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Schleswig-Holstein-Slogan : „Der echte Norden“ - Pro und Kontra

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jeder dritte Deutsche kennt ihn. Aber auch in unserer Redaktion polarisiert der SH-Slogan. Ein Spruch, zwei Meinungen.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 09:38 Uhr

Schleswig-Holsteins umstrittener Landes-Slogan „Der echte Norden“ ist 30 Prozent der Bundesbürger bekannt. Das geht aus einer Emnid-Umfrage im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern hervor. Von den sieben in der Studie verglichenen Länder-Slogans ist der „echte Norden“ der zweiterfolgreichste. Nur Baden-Württemberg erreicht mit „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ einen noch höheren Bekanntheitsgrad: 42 Prozent.

Auch innerhalb der sh:z-Redaktion polarisiert der Slogan. Zwei Meinungen:

Pro von Joachim Dreykluft: Ein Spruch, wie ich mir die SHler wünsche

Joachim Dreykluft, Online-Chefredakteur beim sh:z.

Nein, was war die Aufregung groß. Spätestens als im Juni 2014 an der dänischen Grenze bei Flensburg das erste Hinweisschild aufgestellt wurde. Haha! In den echten Norden fährt man Richtung Süden! Gaga für viel Geld!

Nun neigt der Schleswig-Holsteiner zu einer „So, wie es immer war, ist es doch gut“-Haltung. Den Kopf bloß nicht über die Grasnarbe erheben! Man könnte auffallen. Ein selbstironischer Spruch wie „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“, laut Emnid noch erfolgreicher als der „Echte Norden“, würde hier wohl mit Gegenargumenten bedacht wie: „Natürlich können wir Hochdeutsch“.

Das offizielle Argument der hiesigen Bedenkenträger: Wenn unser Norden „echt“ ist, welcher ist dann „unecht“? Dabei ist doch jedem halbwegs reflektierten Menschen klar, dass es hier nicht um das Gegenteil von „unecht“ geht, sondern um „kernig“, „authentisch“, „urwüchsig“, „besonders“, „naturnah“ und viele andere positive Dinge. Und erst recht nicht um Abgrenzung gegenüber Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder gar Dänemark.

Und dann die Nörgelei über das Geld für „einen Spruch mit geköpftem Hummer und halbem Löwen“. So preiswert hat noch nie ein Bundesland für sich geworben. Ganz ohne TV-Spots. Hut ab!

Innerhalb unserer Redaktion gehöre ich als Befürworter einer kleinen radikalen Minderheit an. Denn ich gebe zu: Ich mag den „Echten Norden“, weil der Spruch so ist, wie ich mir uns SHler wünsche: selbstbewusst, kernig, nach vorne orientiert und immer mit einem Lächeln auf den Lippen, das eine Spur Ironie nicht ausschließt.

Kontra von Stephan Richter: Der Slogan ist langweilig und sinnentleert

Stephan Richter, Sprecher der Chefredakteure beim sh:z.

Die Begrüßungsschilder an den Autobahnen sagen alles. „Der echte Norden“ – was verbindet sich mit diesem Slogan, der das Image des Landes aufpolieren soll? Auf besagten Schildern sieht man – schräg getrennt – eine große blaue und eine kleine weiße Fläche, dazu den Slogan und das Logo mit dem stilisierten Löwen und dem Nesselblatt. Das ist langweilig und sinnentleert. Baden-Württemberg hat im Gegensatz dazu mit dem Spruch, alles zu können, außer Hochdeutsch, wenigstens Humor.

Klar, dass der schleswig-holsteinische Slogan für Aufmerksamkeit sorgt. Würde Deutschland von sich behaupten, es sei „Das echte Europa“, dürfte der Bekanntheitsgrad des Spruchs in Frankreich oder Italien Rekordwerte erreichten – auch ohne teure Werbespots. Doch lässt sich mit solchen Werbegags das Image eines Landes wirklich dauerhaft aufpolieren und das Profil schärfen, so wie es sich die Landesregierung erhofft?

Nein. Wenn ein Bundesland mit einer Kampagne sein Profil schärfen will, sollte es um Nachhaltigkeit gehen. Deswegen müssen nicht gleich die Gesetze der Werbung außer Kraft gesetzt werden. Aber ein wenig mehr Inhalt wäre schon gut, auch wenn es andere Bundesländer nicht besser können. Der „echte Norden“ jedenfalls wirkt als Slogan wie die Begrüßungsschilder an der Autobahn: einfallslos.

Kleiner Tipp, weil die unter 25-Jährigen den Slogan noch nicht richtig kennen. Für sie könnte aus dem „echten Norden“ doch „Der geile Norden“ werden. Wetten, dass die Wirkung durchschlagend wäre? Niveaumäßig ist eben immer noch Luft nach unten.

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