zur Navigation springen

Bürgerbeteiligung als Irrweg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kaum jemand interessiert sich für die Anleihe des Netzbetreibers Tennet

Es ist eine krachende Niederlage. Mit seiner Bürgeranleihe wollte Tennet die Akzeptanz der betroffenen Bürger für eine Stromtrasse an Schleswig-Holsteins Westküste erhöhen. Doch kaum ein Anwohner war offenbar bereit, Geld in die Anleihe zu stecken, die von Finanzexperten landauf, landab als hochriskant eingestuft wurde. Mit seiner Bruchlandung beweist der Netzbetreiber dabei, was Studien unter anderem vom bundeseigenen Thünen-Institut schon prophezeit haben: dass Bürgerbeteiligungen beim Netzausbau ein Irrweg sind, da sich Menschen den freien Blick auf den Horizont nicht abkaufen lassen. Tennet steht jetzt da wie ein begossener Pudel, derweil Politiker quer durch die Parteienlandschaft hinweg die Bürgerbeteiligung auch weiterhin gut heißen – wenn das Modell ein anderes wäre.

Das Problem ist nur: Wie es in Zukunft besser gehen soll, kann derzeit niemand sagen. Vielleicht auch, weil der Idee einer Bürgerbeteiligung von Grund auf ein eklatanter Fehler inne wohnt – jenseits des Falls der Westküste-Trasse. Netzbetreiber wie Tennet refinanzieren ihre Investitionen über die Netznutzungsentgelte, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachen und ein wesentlicher Grund für die steigenden Strompreise sind. Während aber alle Bürger die Netznutzungsentgelte zahlen müssen, können es sich längst nicht alle leisten, ihr Geld in eine Bürgerbeteiligung zu stecken. Das heißt vereinfacht: Die Stromrechnung der Geringverdiener garantiert im Extremfall die Rendite der vermögenden Nachbarn. Das ist eine Umverteilung von unten nach oben unter dem Deckmantel der Energiewende.

Wer tatsächlich mehr Akzeptanz für die Energiewende und den Netzausbau möchte, wird um zweierlei nicht herumkommen: Zum einen wird er die Kosten der Energiewende klar benennen müssen. Zum anderen muss der Masse der Bürger klar gemacht werden, wann und wie sie endlich von der Energiewende profitieren werden. Doch weder das eine noch das andere ist gegenwärtig der Fall. Daran ändert auch eine Bürgerleitung nichts.

zur Startseite

von
erstellt am 30.Sep.2013 | 07:11 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen