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Gaschkes Steuerdeal : Das sagte Uthoff früher über seine Immobiliengeschäfte

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Vor 21 Jahren machte der Augenarzt Detlef Uthoff schon einmal Schlagzeilen: Er kaufte auf einen Schlag 320 Wohnungen in Rendsburg. shz.de dokumentiert das Interview mit der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung vom 24. Februar 1992.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2013 | 17:54 Uhr

Rendsburg | „Erfolgreich als Augenarzt, erfolgreich im Immobilien-Bereich. Dr. Detlef Uthoff, Betreiber und ärztlicher Direktor der Augenklinik Kiel-Bellevue, hat sich auch außerhalb des Landes auf dem Gebiet der Laser-Eingriffe einen Namen gemacht. Er gilt als Kapazität im medizinischen Kampf gegen Kurz- und Weitsichtigkeit, speziell gegen den Grauen Star. Zahlreiche Operationen führte er kostenlos durch, der 49-Jährige pflegt ein großes soziales Engagement. In dieser Woche (24. Februar 1992, Anm. der Redaktion) geriet Dr. Uthoff in die Schlagzeilen, als er im Rendsburger Stadtteil Hoheluft 320 Millionen Mark erwarb. Der Augenarzt verfügt in Ammersbek (Kreis Stormarn) über einen weiteren Komplex dieser Größenordnung. Der frühere Regionalliga-Tennisspieler und Fahrer eines VW Golfs ist verheiratet und Vater von vier, in wenigen Monaten von fünf Kindern. Von frühmorgens bis zum späten Abend, und das auch am Wochenende, hält sich Dr. Uthoff in der Klinik auf. So auch gestern Mittag, als Jürgen Muhl ihn über Hintergründe seines Rendsburger Millionenprojektes befragte.

Man spricht über Sie in Rendsburg. Wer 320 Wohnungen auf einen Schlag kauft, ist im Gespräch. Können Sie das  große Interesse an Ihrer Person überhaupt nachvollziehen?

Uthoff: Nein, das kann ich nicht.

Wenn ein renommierter Augenarzt sich derart offensiv auf dem Immobilienmarkt bewegt, dann ist das schon etwas ungewöhnlich. Wo die Ärzte doch zur Zeit über Einkommensrückgänge klagen. Ich gehe davon aus, daß Sie Ihr Geld gut und sicher anlegen wollten?

Uthoff: Das ist der Fall, und man muß hinzufügen, daß das Geld für diese Sachen nicht aus dem ärztlichen Bereich stammt, ganz im Gegenteil, sondern aus Dingen, die vor meiner ärztlichen Zeit liegen, wo wir im Grunde vor vielen Jahren einmal mit Immobilien begonnen hatten.

Mit anderen Worten: Bereits bevor sie 1985 diese Klinik eröffneten, haben Sie sich mit dem Wohnungskauf sehr intensiv beschäftigt?

Uthoff: Ja, ich bin in diese Dinge hineingewachsen und mußte mich vor vielen Jahren damit beschäftigen. Ich spielte früher in einer Band und habe da bereits erstes Geld verdient und in den Kauf von Immobilien gesteckt. Aber ich muß ehrlich sagen, daß ich kein großes Interesse daran habe, den Beruf des Immobilienhändlers oder wie auch immer auszuüben, sondern in der Tat mit Leib und Seele Arzt und Operateur bin.

Sie kennen sich auf dem Wohnungsmarkt offenbar gut aus. Warum war für Sie das Rendsburger Angebot so interessant. Ein Sonderpreis?

Uthoff: Kein Sonderpreis, sondern dies ist eine Empfehlung gewesen von meiner Verwaltungsgesellschaft, die mich in diesen Dingen auch sehr gut berät, und letztendlich ist dadurch die Kaufentscheidung gefallen.

Als erfolgreicher Klinikbetreiber haben Sie ein gutes Einkommen. Kaufen Sie ganze Stadtteile, um möglichst wenig Steuern zu zahlen?

Uthoff: Zunächste einmal kaufe ich nicht ganze Stadtteile. Aber Sie haben recht: Die Entscheidung zum Kauf von Wohnungen ist letztendlich aus steuerlichen Beweggründen getroffen worden.

Finanziert man so ein Riesenobjekt zum größten Teil, oder haben Sie sich von einem Millionenpaket getrennt?

Uthoff: Dieses Objekt wird vollständig fremdfinanziert. Das ist auch der Sinn des steuerlichen Aspektes. Außerdem habe ich soviel Geld auch nicht zur freien Verfügung. Bonität und das Know-how, das man durch solche Investitionen entwickeln kann, interessieren die Bank. Die Liquidität investiere ich, indem ich dann zum Beispiel Fenster neu einsetze. Dies ist mietenwirksam. Durch steigende Mieten, natürlich in vertretbarem Maße, rechnet sich das Objekt nachher besser.

Bleibt in der Rendsburger Hoheluft alles so wie es ist, oder müssen die Mieter ein paar Mark drauflegen?

Uthoff: Für die Mieter bleibt prinzipiell alles so, wie es ist. Es werden in keinem Falle jetzt oder in Zukunft Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Die Mieter können absolut beruhigt sein. Die Miete dort ist allerdings zum Teil seit über sieben Jahren nicht erhöht worden.

Die Wohnungen liegen fast direkt an der Eider, und auch der Kanal ist nicht weit entfernt. Da steigt der  Wert dieser Wohnungen fast mit jedem Wellenschlag. Sie wären ja unklug, diese Umwandlung in Eigentumswohnungen nicht vorzunehmen?

Uthoff: Ich betone noch einmal, daß ich kein Wohnungsspekulant bin, sondern dass Wohnungen nur aus steuerlichen Gründen gekauft werden. Das beinhaltet letztendlich auch, dass man diese Wohnungen in den Bestand nimmt und sie nicht in Eigentumswohnungen umwandelt. Das ist bisher bei mir noch nirgendwo geschehen und wird auch in Zukunft nirgendwo geschehen.

Es ist bekannt, daß Sie als Arzt häufig ein großes soziales Engagement zeigen. Trifft dies auch auf Sie als Vermieter zu?

Uthoff: Die wirklich Sozialschwachen können jederzeit mit Hilfe von mir rechnen.

Kommen Sie eigentlich gern nach Rendsburg, vielleicht gelegentlich auch zum kleinen Einkauf mit dem Portemonnaie in der Tasche?

Uthoff: Sehr gerne komme ich nach Rendsburg und fühle mich insbesondere den Menschen mit dem kleinen Portemonnaie sehr verbunden.“

Das Interview stammt aus dem Archiv des sh:z und erschien erstmals am 24. Februar 1992 in der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung in Rendsburg.

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