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Verschlüsselte Kommunikation : Cyber-Terror in SH: Islamisten tricksen das BKA aus

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Terrorvideos aus Neumünster, illegale Bankgeschäfte in Pinneberg: Laut ndr.de agieren Terroristen von SH aus – und das BKA hat Probleme bei der Strafverfolgung.

Kiel | Das Bundeskriminalamt (BKA) hat offenbar große Probleme bei der Strafverfolgung von Islamisten und radikalen Salafisten im Internet. Das berichten NDR 1 Welle Nord und das „Schleswig-Holstein Magazin“. Die Islamisten nutzen demnach speziell gesicherte Datenträger, die von den Ermittlern oft nicht geknackt werden können. Auch in Schleswig-Holstein seien radikale Salafisten mit illegalen Aktivitäten im Internet aufgefallen.

Terroristen agieren nicht nur in Brüssel oder Paris. Der Verfassungsschutz zählt in Schleswig-Holstein mehr als 240 Personen zu den radikalislamistischen Extremisten. Als Hochburgen gelten neben Neumünster auch Kiel, Lübeck und Flensburg sowie der Hamburger Rand mit Pinneberg, Elmshorn und Norderstedt.


Die BKA-Sprecherin erklärt: „Eine Analyse der Daten ist häufig unmöglich und ein Tatnachweis erschwert.“ Gleiches gelte für verschlüsselte Kommunikation. „Dies alles schafft verfolgungsfreie Räume mit erheblichen Auswirkungen auf die Arbeit der Sicherheitsbehörden.“

Im Gespräch mit dem NDR berichtet ein Computerexperte aus der Salafistenszene von speziellen Schulungen in diesem Milieu, die eine sichere Kommunikation untereinander ermöglichen sollen. Demnach arbeiten islamistische Programmierer auch an eigener Verschlüsselungssoftware. Zuletzt wurde im Internet das erste deutschsprachige Magazin aus islamistischen Kreisen veröffentlicht, das exakte Anleitungen für IT-Sicherheit gibt.

Journalisten von ndr.de haben drei konkrete Terror-Verdachtsfälle in Schleswig-Holstein recherchiert:

  • In einer Hochhaussiedlung in Pinneberg soll Nadar H. illegale Geschäfte mit Bankkonten im Internet treiben. Mehr als 100.000 Euro sollen er und seine Komplizen ergaunert haben. H. wurde im März 2016 vorläufig festgenommen. Vor knapp drei Jahren hatten Ermittler bereits schon einmal seine Wohnung durchsucht. Damals nahmen sie die Festplatten mit. Diese sind immer noch nicht geknackt, wie der NDR aus Ermittlerkreisen erfuhr. Die Verschlüsselung sei zu stark.
  • Bereits im Juni 2012 soll das LKA die Wohnung von Ismael S. in Husum durchsucht haben. Dabei wurden Computer und 12.000 Euro in bar sichergestellt. Ismael soll enge Kontakte zu führenden Islamisten in Großbritannien gehabt haben und betrieb mehrere Internetseiten, über die er unter anderem Gelder für Glaubensbrüder in Syrien sammelte. Kurz nach der Razzia verließ Ismael S. Deutschland Richtung Syrien. Sein heutiger Aufenthaltsort ist laut NDR unbekannt.
  • Ebenfalls 2012 wurde Isa al-Khattab aus Neumünster in einem Staatsschutzverfahren in Schleswig zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt. Er soll mehrere ausländische Terrorgruppen dabei unterstützt haben, zum Beispiel brutale Enthauptungs- oder Anschlagsvideos ins Internet zu stellen.

Zwischen den drei Fällen gibt es eine Verbindung: Laut Ermittlungsakten, die dem NDR teilweise vorliegen, gehörten alle Verdächtigen zum Umfeld von „Millatu Ibrahim“. Der salafistische Verein wurde im Mai 2012 durch den Bundesinnenminister verboten. Der Verein war immer wieder im Fokus der Ermittler im Norden. Gegen den Pinneberger Nader H. läuft aktuell ein Ermittlungsverfahren wegen Fortführung von „Millatu Ibrahim“, gegen den Husumer Ismael S. eine Anklage wegen „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“.

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erstellt am 13.Apr.2016 | 20:06 Uhr

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