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Hamburg-Wahl 2015 : CDU – Keine Chance im Großstadtrevier

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Christdemokraten stellen in den 20 größten deutschen Städten nur zwei Bürgermeister. Die SPD ist stark in den Ländern, aber schwach auf Bundesebene.

Hamburg | Angela Merkel sei eine Dame ohne Unterleib, spotten Bündnisgrüne. Unterhalb der Bundesebene ist die Ökopartei an mehr Landesregierungen beteiligt als die Union. Nur noch sechs christdemokratische Oberbürgermeister amtieren in den 30 größten Städten. Unter den 20 größten Städten sind es sogar nur zwei. Zuletzt ging Düsseldorf verloren. Schuld sei der selbstherrliche Amtsinhaber gewesen, meint Nordrhein-Westfalens CDU-Chef Armin Laschet. Aber schon seit Jahrzehnten leidet die CDU an einer Großstadtmisere.

Obwohl Unionskanzler zum Ärger der SPD fast die gesamte Nachkriegszeit dominierten, waren Sozialdemokraten in den Städten erfolgreicher. Gelang der CDU dann doch die Eroberung von SPD-Hochburgen, waren die Genossen starke „Wahlhelfer“. Als Regierender Bürgermeister von Berlin löste Richard von Weizsäcker 1981 eine korrupte SPD ab. Ole von Beust (CDU) befreite 2001 Hamburg vom piefig-verfilzten SPD-Milieu und als die Christdemokratin Petra Roth 1995 den Chefsessel im Frankfurter Rathaus übernahm, bezeichnete ein SPD-Abgeordneter den Zustand seiner Frankfurter Partei als „offene Psychiatrie“.

Das Erfolgsrezept der CDU bestand auch aus starken Persönlichkeiten. Das provinzielle Westberlin sonnte sich in der Eleganz Weizsäckers. Der in jeder Hinsicht liberale Ole von Beust repräsentierte das weltläufige Bürgertum Hamburgs besser als die verklemmten SPD-Sozialarbeiter. Kommunalwahlen sind von jeher Persönlichkeitswahlen.

Der Nachwuchsmangel an CDU-Charakterköpfen wirkt sich gerade in den Rathäusern aus – zumal es besonders Ambitionierte immer in die Bundespolitik zog, wenn die Partei den Kanzler stellte. Bezeichnend ist die Entscheidung der Kölner CDU, keinen eigenen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl aufzustellen, sondern mit den Grünen die Parteilose Henriette Reker zu unterstützen. Durch alle CDU-Strategiepapiere zieht sich die Bewunderung grüner Wahlerfolge. Zwar heißt es, Grüne seien „ein bürgerliches Luxusphänomen“. Viele Unionsstrategen plädieren aber für Schwarz-Grün, da Bündnisgrüne das städtische Lebensgefühl besser ansprechen – vom Linksdrall der Studenten über die Armutsbedrohung alleinerziehender Mütter bis zum Postmaterialismus von Bankergattinnen im ökologisch-korrekten Cabrio.

Der CDU-Politiker Matthias Zimmer bringt seine mehrseitige Analyse auf die Formel: „Für einen Teil der Großstadtwähler sind wir noch zu uncool.“ Die CDU solle jünger, weiblicher und bunter werden, fordert auch Generalsekretär Peter Tauber. Als hyperaktiver Twitterer zählt der 40-Jährige selbst zur Digitalgeneration, um die er wirbt. Vor Ort wirke die CDU oft noch zu spießig, klagt Kai Wegner. Er ist Großstadtbeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Richtig an Wegners Einschätzung ist, dass sich die CDU unter Angela Merkel stärker modernisierte als jemals zuvor, ob es um Kinderbetreuung, Atomausstieg, Abschaffung der Wehrpflicht oder Frauenförderung geht. Ohne den Zuspruch großstädtischer Wähler hätte die Kanzlerin ihr 41-Prozent-Ergebnis nicht erreichen können, das sich bei Kommunalwahlen aber nicht wiederholt.

Welche Bedeutung der Wechselfreude von Metropolenwählern zukommt, erfährt auch die SPD. Ihr Stolz, neun der zehn größten Städte zu regieren und die Mehrheit der Ministerpräsidenten zu stellen, kontrastiert zur 25-Prozent-Gefangenschaft auf Bundesebene. Selbst bei den Grünen stehen Wahlerfolge auf Landes- und Kommunalebene im Gegensatz zur quälenden Selbstfindung der kleinsten Oppositionsfraktion im Bundestag. Frei von politischen Bindungen wählen Großstädter a la carte – nach dem jeweiligen Tagesangebot der Parteien. Besonders die CDU muss dafür bessere Nachwuchspflege betreiben.

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