TV-Kritik zum ARD-Film : Der Fall Barschel: Waterkantgate als „Unbestechliche“ für Arme

Die Hauptdarsteller von 'Der Fall Barschel': Alexander Fehling (David Burger), Matthias Matschke (Uwe Barschel) und Fabian Hinrichs (Olaf Nissen)

Die Hauptdarsteller von "Der Fall Barschel": Alexander Fehling (David Burger), Matthias Matschke (Uwe Barschel) und Fabian Hinrichs (Olaf Nissen)

Von Kritikern hochgelobt. Aber lohnt sich das dreistündige Politdrama? Eine TV-Spätkritik.

von
07. Februar 2016, 13:07 Uhr

Barschels Ehrenwort und der anschließende Selbstmord sind Teil des kollektiven Gedächtnisses der Generation 40 plus. Ich verbrachte die denkwürdigen Minuten des 18. Septembers 1987, in denen die berühmten Sätze fielen, im Schwesternzimmer eines Altenheims in Dortmund während meines Zivildienstes.

Das taugt natürlich zum Fernsehstoff. Rund ein halbes Dutzend Mal war die Affäre Barschel Anlass für  dokumentarische oder auch fiktive Filme (eine Liste findet sich hier). Am Samstagabend nun der als Politthriller angekündigte Film „Der Fall Barschel” - satte 175 Minuten lang im seriellen Fernsehen zu der Zeit, die man früher “beste Sendezeit” nannte. Zeit Online meinte im Vorfeld, der Film sei „Favorit auf alle nationalen Fernsehfilmpreise der Saison”. Das war, das muss man wohl dazu sagen, als großes Lob gemeint.

Natürlich muss heute niemand mehr seinen Samstagabend mit der Hoffnung verbringen, es könne sich lohnen. Aber lohnt es sich, in den nächsten Tagen fast drei Stunden Zeit für Streaming in der ARD-Mediathek (Hier abrufbar bis 13. Februar) einzuplanen?

Die Antwort in Kürze: nein.

Der Denkfehler von Regisseur und Drehbuchautor Kilian Riedhof und seines Co-Autors Marco Wiersch: Waterkantgate=Watergate. Also machten sie aus der Barschel-Affäre ein Journalistendrama. Bob Woodward und Carl Bernstein, legendäre Reporter der „Washington Post”, Hauptfiguren des großartigen Films „Die Unbestechlichen” werden hier zu den fiktiven Journalisten David Burger und Olaf Nissen von der ebenso fiktiven “Neuen Hamburger Zeitung”. Das geht schief.

Das größte Problem des “Thrillers”. Er ist überhaupt nicht spannend. Schlimmer noch. Wer die Details des Falls kennt, fühlt sich wie in einer schlechten Doku. Wer sie nicht kennt, kommt bei der Handlung kaum hinterher.

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/Barschel?src=hash">#Barschel</a> Die, die die Geschichte kennen, langweilen sich und schalten weg. Die, sie nicht kennen, verstehen sie nicht und schalten weg.</p>&mdash; HG (@Zwiebeltuete) <a href="https://twitter.com/Zwiebeltuete/status/696072429538566149">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ganz ehrlich: Wenn ich nicht so klug wäre, würde ich nichts verstehen. <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/derfallbarschel?src=hash">#derfallbarschel</a></p>&mdash; Lisa Altmeier (@weltanschauer) <a href="https://twitter.com/weltanschauer/status/696066959587328000">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ich find den <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a> Film bei <a href="https://twitter.com/DasErste">@DasErste</a> etwas wirr. Wenn man die Geschichte nicht kennen würde, wäre es extrem schwer zu folgen.</p>&mdash; Philipp G. (@grassi2000) <a href="https://twitter.com/grassi2000/status/696065314413551617">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Wenn aber die Rahmenhandlung keine Überraschungen bieten kann, müsste man die Spannung über die fiktiven Personen Burger und Nissen aufbauen. Leider: Fehlanzeige. Null Tiefe. Scheitern sie oder haben sie Erfolg? Rutschen sie in einen Sog aus Alkohol und Tabletten? Schmeißt ihr Chefredakteur sie raus? Wie entwickelt sich die schwierige Beziehung der beiden? Stirbt gar jemand? Egal.

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Die Hauptfigur ist ein bißchen flach geraten: Woher diese Hartnäckigkeit? Wäre interessant <a href="https://twitter.com/hashtag/Barschel?src=hash">#Barschel</a></p>&mdash; Miss Storyline (@MissStoryline) <a href="https://twitter.com/MissStoryline/status/696071462743097346">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>  </center>

Beim damals nicht ganz unbeteiligten „Stern” schaut der heutige Ressortleiter Politik jedenfalls interessiert zu:

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">20000 Euro Cash und ein Fischbrötchen. Bis heute Journalistenalltag. <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a></p>&mdash; L. Wolf-Doettinchem (@WolfLorenz) <a href="https://twitter.com/WolfLorenz/status/696052362352422912">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Ralf Stegner schaut und twittert auch:

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">ARD Spielfilm über größten Politikskandal der Bundesrepublik. Barschel-Affäre der CDU SH schlimmster Fall von politischem Machtmissbrauch.</p>&mdash; Ralf Stegner (@Ralf_Stegner) <a href="https://twitter.com/Ralf_Stegner/status/696057766587338752">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Und kriegt gleich vom Stern-Mann eins drüber. Immerhin: Bei Twitter ist was los.

