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TV-Kritik zum ARD-Film : Der Fall Barschel: Waterkantgate als „Unbestechliche“ für Arme

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Von Kritikern hochgelobt. Aber lohnt sich das dreistündige Politdrama? Eine TV-Spätkritik.

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erstellt am 07.Feb.2016 | 13:07 Uhr

Barschels Ehrenwort und der anschließende Selbstmord sind Teil des kollektiven Gedächtnisses der Generation 40 plus. Ich verbrachte die denkwürdigen Minuten des 18. Septembers 1987, in denen die berühmten Sätze fielen, im Schwesternzimmer eines Altenheims in Dortmund während meines Zivildienstes.

Das taugt natürlich zum Fernsehstoff. Rund ein halbes Dutzend Mal war die Affäre Barschel Anlass für  dokumentarische oder auch fiktive Filme (eine Liste findet sich hier). Am Samstagabend nun der als Politthriller angekündigte Film „Der Fall Barschel” - satte 175 Minuten lang im seriellen Fernsehen zu der Zeit, die man früher “beste Sendezeit” nannte. Zeit Online meinte im Vorfeld, der Film sei „Favorit auf alle nationalen Fernsehfilmpreise der Saison”. Das war, das muss man wohl dazu sagen, als großes Lob gemeint.

Natürlich muss heute niemand mehr seinen Samstagabend mit der Hoffnung verbringen, es könne sich lohnen. Aber lohnt es sich, in den nächsten Tagen fast drei Stunden Zeit für Streaming in der ARD-Mediathek (Hier abrufbar bis 13. Februar) einzuplanen?

Die Antwort in Kürze: nein.

Der Denkfehler von Regisseur und Drehbuchautor Kilian Riedhof und seines Co-Autors Marco Wiersch: Waterkantgate=Watergate. Also machten sie aus der Barschel-Affäre ein Journalistendrama. Bob Woodward und Carl Bernstein, legendäre Reporter der „Washington Post”, Hauptfiguren des großartigen Films „Die Unbestechlichen” werden hier zu den fiktiven Journalisten David Burger und Olaf Nissen von der ebenso fiktiven “Neuen Hamburger Zeitung”. Das geht schief.

Das größte Problem des “Thrillers”. Er ist überhaupt nicht spannend. Schlimmer noch. Wer die Details des Falls kennt, fühlt sich wie in einer schlechten Doku. Wer sie nicht kennt, kommt bei der Handlung kaum hinterher.

Wenn aber die Rahmenhandlung keine Überraschungen bieten kann, müsste man die Spannung über die fiktiven Personen Burger und Nissen aufbauen. Leider: Fehlanzeige. Null Tiefe. Scheitern sie oder haben sie Erfolg? Rutschen sie in einen Sog aus Alkohol und Tabletten? Schmeißt ihr Chefredakteur sie raus? Wie entwickelt sich die schwierige Beziehung der beiden? Stirbt gar jemand? Egal.

 

Beim damals nicht ganz unbeteiligten „Stern” schaut der heutige Ressortleiter Politik jedenfalls interessiert zu:

Ralf Stegner schaut und twittert auch:

Und kriegt gleich vom Stern-Mann eins drüber. Immerhin: Bei Twitter ist was los.

Da bin ich nicht alleine.

Und es wird spekuliert über den Unterschied zwischen den guten Kritiken im Vorfeld und dem, was man selbst sieht.

Karo-Pullunder, Tasten-Telefone, Schreibmaschinen, Tipp-Ex, Faxe, ganz viel Gequalme. Die 80er-Jahre werden als Klischee inszeniert.

Auf viel Kritik stoßen bei Twitter auch die dramaturgisch eher untergeordnet einzuschätzenden Sexszenen:

Der Vollständigkeit halber muss gesagt sein Es gab auch Stimmen wie diese:

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