„Bundeskonzept grüne Infrastruktur“ : Bund will Natur-Ausbau stärken - und SH steht gut da

Die Vogelinsel Trischen im Nationalpark Wattenmeer ist etwas Besonderes. Trischen gehört seit 1909 zu den geschützten Seevogelfreistätten.
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Die Vogelinsel Trischen im Nationalpark Wattenmeer ist etwas Besonderes. Trischen gehört seit 1909 zu den geschützten Seevogelfreistätten.

Bei der Infrastruktur geht es meistens um Straßen, Schienen und Leitungen. Ein neues Konzept aus Berlin soll das ändern.

shz.de von
23. März 2017, 06:32 Uhr

Berlin/Kiel | Es ist der große Kummer der Umweltfreunde: Wenn in großem Stil geplant und gebaut wird, leidet die Natur. Ob beim Bundesverkehrswegeplan oder beim Bundesnetzplan, ob die Küstenautobahn A20 oder das Erdkabel „Südlink“  – stets zerschneiden neue Straßen oder Stromleitungen den Lebensraum von Tieren und Pflanzen und stören das ökologische Gleichgewicht. Nun schlägt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zurück: Ihr Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat in Berlin erstmals einen umfassenden Plan für schützenswerte Naturgebiete vorgelegt – ein „Bundeskonzept grüne Infrastruktur“. 

Mit dem grünen Plan  wolle man „den grauen Konzepten“ aus Beton „ein Pendant gegenüberstellen, das die Raumplanungen auf Bundesebene künftig in Richtung des Erhalts und weiteren Ausbaus von Ökosystemen lenken soll“, sagte BfN-Chefin Beate Jessel. Der Begriff „grüne Infrastruktur“ solle dabei verdeutlichen, „dass auch die Ökosysteme für die Entwicklung eines Landes unverzichtbar sind“. Allein die Flussauen wie etwa an der Elbe erbrächten jährlich Leistungen im Wert von 500 Millionen Euro, weil sie Stickstoff und Phosphor aus den Flüssen und Meeren filtern.

Konkrete Projekte zur Ausweitung oder Einrichtung von Naturschutzräumen fordert das neue Konzept noch nicht. Vielmehr bündelt es auf einen Blick alle bestehenden Schutzgebiete. Auf der Schleswig-Holstein-Karte erstreckt sich die „grüne Infrastruktur“ vom Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Holnis bei Flensburg über den Nationalpark Wattenmeer und die Moore der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge bis zum Biosphärenreservat Elbtalaue bei Lauenburg. „Unser Konzept macht alle  Flächen sichtbar, die es bei Planungen zu berücksichtigen gilt“,  erklärte Jessel. Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck begrüßte das Konzept: „Wer den Naturschutz  einbezieht, plant besser und schneller“, sagte er. 

BfN-Chefin Jessel will künftig sogar noch mehr Naturräume als bisher schonen. Dazu lasse sie gerade einen „Aktionsplan Schutzgebiete“ erarbeiten, sagte sie. Zudem müssten die seit fünf Jahren geplanten, aber „in der Versenkung verschwundenen“ 93 Projekte zur Wiedervernetzung von Lebensräumen endlich verwirklicht werden. „Die Zerschneidung durch die graue Infrastruktur ist eine der Hauptursachen für die Gefährdung von Tierarten“, sagte Jessel und nannte die Wildkatze, die Zauneidechse und die Gelbbauchunke. Außerdem gebe es „erhebliche Umsetzungsdefizite“ bei dem vom Bund  gesetzten Ziel, in jedem Land mindestens zehn Prozent der Flächen für einen Biotop-Verbund bereitzustellen.

Schleswig-Holstein nahm sie von der Kritik aus: Das Land habe schon viel für den Naturschutz getan. Unter anderem hat die Küstenkoalition in Kiel beschlossen, dass sogar 15 Prozent der LandesfFläche  für einen Biotop-Verbund genutzt werden soll – 11 Prozent sind laut Minister Habeck bereits gesichert. Auch plant der Grüne zwei neue Naturschutzgebiete in Wäldern in Barlohe bei Rendsburg und Hakendorf bei Mölln.  Zudem gibt es im Norden ein Vorzeigeprojekt für die Vernetzung von Lebensräumen, lobte BfN-Chefin Jessel: Die  Grünbrücke Kiebitzholm auf der A21 bei Bad Segeberg habe es „mehreren hundert Tier- und Pflanzenarten“ ermöglicht, sich besser auszubreiten.  Henning Baethge

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