegt, dass eine Gefährdung der Sicherheit des Luftverkehrs ausgeschlossen ist", begründet sein Staatssekretär Jan Mücke die Absage auf Nachfrage der Grünen hin. Die wundern sich darüber: "In Schweden und Kanada wird die Radartechnik bei Windkraftanlagen längst genutzt", sagt die energiewirtschaftliche Sprecherin der Grünen, die Flensburger Bundestagsabgeordnete Ingrid Nestle. Sie wirft dem Minister Untätigkeit vor, weil er ein halbes Jahr Zeit gehabt habe und nichts passiert sei. "Wenn Ramsauer noch lange schläft, wird man weiterhin kaum hohe Windräder bauen und deshalb viel Strom verlieren", kritisiert sie.
Für Bordelum träfe ihre Sorge jedenfalls zu. Dort würde Bürgermeister Peter Reinhold Petersen gern die Radartechnik im neuen Windpark einsetzen und hat bereits einen Antrag bei Ramsauer gestellt. Falls der Minister aber ablehnt, sagt Petersen, würden eben niedrigere statt hoher Anlagen gebaut: "Das Geblinke wollen wir hier nicht haben."
(bg, shz)

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