zur Navigation springen

Ex-Chef der CDU in SH : De Jager: „Rücktritt war die richtige Entscheidung“

vom

Berater statt Spitzenpolitiker - der Ex-Chef der CDU in Schleswig-Holstein hat sich in einer neuen Berufswelt eingelebt. Jost de Jager kümmert sich um Klinikstrukturen und Management-Modelle. Gut ein Jahr nach seinem Rücktritt schließt er ein Comeback aus.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2014 | 11:31 Uhr

Als Wirtschaftsminister in Kiel gab Jost de Jager Gutachten in Auftrag, heute schreibt er welche. Gut ein Jahr nach seinem Rücktritt als Chef der Nord-CDU spricht der 48-Jährige immer noch leidenschaftlich über Politik, erweckt aber nicht den Eindruck, als wolle er wieder auf die Bühne. „Ein Comeback schließe ich definitiv aus“, sagt de Jager, der im Januar 2013 seiner verdutzten Partei die Brocken hingeworfen hatte. „Ich lebe nicht in einer Parallelwelt; ich stehe auch nicht morgens auf und denke darüber nach, was wäre, wenn du jetzt Ministerpräsident wärst.“ 

Seine Berufswelt heißt heute Healthcare Consulting. De Jager arbeitet bei der Personalberatung Rochus Mummert in Hamburg und kümmert sich dort um Mandate im öffentlichen Sektor. „So unterstützen wir große Krankenhäuser und Kommunen bei Organisationsthemen“, sagt der Mann, der in der Regierung einst für das Uni-Klinikum zuständig war. Die neue Arbeit mache viel Spaß. „Meine bisherigen anderen Mandate führe ich auch weiter.“ 

Als de Jager mit seinem Rücktritt die Konsequenz aus mangelndem Rückhalt zog und die CDU in eine weitere Führungskrise stürzte, kam das in dem Moment überraschend. Als Spitzenkandidat zur Landtagswahl konnte er 2012 die CDU nicht zum Erfolg führen; danach schwand sein Rückhalt. Im Sommer 2012 war er zum Rückzug bereit. „Ich habe mich überzeugen lassen, weiterzumachen“, bereut de Jager. „Man sollte doch bei seinen Entscheidungen bleiben.“ 

Es folgte die Fast-Demütigung mit einem Zittersieg gegen Sabine Sütterlin-Waack im Kampf um eine Direktkandidatur zur Bundestagswahl. Schließlich die Wiederwahl zum Landesvorsitzenden mit 80 Prozent, aber gestärkt ging de Jager daraus nicht hervor. Wie tief das sitzt? De Jager atmet beim Tee durch. „Die Stationen 2012 waren nicht vergnügungssteuerpflichtig - aber es sitzt nicht tief.“ Politik zu machen sei endlich. „Das heißt auch, dass es oft rumpelig endet.“ 

Als gescheitert sehe er sich nicht, sagt de Jager. „Mein Rücktritt war das Ergebnis einer längeren Entwicklung, für mich politisch und persönlich die richtige Entscheidung.“ Er habe keine positive politische Prognose mehr für sich gesehen. Sein Nachfolger?: „Reimer Böge führt die CDU mit ruhiger Hand und das tut ihr gut. Er hat es in bewegten Zeiten gut geschafft, die Union in ruhiges Fahrwasser zu bringen.“ 

Als herben Verlust für die CDU sehen die Weggefährten und Freunde Daniel Günther und Hans-Jörn Arp de Jagers Ausscheiden. „Er ist einer der profilstärksten Kräfte in der CDU“, sagt Günther. „Er wollte der Partei ein neues Gesicht geben“, äußert Arp. „Wir werden seinen Weg der Erneuerung fortsetzen.“ 

Hart urteilt FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki: „Jost de Jager hat offensichtlich keine nachhaltigen Spuren in der Landespolitik hinterlassen“. Wohlwollend dagegen SPD-Vormann Ralf Stegner. „Er hat intellektuell mehr zu bieten als andere“, sagt er über de Jager und nimmt die CDU ins Visier: „Dies mag ein Teil der Erklärung dafür sein, warum er am Ende nicht mehr Parteivorsitzender war.“ 

Seine Beratertätigkeit sei ein Fulltime-Job, sagt de Jager. Er sei für größere Projekte auch in Berlin, Hannover oder München unterwegs.

„Das absorbiert mich voll.“ Am Wochenende geht er mit seiner Frau zu Heimspielen des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel.

Auch wenn er sich in aktuelle Debatten nicht einmischt, eines will de Jager loswerden. „Es gibt in Schleswig-Holstein so etwas wie das Schönste-Bundesland-der Welt-Syndrom.“ Viele glaubten, das Land sei so schön, besser könne es nicht sein. „Dabei verliert man etwas aus den Augen, dass die Welt um uns herum sehr aktiv ist und sich gut aufstellt. Da fragt man sich manchmal, ob die Schleswig-Holsteiner den Willen haben, die Herausforderungen anzunehmen.“ Das sei eine Mentalitätsfrage. „Ich glaube, das ist so ein Stück süßes Gift.“ 

Wie er die CDU-Aussichten sieht, ab 2017 wieder zu regieren? Die Reaktion wirkt nicht euphorisch. „Die Regierung begeht nicht viele Fehler, das macht es für eine Opposition nicht einfacher.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen