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Ideen für SH : Der „echte Norden“ ist sich selbst genug

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der neue Slogan des Landes verrät etwas über die Gemütslage schleswig-holsteinischer Politik: Dem Land fehlt eine Zukunftsangenda. Ein Kommentar von Stephan Richter.

Werbebotschaften können verräterisch sein. Natürlich sollen sie zuerst Aufmerksamkeit erwecken und Gefühle, Einstellungen und Verhalten ihrer Empfänger beeinflussen. Aber sie geben oft auch etwas von ihren Absendern preis. Womit wir beim „echten Norden“ wären. Mit dem neuen Dachmarken-Konzept, das Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer im August präsentierte, will die Landesregierung nach eigenen Worten „Aufbruchstimmung“ erzeugen.

Nein, an dieser Stelle soll nicht zum wiederholten Mal über den Slogan oder das neue Bildzeichen mit aneinandergereihten Wappen-Elementen diskutiert werden. Es geht um mehr. Bislang grüßte Schleswig-Holstein mit dem Spruch „Land der Horizonte“. Das mögen Werbeagenturen als wenig „sexy“ empfunden haben. Dahinter verbarg sich aber eine Zukunftsidee. Lang’ ist es her, da organisierten Landesregierungen „Denkfabriken“ und zogen interessante Köpfe nach Schleswig-Holstein.

„Schleswig-Holstein – Der echte Norden“ ruht dagegen in sich selbst. Das entspricht dem aktuellen Zustand des Landes. Die Steuerquellen sprudeln. Wer denkt noch an den Schuldenberg? Kaum drei Jahre ist es her, da rang der Norden um ein Sparpaket. Der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen kämpfte dafür, damit Schleswig-Holstein finanziell wieder „Land“ sieht. Für den „echten Norden“ wäre eine Zukunftsagenda wichtiger denn je. Die Energiewende samt Bau einer Stromautobahn an der Westküste allein reicht nicht. Was ist zum Beispiel mit der demographischen Entwicklung, die das Flächenland verändern wird wie noch nie?

Der „echte Norden“: Slogan und Bildmarke allein werden dem Tourismus- und Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein keine Aufbruchstimmung bescheren. Zum „echten Norden“ gehören Perspektiven. Sonst endet der Gestaltungshorizont des Landes bei den Fledermäusen am Segeberger Kalkberg inklusive A20-Baustopp.

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