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Nach der Landtagswahl : Debatte um Stegner-Rücktritt: Von „Blödsinn“ bis „konsequent“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kritik am SPD-Landeschef wächst. Wie ist die Stimmung wirklich in den Kreisverbänden?

„Ich sage, was alle denken“, sagte der nordfriesische SPD-Kreisvorsitzende Matthias Ilgen am Dienstag. Was er meinte, war: „Herr Stegner muss die Konsequenzen aus dem schlechten Wahlergebnis ziehen und zurücktreten.“ Wie ist die Stimmung wirklich in den SPD-Kreisverbänden? Wir haben nachgefragt.

 

Amt zur Verfügung stellen

Doll
Sönke Doll, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Itzehoer Ratsversammlung.

Allein mit seiner Meinung steht Ilgen im Land keinesfalls. Besonders deutlich wird Sönke Doll, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Itzehoer Ratsversammlung. „Ralf Stegner trägt als Landesvorsitzender die Verantwortung für eine blasse Wahlkampfkampagne ohne jegliche inhaltliche Positionierung der SPD“, sagte Doll dem sh:z. „Für die Bürgerinnen und Bürger ist Stegner als das Gesicht der Landes-SPD wahrgenommen worden und trägt damit auch politisch die Verantwortung für das schlechte Ergebnis der Partei.“ Er solle die Stimmung der Wähler ernst nehmen und sein Amt zur Verfügung stellen, fordert Doll.

 

Konsequent wie Kraft

Malecha-Nissen
Birgit Malecha-Nissen, Bundestagsabgeordnete aus dem Bereich Plön und Neumünster.

Ähnlich deutlich wurde die Bundestagsabgeordnete aus dem Bereich Plön und Neumünster, Birgit Malecha-Nissen: „Ich bin beeindruckt, mit welcher Konsequenz Hannelore Kraft die Verantwortung für den Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen übernommen hat. Das zeugt von Größe und Führungskompetenz. Dafür meine Hochachtung und meinen Respekt. Das Gleiche erwarte ich auch von unserem Landesvorsitzenden Ralf Stegner.“

 

 

Über Themen reden

Horst Böttcher, Bürgermeister der Gemeinde Damp.
Horst Böttcher, Bürgermeister der Gemeinde Damp.

Weniger am Personal als an der inhaltlichen Ausrichtung der Landes-SPD übt Horst Böttcher Kritik. Er ist seit über 16 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Damp: Er meint, Ralf Stegner solle nicht als Parteivorsitzender zurücktreten. „Er soll gerne weitermachen. Allerdings muss die SPD überlegen, ob sie im Wahlkampf die richtigen Themen angesprochen hat. “

 

 

Auf Regierung vorbereiten

Rix
Sönke Rix, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Rendsburg-Eckernförde.

Sönke Rix, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Rendsburg-Eckernförde, warnt davor, in der derzeitigen Situation „die Pferde auszuwechseln“ – denn: „Wir wissen noch nicht, ob wir in die Verlegenheit kommen, an einer Regierungsbildung in Schleswig-Holstein teilzunehmen“, so Rix. Sein Kreisverband habe während einer Gremiensitzung am vergangenen Mittwoch die Landtagswahl analysiert, dabei sei nicht von einem einzigen Genossen ins Spiel gebracht worden, dass der Parteivorsitzende Stegner seinen Hut nehmen solle. Jetzt gehe es darum zu erörtern, ob es Schnittmengen mit der FDP und den Grünen gebe.

 

 

Doppel-Rücktritt

René Sartorius, SPD-Vorsitzender in der Rendsburger Ratsversammlung.
René Sartorius, SPD-Vorsitzender in der Rendsburger Ratsversammlung.

In der Kreisstadt sieht man das etwas anders – so äußert es zumindest der SPD-Vorsitzende in der Rendsburger Ratsversammlung, René Sartorius: „Ich bin der Auffassung, dass Herr Albig und Herr Stegner aus dem Landtagswahlergebnis Konsequenzen ziehen müssten. Diese Konsequenz kann nur ein Rücktritt sein.“

 

 

Gegenwind aushalten

Ursula Schwarzer, Vorsitzende der SPD Amts-AG Schlei-Ostsee.
Ursula Schwarzer, Vorsitzende der SPD Amts-AG Schlei-Ostsee.

Anders sieht das seine Kreis-Kollegin Ursula Schwarzer, Vorsitzende der SPD Amts-AG Schlei-Ostsee: Es mache keinen Sinn, die Mannschaft bei Gegenwind auszuwechseln – den müsse man aushalten. „Ich halte Ralf Stegner für einen integren Politiker. Er ist jemand, der der Partei Profil verleiht“, sagte Schwarzer.

 

 

Bedingungslos gewählt

Wolpmann
Michael Wolpmann, Kreisvorsitzender Dithmarschen.

Der Dithmarscher Kreisvorstand tagt zwar erst am Donnerstag, doch der Kreisvorsitzende Michael Wolpmann, der auch Mitglied des Landesparteirats ist, stellt sich schon einmal vor den SPD-Landeschef: „Ralf Stegner muss nicht zurücktreten. Wir haben ihn ja gerade erst gewählt, bedingungslos. Ein Rücktritt kann aus meiner Sicht auch nicht erzwungen werden.“ Das Wahlergebnis müsse jetzt gemeinsam aufgearbeitet werden, fordert Wolpmann. „Ja, wir haben eine Wahl verloren, darüber werden wir uns als Partei Gedanken machen müssen. Aber Schnellschüsse bessern nichts.“

 

 

Totaler Quatsch

Peter Schaper, Fraktionsvorsitzender in Wyk auf Föhr.
Peter Schaper, Fraktionsvorsitzender in Wyk auf Föhr.

Auch aus Nordfriesland gibt es Gegenwind für den Kreisvorsitzenden Matthias Ilgen: Peter Schaper, Fraktionsvorsitzender in Wyk auf Föhr, geht auf Distanz. „Das ist absoluter Blödsinn. Ich weiß nicht, was den Ilgen da geritten hat.“ Stegner sei zwar nicht der beliebteste Politiker, aber kompetent. „Er hat die Wahl nicht alleine verloren. Jetzt eine Woche später seinen Rücktritt zu fordern, ist totaler Quatsch.“

 

 

Guter Mann

Jens Kolls, Bürgermeister in Rieseby.
Jens Kolls, Bürgermeister in Rieseby.

Jens Kolls, Bürgermeister in Rieseby und Kreistagsabgeordneter in Rendsburg-Eckernförde, hält nichts davon, wenn Stegner abtritt. „Welche Alternativen gibt es, und lag die Wahlniederlage nur an Stegner?“, fragt er „Stegner ist ein guter Mann für die SPD“. Allerdings erwartet Kolls von der Landes- und Kreis-SPD, dass man mit der Basis über die Ursachen der Wahlniederlage spricht.


 

Keine Alternative

Henrik Vogt, Schleswiger SPD-Ortsvereinsvorsitzender.
Henrik Vogt, Schleswiger SPD-Ortsvereinsvorsitzender.

Der Schleswiger SPD-Ortsvereinsvorsitzende Henrik Vogt kann verstehen, dass über die Person Stegner diskutiert wird. „Ralf Stegner ist ja kein unumstrittener Charakter. Ich weiß von Rücktrittsforderungen auch aus meinem Ortsverein.“ Die Wahlschlappe müsse aufgearbeitet werden. Allerdings fehle ihm persönlich im Moment eine Alternative zum amtierenden Landesvorsitzenden, so Vogt.

 

Kein Schnellschuss

Gerd Nielsen, der SPD-Fraktionsvorsitzende der Gemeinde Sylt.
Gerd Nielsen, der SPD-Fraktionsvorsitzende der Gemeinde Sylt.

Gerd Nielsen, der SPD-Fraktionsvorsitzende der Gemeinde Sylt, reagierte aufgebracht: „Wir lehnen einen solchen Schnellschuss ab“, sagte er mit Blick auf die Äußerung von Ilgen. Ein Stegner-Rücktritt sei derzeit kein Thema – „schon gar nicht sieben Tage nach der Landtagswahl“.

 

 

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erstellt am 16.Mai.2017 | 08:44 Uhr

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