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Jeder kehre in seiner eigenen Schublade. <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a> <a href="https://twitter.com/Ralf_Stegner">@Ralf_Stegner</a> <a href="https://t.co/A6Yc2PAvQe">https://t.co/A6Yc2PAvQe</a></p>&mdash; L. Wolf-Doettinchem (@WolfLorenz) <a href="https://twitter.com/WolfLorenz/status/696058825397444608">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Zwischensstand nach knapper dreiviertel Stunde <a href="https://twitter.com/hashtag/Barschel?src=hash">#Barschel</a>: Der Wikipedia-Artikel ist spannender. <a href="https://t.co/MzqqZtnlSZ">https://t.co/MzqqZtnlSZ</a></p>&mdash; Joachim Dreykluft (@Dreykluft) <a href="https://twitter.com/Dreykluft/status/696059097276358656">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Da bin ich nicht alleine.

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">tja. <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a> ist dann doch kein scoop; film ist wirr, schauspieler ohne tiefe. schade!</p>&mdash; Philipp Kielbassa (@phiki83) <a href="https://twitter.com/phiki83/status/696066355586588672">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">schade <a href="https://twitter.com/DasErste">@dasErste</a>, Griff ins Klo mit <a href="https://twitter.com/hashtag/Barschel?src=hash">#Barschel</a>! Ist ne Kunst, so ne tolle Story zu verhunzen!</p>&mdash; Nelly Ambrosius (@a_ambrosius) <a href="https://twitter.com/a_ambrosius/status/696060338647736320">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Und es wird spekuliert über den Unterschied zwischen den guten Kritiken im Vorfeld und dem, was man selbst sieht.

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Kein Wunder, dass die Kritiken so gut sind. Die Rezensenten konnten sich in die gute alte Journalisten-Zeit zurückträumen. <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a></p>&mdash; Lisa Altmeier (@weltanschauer) <a href="https://twitter.com/weltanschauer/status/696061593688399873">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Karo-Pullunder, Tasten-Telefone, Schreibmaschinen, Tipp-Ex, Faxe, ganz viel Gequalme. Die 80er-Jahre werden als Klischee inszeniert.

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ahja, Squash spielte man damals auch noch. <a href="https://twitter.com/hashtag/Barschel?src=hash">#Barschel</a></p>&mdash; Christiane Link ✈️ (@Christiane) <a href="https://twitter.com/Christiane/status/696061513866600448">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Auf viel Kritik stoßen bei Twitter auch die dramaturgisch eher untergeordnet einzuschätzenden Sexszenen:

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ich glaube ich erkenne den Höhepunkt bei der Fall <a href="https://twitter.com/hashtag/Barschel?src=hash">#Barschel</a> Er ist gut versteckt in einer Sexszene</p>&mdash; Stormchild (@Stormchild3) <a href="https://twitter.com/Stormchild3/status/696070700315058181">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Warum muss seit 2-3 Jahren jeder dt. Film X belanglose fickszenen haben? Game of Thrones Effekt? <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a></p>&mdash; Flaming (@Flamingnbg) <a href="https://twitter.com/Flamingnbg/status/696066383663202304">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Es wird mehr geschnakselt als in &quot;desperate housewives&quot; <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a></p>&mdash; Rainer (@w_wozny) <a href="https://twitter.com/w_wozny/status/696067090785165312">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

Der Vollständigkeit halber muss gesagt sein Es gab auch Stimmen wie diese:

<center>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ich weiß gar nicht, was die Twitter Gemeinschaft wieder zu meckern hat, Ich find den Film über <a href="https://twitter.com/hashtag/barschel?src=hash">#barschel</a> richtig gut <a href="https://twitter.com/mattmatschke">@mattmatschke</a></p>&mdash; Susanne Oppitz (@SusanneOppitz) <a href="https://twitter.com/SusanneOppitz/status/696072580239904768">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Also wäre es gestern gewesen.... Danke, <a href="https://twitter.com/ard">@ARD</a> , der Fall <a href="https://twitter.com/hashtag/Barschel?src=hash">#Barschel</a> ist super gemacht! Bin begeistert, nicht nur wegen <a href="https://twitter.com/hashtag/FabianHinrichs?src=hash">#FabianHinrichs</a> :-)</p>&mdash; Holde Maid (@HoldeMaid666) <a href="https://twitter.com/HoldeMaid666/status/696077802072834049">6. Februar 2016</a></blockquote>

<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </center>

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen