zur Navigation springen

Teilweise extrem starke Verluste : Den Parteien in SH laufen die Mitglieder davon

vom

Die CDU ist in den vergangen zehn Jahren um nahezu ein Drittel geschrumpft. Bei der SPD sieht es nicht viel besser aus.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2015 | 07:18 Uhr

Kiel | Die Parteien in Schleswig-Holstein verlieren massiv an Mitgliedern. Das geht aus einer Umfrage unserer Zeitung bei den einzelnen Parteizentralen hervor. Besonders starke Verluste haben die Großparteien CDU und SPD, die in den vergangenen zehn Jahren 30 Prozent (CDU, derzeit 20.717 Mitglieder) beziehungsweise 23 Prozent (SPD, 17.538 Mitglieder) ihrer Basis einbüßen mussten. Die Piraten verloren allein im Laufe der aktuellen Legislaturperiode seit 2012 die Hälfte ihrer Mitglieder. 514 Menschen engagieren sich derzeit in der Partei.

Auch die FDP hat mit Verlusten zu kämpfen, ebenso – wenn auch in geringerer Form – der SSW und die Linke. Betrachtet man die aktuelle Legislaturperiode, haben derzeit nur die Grünen ein besseres Mitgliederergebnis als vor drei Jahren zu verzeichnen. Allerdings sind auch bei der Okö-Partei die Zahlen wieder leicht rückläufig. Die im April 2013 gegründete Alternative für Deutschland (AfD) verlor nach dem Krach um den ehemaligen Bundesvorsitzenden Bernd Lucke allein in Schleswig-Holstein seit Ende März 169 Mitglieder. Die Mitgliederanzahl sank in vier Monaten um 18 Prozent auf 754 Personen. Neu in der schleswig-holsteinischen Parteienlandschaft wird ab 10. Oktober die neue Lucke-Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) vertreten sein. Ziel sei es, mit 150 Mitgliedern zu starten, kündigt Sprecher Jürgen Joost an.

In der Bundespolitik liefern sich CDU und SPD einen harten Kampf um die Spitze. Derzeit haben die Christdemokraten mit 453.000 Mitgliedern die Nase leicht vorn. In Schleswig-Holstein bleibt die CDU deutlich die mitgliederstärkste Partei, trotz der großen Verluste. Allein seit Beginn dieser Legislaturperiode 2012 gaben etwa 2000 Menschen (-8,8 Prozent) ihr schwarzes Parteibuch ab. „Die Entwicklung ist nicht gut, allerdings ist sie auch nicht schleswig-holstein-spezifisch“, sagt CDU-Chef Ingbert Liebing, der eine stärkere Mitmach-Kultur verspricht. Zudem lobt er die Arbeit der Senioren, die stark in der Partei vertreten seien. „Ohne diese aktiven Senioren würde die ehrenamtliche Politik nicht funktionieren.“

Die großen Parteien gehen am Stock – zumindest ein nicht unwesentlicher Anteil ihrer Mitglieder. Der Altersdurchschnitt der CDU liegt bei 59,9 Jahren und wird nur von der SPD um ein Jahr überboten. „Durch den hohen Altersdurchschnitt haben wir leider auch viele Sterbefälle“, heißt es aus der SPD. „Zudem haben wir während der Diskussion um die Agenda 2010 vor einem Jahrzehnt sowie in den Jahren der Großen Koalition 2005 bis 2009 viele Mitglieder verloren.“

Die Parteienlandschaft steht vor einer schwierigen Zukunft. „Die Parteien werden sich unterschiedlich entwickeln“, sagt FDP-Chef Heiner Garg, der das Tal der Tränen nach der Bundestagswahl 2013 für seine Partei durchschritten sieht. „Ich glaube an eine erfolgreiche FDP, ich kann mir auch vorstellen, dass CDU, SPD und Grüne gute Chancen haben. Ein- oder Zweitagesfliegen wie die Piraten oder rechtslastige Ausleger verlieren an Attraktivität.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen