zur Navigation springen

57 Tage bis zum Versand : Das lange Warten auf den Steuerbescheid in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Finanzverwaltungen im Land sind überlastet. Ein erschreckender Wert: Kleinstbetriebe werden nur alle 106 Jahre überprüft.

Steuerzahler in Schleswig-Holstein müssen Geduld haben. In kaum einem anderen Bundesland brauchen Finanzämter so lange, um für einen normalen Arbeitnehmer den Steuerbescheid zu erstellen. Durchschnittlich vergehen 57 Tage zwischen dem Eingang der Steuererklärung in einem norddeutschen Finanzamt und dem späteren Versenden des Bescheids. Nach Zahlen vom Bund der Steuerzahler wird nur in Niedersachsen (58 Tage) und Bremen (87 Tage) noch langsamer gearbeitet. Wer selbstständig ist, muss sogar mit einer Bearbeitungszeit von 66 Tagen rechnen.

Die Bearbeitungszeit ist das eine Problem. Ein zweites ist, dass die Finanzbehörden nicht mehr nachkommen, Gewerbebetriebe zu überprüfen. So werden Kleinstbetriebe (in der Regel Ein-Mann Betriebe) im Schnitt nur alle 105,8 Jahre überprüft, teilt die Deutsche Steuer-Gewerkschaft Schleswig-Holstein mit. Große Unternehmen nur alle 6,3 Jahre.

„Der Außendienst in den Finanzverwaltungen kommt nicht mehr hinterher“, klagt Harm Thiessen, Landesvorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft Schleswig-Holstein. Der Gewerkschaftler beklagt generell, dass ältere Kollegen, die das Berufsleben beenden, nicht adäquat ersetzt werden. Es kämen zu wenig junge Kollegen nach. Thiessen: „Wir fühlen uns alleine gelassen.“ Zuspruch erhält er vom Bund der Steuerzahler in Schleswig-Holstein. Der kritisiert schon länger die schwache Finanzverwaltung im Land. „Das zieht sich über alle Regierungsperioden hin“, sagt Geschäftsführer Rainer Kersten.

Nach Schritten zur Verbesserung der Finanzverwaltung gefragt, heißt es aus dem Finanzministerium, dass sich das Land an der Bund-Länder-AG „Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“ beteilige. „Das steuerliche Verfahren soll mit Hilfe eines verstärkten IT-Einsatzes neu ausgerichtet werden“, erklärt eine Sprecherin. „Das mildert das Problem nicht ab, es macht derzeit sogar noch mehr Arbeit“, entgegnet hingegen Gewerkschafter Thiessen.

Dass es aber bereits jetzt besser ginge, zeigt das Beispiel Baden-Württemberg. Dort müssen Arbeitnehmer nur 36 Tage warten – drei Wochen weniger als im Land zwischen den Meeren.

So viele Tage wartet man auf seinen Steuerbescheid in den einzelnen Bundesländern (Quelle BdST)

Nordrhein-Westfalen hat keinen konkreten Wert, sondern eine Zeitspanne von fünf Wochen bis sechs Monaten als Wartezeit angegeben.

Bremen 87
Niedersachsen 58
Schleswig-Holstein 57
Hessen 56
Saarland 53
Brandenburg 50
Thüringen 46
Bayern 46
Sachsen-Anhalt 46
Berlin 45
Sachsen 45
Mecklenburg-Vorpommern 44
Hamburg 39
Rheinland-Pfalz 38
Baden-Württemberg 36
zur Startseite

von
erstellt am 09.Aug.2015 | 19:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen