zur Navigation springen

Nord-Ostsee-Kanal : Dänen fordern Doppeltunnel anstelle der Rader Hochbrücke

vom

Vier dänische Kommunen unterstützen in einem offenen Brief den Flensburger Vorstoß zum Tunnelbau durch den NOK.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2017 | 14:18 Uhr

Apenrade | „Die Infrastruktur in Norddeutschland ist für unsere regionale Wirtschaft von sehr großem Interesse – aber sie liegt auf deutscher Erde. Wir können nichts bestimmen, aber wir wollen darauf hinweisen, wie wichtig insbesondere der moderne Ausbau über den Nord-Ostsee-Kanal für uns ist“, sagt Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre).

Experten gehen davon aus, dass die alte Brücke noch höchstens neun Jahre genutzt werden kann. Bereits jetzt gilt auf der maroden Autobahnbrücke für Lastwagen Tempo 60. Und die vierspurige Brücke ist auch immer wieder ein Nadelöhr für den Verkehr. Lange Staus können etwa für Logistiker wirtschaftliche Einbußen bedeuten.

Am Mittwoch haben Andresen und seine drei Bürgermeisterkollegen aus Sonderburg, Hadersleben und Tondern einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie eine große Hoffnung zum Ausdruck bringen: Aus dem jetzigen Nadelöhr Rader Hochbrücke muss eine moderne Auto- und Bahnverbindung geschaffen werden. Bevorzugte Umsetzung: ein Doppeltunnel für Straßen- und Schienenverkehr.

Auch Regionsratsvorsitzende Stephanie Lose (Venstre) will sich dem Schreiben anschließen, das über die Stadt Flensburg ans Bundesverkehrsministerium nach Berlin geschickt wird. Der Hintergrund: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) und Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar (CDU) machen sich erneut für eine Tunnellösung stark, trotz der bereits erfolgten Entscheidung, dass die Rader Hochbrücke neu gebaut wird. 

„Wir wollen, gerade auch mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl, die Chance nutzen, um die Resolution der Flensburger Ratsversammlung noch einmal ins Spiel zu bringen. Mit der Tunnellösung denken wir an die Generationen nach uns, die geplante Ersatzbrücke ist in ihrer Kapazität viel zu kurzfristig gedacht, vor allem was den Schienenverkehr angeht“, sagt Simone Lange. 

Die Flensburger erhalten für ihren Einsatz volle Rückendeckung aus dem gesamten deutsch-dänischen Grenzland. „Die Wirtschaft im Norden wird von der schlechten Infrastruktur ausgebremst, wenn sich nicht nachhaltig etwas verändert“, so Bürgermeister Andresen. „Für unseren Export ist Norddeutschland der Weg auf den süddeutschen und europäischen Markt. Auf der anderen Seite exportiert die deutsche Wirtschaft über Norddeutschland nach Skandinavien. Die Nordschleswiger wünschen sich, dass die Renovierung der Rader Hochbrücke keine Ad-hoc-Lösung mit sich bringt, die uns langfristig nicht weiterbringt.“

Man bevorzuge sowohl für die Bahnstrecke als auch für die Autobahn über den Nord-Ostsee-Kanal eine Tunnellösung. „Wir können nichts bestimmen, uns ist klar, dass wir nur ein kleiner Piep in der Debatte sind. Aber wir hoffen doch, dass es Eindruck macht, wenn eine ganze Region eindringlich darum bittet, eine gute Lösung zu finden. Wir brauchen eine Infrastruktur, die den heutigen Ansprüchen gerecht wird“, sagt Thomas Andresen. „Dass unsere dänischen Partner uns ihren Brief mit auf den Weg geben und uns unterstützen, ist großartig“, sagt Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange, die seit Januar im Amt ist.

Hält Simone Lange die Tunnellösung trotz des bereits erfolgten Beschlusses für realistisch?

„Der Tunnel ist laut Machbarkeitsstudie möglich. Die Kosten liegen höher, aber dafür denken wir an eine Lösung für die nächsten 50 bis 100 Jahre. Wir fordern dazu auf, die Entscheidung zu überdenken.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen