Landesregierung in Kiel : Bürgerkongress in Büdelsdorf: Albig will reden

Ministerpräsident Torsten Albig hat Gesprächsbedarf. Foto: Ruff
Ministerpräsident Torsten Albig hat Gesprächsbedarf. Foto: Ruff

Die Landesregierung lädt zum Bürgerkongress nach Büdelsdorf: 150 ausgewählte Gäste reden mit dem Ministerpräsidenten Torsten Albig.

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08. Juni 2013, 10:11 Uhr

Kiel/Büdelsdorf | Die Landesregierung bittet zum Gespräch - mit "dem Bürger". Gastgeber wird der Ministerpräsident sein. Kein Begriff kommt in seinen Reden so häufig vor wie "Dialog". Nun hat Torsten Albig (SPD) zum ersten "Bürgerkongress" eingeladen. 150 Gäste werden bei der Premiere am Sonnabend in Büdelsdorf dabei sein. Sie kommen aus allen Landesteilen und Altersgruppen, aus unterschiedlichen Bildungsschichten - je zur Hälfte Frauen und Männer.
Eine, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurde, ist Elke Berg. Telefonisch sei sie kontaktiert worden. Die 52-Jährige sagte sogleich zu. Wohin die Reise beim Bürgerkongress genau gehen wird, weiß die ehemalige Finanzbeamtin aus Niebüll im Kreis Nordfriesland selbst noch nicht so genau. "Gespannt" sei sie auf den Tag, sagt Elke Berg.

Bürger sollen das Land gestalten

Auf der Agenda stehen Themen wie Energie, Wirtschaft, Bildung und demografischer Wandel. Gedanken und Meinungen sollen die Kongressteilnehmer äußern, "zum Ausdruck bringen, welche Probleme sie sehen", Lösungsansätze einbringen und so "aktiv an der Gestaltung des Landes mitwirken".
Nur zu gern würde Elke Berg über die schlechte Beteiligung an den Kommunalwahlen und deren Ursachen reden. Ob das geplant sei, wisse sie nicht.

"Weiterentwicklung des Landesentwicklungsplans"

Auch Christof Becker (51), Architekt aus aus Kiel, ist dabei. Schon beruflich weiß Becker, wie bedeutsam der demografische Wandel ist. Verwaisten die ländlichen Räume, weil der Nachwuchs fehle, so breche über kurz oder lang auch die Infrastruktur zusammen. Dann müssten Schulen, Kitas oder der Kaufmann dicht machen, verfielen die Preise für Immobilien. "Ohne Demografiebetrachtung ist alles andere nichts", sagt Becker. Ob aus dem "offenen Dialog", den Albig vorgibt, am Ende etwas Greifbares herauskomme, "das weiß ich auch nicht", sagt er. Aus vergleichbaren Veranstaltungen in Stadtteilbeiräten hat sich der Architekt längst "desillusioniert zurückgezogen". Was dort diskutiert werde, "wird in der Regel wieder über den Haufen geworfen".
Für Albig ist der Bürgerkongress "Auftakt zur Weiterentwicklung des Landesentwicklungsplans und die Neuaufstellung der Regionalpläne im Land". Hört sich trocken an - soll aber nach Regierungsangaben "Grundlage für ein strategisches, auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Handeln" sein.
Oppositionsführer Johannes Callsen (CDU) hat keinerlei Erwartungen an den Bürgerkongress. "Nach bisherigen Erfahrungen mit dem Dialog geht es vor allem um schöne Bilder."

shz.de wird am Sonnabend per Liveticker vom Bürgerkongress berichten.

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