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Forderung an Dänische Minderheit in Südschleswig : Dänische Volkspartei: Espersen relativiert Aussagen zur deutsch-dänischen Grenzfrage

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Werden große Teile Schleswig-Holsteins wieder zu Dänemark? Der DF schwebt das vor – immerhin „ohne Panzerschlacht“.

Kopenhagen | Der Vize-Chef der Dänischen Volkspartei, Søren Espersen, hat seine umstrittenen Aussagen zur dänischen Minderheit in Deutschland verteidigt. „Wenn die dänische Minderheit keine Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung hegt, warum gibt es sie dann?“, fragte der rechtspopulistische Politiker und Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses im dänischen Parlament. Auch andere Minderheiten etwa in Schottland oder der Ukraine würden für ihre Sache kämpfen, sagte er.

Seine in einem Interview mit dem dänischen Sender dk4 erhobene Forderung nach einem Dänemark bis zur Eider, die Schleswig-Holstein etwa in der Mitte teilt, habe er allerdings „mit einem Lächeln auf den Lippen“ gestellt. Es gehe ihm nicht darum, einen Krieg anzuzetteln: „Wir haben eine Grenzregion, die wunderbar funktioniert und dafür werden wir in der ganzen Welt bewundert.“

Zuvor hatte  Søren Espersen von territorialen Forderungen gegenüber Deutschland gesprochen. Er beruhigte aber im gleichen Atemzug mit dem Hinweis, „dass natürlich keine Panzerschlacht im Grenzland zu erwarten ist“. „Daran glaube ich nicht, und das wünsche ich mir auch nicht.“

 

„Wir wünschen uns aber gerne ein Dänemark bis zur Eider. Das ist Hoffnung und Traum zugleich. Das muss auch die Idee der dänischen Minderheit sein, sonst verstehe ich gar nichts. Nichts in der Geschichte ist statisch. Das wäre ganz neu, wenn Grenzen unverändert bleiben“, so Espersen in einem Fernsehinterview auf DK4 mit Siegfried Matlok. Espersen verwies darauf, dass ja die Volksabstimmung 1920 für gewisse Klarheiten gesorgt habe.

„Nach 1945 hätten wir aber mit einem leichten Fingerknipsen ganz Schleswig für Dänemark beanspruchen und bekommen können. Engländer und Franzosen waren dazu bereit, denn sie wollten Deutschland möglichst zerschlagen, aber wir Dänen haben damals „nein“ zu einer Grenzänderung gesagt. Kontrafaktisch weiß ich ja nicht, wie es sonst gelaufen wäre. Man hat damals entschieden „die Grenze liegt fest“, weil man unter anderem eine große deutsche Minderheit im Königreich vermeiden wollte“, sagte Espersen, der auch Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses im Folketing ist. Seine Dänische Volkspartei stellt die zweitstärkste Fraktion im Parlament in Kopenhagen und ist seit Jahren wichtiger Stützpartner der rechtsliberalen Minderheitsregierung.

Der politische Arm der dänischen Minderheit in Deutschland, der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), wies die Forderungen als populistisch, unrealistisch und unzeitgemäß zurück. Sie sei „ein gefährliches Spiel mit dem jahrzehntelangen Grenzfrieden, den wir nach Jahrhunderten deutsch-dänischer Konflikte gemeinsam erreicht haben“, teilte der SSW-Fraktionschef im Kieler Landtag, Lars Harms, mit. Der Vorstoß sei „politische Selbstprofilierung“.

Harms kritisierte auch den CDU-Fraktionschef im Kieler Landtag, Hans-Jörn Arp, der zuvor vom SSW „auch aufgrund seiner finanziellen Abhängigkeit vom dänischen Staatshaushalt“ eine Distanzierung gefordert hatte. Dieses Argument zeige, „welch krudes Minderheitenbild entgegen aller Beteuerungen immer noch an den Stammtischen der Nord-CDU gezeichnet wird“. Deshalb lehne der SSW eine Koalition mit der CDU nach der Landtagswahl kategorisch ab.

Rasmus Andresen, stellvertretender Fraktionschef der Grünen, rief die dänische Regierung dazu auf, sich von Espersens Äußerungen zu distanzieren. „Zu oft sind die dänischen Rechtspopulisten Taktgeber für die dänische Gesellschaft“, beklagte er. SSW-Sprecher Per Dittrich ergänzte: „Was wäre, wenn nun die AfD um die Ecke kommt und ihrerseits die Grenze von 1871 wieder haben will?“. Die Debatte könne die Minderheitenpolitik um Jahrzehnte zurückwerfen. Der SPD-Abgeordnete Kai Dolgner scherzte: „ Warum so zaghaft? Ein anständiges Groß-Dänemark muss doch auch Holstein bis Altona umfassen.“

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erstellt am 23.Feb.2017 | 16:44 Uhr

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