Auszeichnung für Carstensen : Bundesverdienstkreuz für "den Kümmerer"

Als 'Gesicht Schleswig-Holsteins' würdigte Bundespräsident Joachim Gauck Schleswig-Holsteins ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen. Foto: dpa
Als "Gesicht Schleswig-Holsteins" würdigte Bundespräsident Joachim Gauck Schleswig-Holsteins ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen. Foto: dpa

Schleswig-Holsteins Ex-Regierungschef Carstensen erhält eine der höchsten Auszeichnungen des Staates. Sein politisches Credo: "Dor warr ik mi um kümmern".

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16. März 2013, 12:48 Uhr

Berlin | Da muss der Bundespräsident jetzt durch. Peter Harry Carstensen hält seine Dankesrede auf Plattdeutsch. Jedenfalls am Anfang. Und auch zwischendurch noch mal - als Schleswig-Holsteins ehemaliger Ministerpräsident sein politisches Credo auf den Punkt bringt: "Dor warr ik mi um kümmern!"

Dieses Versprechen eines längst verstorbenen politischen Weggefährten habe auch er sich zum Auftrag gemacht, sagt Carstensen. Er erzählt, dass er nach längerer Abwesenheit von Zuhause stets jeden zurückgerufen habe, der in seinem Telefon als Anrufer registriert war. Manche glaubten nicht, dass der Ministerpräsident persönlich dran war, aber er fand die Rückrufe wichtig. "Ich habe immer das Gefühl gehabt", sagt Kümmerer Carstensen, diesmal auf Hochdeutsch, "dass ich für die Menschen etwas tue, nicht für die Partei oder das Amt oder eine Klientel."

Auszeichnung für Bürgernähe

Nicht zuletzt für diese Haltung verleiht ihm am Donnerstag Joachim Gauck im Schloss Bellevue in Berlin eine der höchsten Auszeichnungen des Staates: das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Nur zwei andere lebende Schleswig-Holsteiner haben es ebenfalls, weiß Carstensen: der ehemalige Grenzlandbeauftragte Kurt Schulz und der frühere Arbeitgeberpräsident Klaus Murmann.

Dass auch dem 66-jährigen Nordfriesen nun diese Ehre zuteil wird, begründet Gauck nicht nur mit dessen Bürgernähe, sondern vor allem damit, dass Christdemokrat Carstensen es als schleswig-holsteinischer Regierungschef geschafft hat, zum "Gesicht des Landes" zu werden: "Wer Schleswig-Holstein personifizieren wollte, kam mehr oder weniger automatisch auf Peter Harry Carstensen", sagt Gauck. Die gut 30 Ehrengäste hören es gern. Darunter sind nicht nur Carstensens Frau, seine beiden Töchter, zwei Enkel und eine Enkelin, sondern sogar Herr Zhu aus dem fernen China - ein Unternehmer, den Carstensen in seiner Amtszeit kennen und schätzen gelernt hat.

Stets vertrauensvoll

Gauck zählt in seiner Lobrede natürlich auch ein paar politische Verdienste Carstensens auf: Er habe mit einer Mittelstandsoffensive 90.000 Arbeitsplätze geschaffen, für mehr Kitaplätze gesorgt und den Betreuungsschlüssel an den Schulen verbessert. Zudem habe man seinem Wort stets vertrauen können - das würden selbst entschiedene politische Gegner einräumen. "Man kann vielleicht sogar die Frage stellen, ob er so etwas wie entschiedene politische Gegner überhaupt noch hatte", sagt Gauck. Da muss Carstensen schmunzeln: Ein Bundespräsident kann offenbar nicht jeden SPD-Fraktionschef in der Republik kennen.

Für das kräftige Lob und die hohe Auszeichnung bedankt sich Hobby-Imker Carstensen bei Gauck nicht nur mit Worten, sondern auch mit zwei Gläsern selbst produzierten Honigs. Damit hatte er auch schon seinen sozialdemokratischen Nachfolger Torsten Albig bei dessen Amtseinführung überrascht.

Albig gratuliert Carstensen mit eigenem Empfang

Der wiederum gibt zu Ehren des neuen Bundesverdienstkreuz-Trägers ebenfalls noch einen Empfang. Obwohl sie verschiedenen Parteien angehören, schätzen sich Carstensen und Albig. "Sie waren ein bedeutender Ministerpräsident - ich verneige mich vor ihrer Lebensleistung", sagt Albig. Carstensen ist sichtlich gerührt und gibt das Kompliment zurück: "Ich danke Ihnen sehr. Das ist ein außerordentlich guter Stil, den Sie hier pflegen."

Nur eines stört ihn an seinem Nachfolger Albig, wie er vormittags am Rande der Auszeichnung durch Gauck sagt: Der überlasse SPD-Fraktionschef Ralf Stegner zu viel Einfluss. "Meine Sorge ist", sagt Carstensen und macht trotz Ruhestand mal wieder Tagespolitik, "dass nicht Torsten Albig die Politik bestimmt, sondern die Fraktion."

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