FDP-Fraktionschef : Christopher Vogt: Viel Lob für den Kubicki-Nachfolger mit der Exit-Strategie

Christopher Vogt spricht im Landeshaus Kiel.

Christopher Vogt spricht im Landeshaus Kiel.

Lars Harms, nicht Ralf Stegner sei derzeit Oppositionsführer, stichelt der unter Kollegen geschätzte neue FPD-Fraktionsvorsitzende.

shz.de von
23. Januar 2018, 08:15 Uhr

Kiel | Auf dem Weg zum Interview mit dem Neuen sitzt im Vorzimmer ganz unerwartet der Alte. Wolfgang Kubicki hat noch einmal dort vorbeigeschaut, wo er fast ein Vierteljahrhundert als FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag gewirkt hat. An der Wand prangt die „Kubicki-Gedächtniswand“, die seine Büroleiterin mit zahlreichen Fotos bestückt hat. „Wolfgang Kubicki ist der Übervater der Landespartei“, sagt dessen Nachfolger Christopher Vogt dann in seinem Amtszimmer. Der in sich ruhende 34-Jährige, der schon mit 25 in das Parlament einzog, ist ein ganz anderer Typ als der umtriebige Kubicki, der nun als FDP-Bundesvize und Vizepräsident des Bundestages auf der nationalen Ebene agiert.

„Wir gehören völlig unterschiedlichen Generationen an und allein schon deshalb haben wir einen anderen Stil“, sagt Vogt. „Aber die Arbeit in der Fraktion wird sich nicht großartig verändern, wir werden weiter selbstbewusst und eigenständig agieren.“ Allerdings dauerten die Fraktionssitzungen aufgrund der Regierungsbildung nun etwas länger. Doch schnell ergänzt Vogt: „Wolfgang Kubicki hat entgegen seinem Image auch immer einen sehr kollegialen Führungsstil gehabt“.

Vogts Kollege Ralf Stegner von der SPD hebt erst einmal auf Äußerlichkeiten ab. „Im Gegensatz zu Wolfgang Kubicki hat Christopher Vogt keine grauen Haare und trägt auch keinen Bart“, sagt der Sozialdemokrat und schwenkt dann zum vorsichtigen Lob für das „begabte Nachwuchstalent“ der FDP. „Christopher Vogt übernimmt schon seit einiger Zeit politische Verantwortung im Landeshaus und die Zusammenarbeit mit ihm ist kollegial und gut.“ Der Liberale mit dem Hang zu feiner Ironie sagt lachend, Lob von Stegner schade ihm eher als es ihm nutze. Er hat momentan für seinen erfahrenen Rivalen nichts Lobendes parat.

„Wir hatten bisher das Glück, dass die Opposition sehr schwach war“, sagt Vogt. Nur die SSW-Gruppe bringe sich konstruktiv ein. Deren Vorsitzender Lars Harms sei der heimliche Oppositionsführer. „Das ist auch nicht nur Frotzelei in Richtung des Kollegen Dr. Stegner, sondern Lars Harms schafft es mit konstruktiven Beiträgen wirklich, uns durchaus auch mal in Bewegung zu bringen.“ Die SPD hingegen niste sich gemütlich in der Oppositionsrolle ein und vermittle nicht den Eindruck, dass sie schnell wieder regieren wolle. „Herr Dr. Stegner ist auf der Bundesebene sehr beschäftigt und ein Nachfolger ist nicht in Sicht.“ Im Land sei die SPD eher mit Versprechen unterwegs, die sie nicht unterlegen müsse, etwa mit der Forderung nach Rückkehr zum Weihnachtsgeld für Beamte.

Die Gefahr, als Koalitionsfraktion hinter der eigenen Regierung zu verblassen, sehe er gar nicht, sagt Vogt. „Wir stehen natürlich vor der Herausforderung, das liberale Profil zu wahren und zu schärfen in dieser ungewöhnlichen Koalition mit CDU und Grünen.“ Nach einer überraschend guten Startphase warteten 2018 Bewährungsproben auf die Koalition: „Es kommen immer mehr Themen, die wir im Koalitionsvertrag nicht klar definiert haben.“

Für die FDP stünden Bildung samt schwieriger Kita-Reform und Digitalisierung ganz oben auf der Agenda. Das Land wolle schließlich eine digitale Vorzeigeregion in Europa werden. „Und davon sind wir noch Lichtjahre entfernt.“ Die Wirtschaftspolitik inklusive Entbürokratisierung und Ausbau der Verkehrswege hätten ebenfalls sehr hohe Priorität, wie auch eine bessere Integration von Zuwanderern und eine sinnvolle Umsetzung von Inklusion.

CDU-Fraktionschef Tobias Koch lobt seinen neuen FDP-Amskollegen „als äußerst kompetenten Politiker mit hoher Führungsqualität“ und zuverlässigen Koalitionspartner. „Zudem gibt er der FDP ein frisches Profil und tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers als rhetorisches Talent.“ Auch wenn es mit seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden so scheinen mag - Vogt sieht sich nicht als Berufspolitiker auf Lebenszeit. Mit 25 sei er extrem früh in den Landtag gekommen. „Und ich habe nicht vor, bis zur Rente Politik zu machen.“ Als Wirtschaftsingenieur habe er ja etwas einigermaßen Anständiges gelernt. „Ich hoffe, dass ich nicht komplett für den Arbeitsmarkt verbrannt bin.“ Wohl wissend, welche Interpretationen solche Bemerkungen auslösen können, fügt der Vater von zwei kleinen Töchtern noch schnell hinzu: „Die nächsten Jahre werde ich aber auf jeden Fall hier Politik für Schleswig-Holstein gestalten“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen