„Bootcamp-Methoden" : Das sind die Friesenhof-Dokumente im Original

Die Vorwürfe gegen Ministerin Alheit wiegen schwer. Dokumente geben bestürzende Einblicke in die Arbeit der Mädchenheime.

shz.de von
17. Juni 2015, 18:51 Uhr

Verbaler Schlagaustausch im Landtag am heutigen Mittwoch. Die Opposition wirft Sozialministern Kristin Alheit schwere Versäumnisse vor. Dabei geht es vor allem um den Inhalt zweier Dokumente, die shz.de vorliegen.

In den drei Häusern des Friesenhofs leben Mädchen und junge Frauen - auch aus Hamburg - mit schweren psychischen Problemen, Verhaltensauffälligkeiten oder kriminellem Hintergrund. Im zweiten Halbjahr 2014 hatten Mädchen, aber auch zwei ehemalige pädagogische Mitarbeiter, massive Vorwürfe über inakzeptable Praktiken erhoben - etwa, dass sich die Mädchen nach ihrer Ankunft nackt vor männlichem Personal ausziehen müssten. Die Einrichtung soll komplett geschlossen werden.

In dem einen Dokument mit Mantelschreiben vom 18. Februar und angehängten Auflagen, datiert vom 30. Januar, werden der Friesenhof-Betreiberin eine Reihe von Dingen verboten. Dabei geht es etwa um das Ausziehen der Mädchen und jungen Frauen, die Möglichkeit der Kontaktaufnahme nach außen, die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und persönliche Gegenstände zu haben. Auch wird gefordert, dass tags und nachts weibliches Betreuungspersonal anwesend sein muss.

Hier das Dokument zum Download als PDF.

Auffällig ist vor allem die Form: Es gibt eine klare Trennung zwischen Auflagen, Begründung und Rechtsbehelfsbelehrung, es ist auf Ministeriumspapier ausgedruckt. Das Dokument gewinnt dadurch Rechtskraft.

Ein weiteres Dokument ist unterschrieben mit Daten vom 9. und 15. April (im PDF aus Datenschutzgründen entfernt). Das Dokument weist einen formlosen Charakter aus, ist auf neutralem Papier gedruckt und enthält keine Rechtsbehelfsbelehrung. Vorausgegangen ist offenbar eine Diskussion zwischen Ministerium und Friesenhof-Betreiberin, in dem Dokument ist von einer „ausführlichen Erörterung“ die Rede, außerdem von einer möglichen Klage.

Das Dokument vom April als PDF-Download.

Hierin hebt das Land die früheren Auflagen aus dem Januar wieder auf. Die neuen Auflagen sind teilweise deutlich laxer formuliert. Ausziehen ist nun ausdrücklich wieder vorgesehen, allerdings nur vor weiblichem Personal. Persönliche Gegenstände werden den Mädchen nur dann nicht abgenommen, „wenn sie ausschließlich emotionalen Interessen der Bewohnerinnen dienen“. Weibliches Personal muss erst ab Juli 2015 tags und nachts anwesend sein. Ein Nichteinhalten muss erst dem Land gemeldet werden, wenn fünf Tage nacheinander kein weibliches Personal verfügbar ist. Außerdem werden die Mädchen in den ersten acht Wochen mit einer Kontaktsperre nach außen belegt.

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